Archiv für Dezember, 2008

Die Jahresbestenliste

30. Dezember 2008

Die höchstpersönliche Song-Collection des Jahrgangs 2008 (ohne spezielle Ordnung und Wertung)… Okay, vielleicht schaff’ ich’s dann im Frühjahr, spätestens im Altweibersommer, die Stücke, aufgefädelt auf einer Digitalperlenschnur, auch höchstpersönlich weiterzureichen. Stay tuned!

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1) PORTISHEAD – Deep Water
2) THE INTERNATIONAL NOISE CONSPIRACY – I Am The Dynamite
3) ELBOW – Grounds For Divorce
4) ANTONY & THE JOHNSONS – Shake That Devil
5) BON IVER – Flume
6) FLEET FOXES – Mykonos
7) SOAP&SKIN – The Sun
8) MAURACHER – Rosary Girls
9) TROUBLE OVER TOKYO – The Dark Below
10) TINA DICO – Sacre Coeur
11) UNBUNNY – I Leave Stones Unturned
12) HOLDEN – Madrid
13) THE FAINT – The Geeks Were Right
14) HERCULES & LOVE AFFAIR – Blind
15) HOOVERPHONIC – Expedition Impossible
16) JOAN AS POLICE WOMAN – Furious

und aus dem eigenen Haus, quasi

17) ERNST MOLDEN & WILLI RESETARITS – Hammerschmidgossn
18) SON OF THE VELVET RAT – Gravity
19) THE BASE – She She She
20) THE PSYCHEDELIC FORCES OF SUDAN – On/Off

Heite kaun i, heite derf i

28. Dezember 2008

Dieser Termin ist eine kleine Sensation: ORF-Radiokulturhaus, 21.01.2009. Denn mit Sigi Maron kehrt eine wirkliche Legende auf die Bühne zurück.

sigi-maron

Es ist kein Comeback der üblichen, meist rein kommerziell motivierten Art. Krankheitsbedingt ist Maron, die Galionsfigur der heimischen Polit-Singer/Songwriter-Szene, über zehn lange Jahre nicht aufgetreten. Die Rückkehr des wortgewaltigen, impulsiven und geliebt-gefürchteten Schmähführers, der seit seiner Jugend im Rollstuhl sitzt, darf in der Tat als kräftiges Lebenszeichen gewertet werden. „Meine Frau häkelt bereits eine rote Fahne für die Weltrevolution!“, teilt der Sänger, Dichter und Denker vorab per mail mit. Und: „Ich übe auch brav jeden dritten Tag eine Viertelstunde auf der Gitarre, aber Gitarrero werde ich keiner mehr, das steht fest. Fünf, sechs Lieder sind aber kein Stress.“

Anno 2009 tritt Sigi Maron gemeinsam mit den jungen Musikern der Rocksteady Allstars auf – Ska und Reggae in Verbindung mit Maron-Texten (u.a. aus dem neuen Buch „Fahrrad gegen Mercedes. Gedichte und so“, erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz), das ist eine ganz frische, unorthodoxe und vergnügliche Kombination. „Die Musik macht mir, bei aller Anstrengung, wieder eine unbändige Freude“, so Maron. Die Unbill diverser Lebens-Handicaps und Alltagswidrigkeiten wird solchermassen flugs mit dem Rock’n’Rollstuhl entsorgt.

1944 in Wien geboren, wuchs Sigi Maron mit sechs Geschwistern in Gneixendorf bei Krems auf. In den siebziger Jahren reifte er im Umfeld der „Arena“-Bewegung zum sozialkritischen Liedermacher heran. In Zusammenarbeit mit den Schmetterlingen, später mit dem Kevin Coyne-Produzenten Bob Ward und Konstantin Wecker schuf er zeitlos gültige Meisterwerke wie „He Taxi“, „5 vor 12“ oder „Unterm Regenbogen“. Die Single „Geh’ no net fort“ rangierte 1985 zehn Wochen lang in den Charts. Maron galt dabei immer als eine der personellen Speerspitzen der heimischen Polit-Liedermacherszene. 1998 und 2003 kandidierte er für die Kommunistische Partei Österreichs für den niederösterreichischen Landtag. Vom beissenden Spott, der zärtlichen Zynik und volksverbundenen Derbheit seiner Sangeskunst blieben aber auch die eigenen Genossen bisweilen nicht verschont.

Zudem: für Sigi Maron ist der Termin im Radiokulturhaus ein besonderer, später Triumph. Denn einst, Anfang der achtziger Jahre, protestierte er gegen den Ö3-Boykott der kritischen Liedermacher vor dem Wiener Funkhaus. Und wurde dafür von der Polizei in die Psychiatrie eingeliefert. Daß er dereinst am selben Ort geliebt, gehört, gefeiert würde, war damals in der Tat noch unabsehbar.

(LIVE@RKH)

in memoriam Christoph Moser

20. Dezember 2008

Ein “Record Man” sei er gewesen, habe ich in einem der vielen, sehr respektvollen und persönlichen Nachrufe auf Christoph Moser gelesen. Das war er, in der Tat.

christoph-moser

Christoph, der – von Attwenger bis Texta, von Fatima Spar bis Soap&Skin – nicht wenigen der hervorragendsten Vertreter der heimischen Musikszene mit auf die Sprünge geholfen und Hoanzl zum führenden Indie-Vertrieb Österreichs aufgebaut hat, wird allerorten vermisst. Und dieser Schmerz über einen zu frühen, zu jähen Tod wird sich noch steigern: wirklich kompetente, tatkräftige und unerschütterlich positive Akteure wie ihn gab und gibt es hierzulande nur wenige. Tiefe Verneigung, Christoph. Im Himmel haben sie einen höllischen Schnaps, hoff’ ich wohl.