Dieser Termin ist eine kleine Sensation: ORF-Radiokulturhaus, 21.01.2009. Denn mit Sigi Maron kehrt eine wirkliche Legende auf die Bühne zurück.

Es ist kein Comeback der üblichen, meist rein kommerziell motivierten Art. Krankheitsbedingt ist Maron, die Galionsfigur der heimischen Polit-Singer/Songwriter-Szene, über zehn lange Jahre nicht aufgetreten. Die Rückkehr des wortgewaltigen, impulsiven und geliebt-gefürchteten Schmähführers, der seit seiner Jugend im Rollstuhl sitzt, darf in der Tat als kräftiges Lebenszeichen gewertet werden. „Meine Frau häkelt bereits eine rote Fahne für die Weltrevolution!“, teilt der Sänger, Dichter und Denker vorab per mail mit. Und: „Ich übe auch brav jeden dritten Tag eine Viertelstunde auf der Gitarre, aber Gitarrero werde ich keiner mehr, das steht fest. Fünf, sechs Lieder sind aber kein Stress.“
Anno 2009 tritt Sigi Maron gemeinsam mit den jungen Musikern der Rocksteady Allstars auf – Ska und Reggae in Verbindung mit Maron-Texten (u.a. aus dem neuen Buch „Fahrrad gegen Mercedes. Gedichte und so“, erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz), das ist eine ganz frische, unorthodoxe und vergnügliche Kombination. „Die Musik macht mir, bei aller Anstrengung, wieder eine unbändige Freude“, so Maron. Die Unbill diverser Lebens-Handicaps und Alltagswidrigkeiten wird solchermassen flugs mit dem Rock’n’Rollstuhl entsorgt.
1944 in Wien geboren, wuchs Sigi Maron mit sechs Geschwistern in Gneixendorf bei Krems auf. In den siebziger Jahren reifte er im Umfeld der „Arena“-Bewegung zum sozialkritischen Liedermacher heran. In Zusammenarbeit mit den Schmetterlingen, später mit dem Kevin Coyne-Produzenten Bob Ward und Konstantin Wecker schuf er zeitlos gültige Meisterwerke wie „He Taxi“, „5 vor 12“ oder „Unterm Regenbogen“. Die Single „Geh’ no net fort“ rangierte 1985 zehn Wochen lang in den Charts. Maron galt dabei immer als eine der personellen Speerspitzen der heimischen Polit-Liedermacherszene. 1998 und 2003 kandidierte er für die Kommunistische Partei Österreichs für den niederösterreichischen Landtag. Vom beissenden Spott, der zärtlichen Zynik und volksverbundenen Derbheit seiner Sangeskunst blieben aber auch die eigenen Genossen bisweilen nicht verschont.
Zudem: für Sigi Maron ist der Termin im Radiokulturhaus ein besonderer, später Triumph. Denn einst, Anfang der achtziger Jahre, protestierte er gegen den Ö3-Boykott der kritischen Liedermacher vor dem Wiener Funkhaus. Und wurde dafür von der Polizei in die Psychiatrie eingeliefert. Daß er dereinst am selben Ort geliebt, gehört, gefeiert würde, war damals in der Tat noch unabsehbar.
(LIVE@RKH)