Fescher Fetisch

18. Februar 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (148) Das Nokia Lumia 800 ist ein schickes neues Handy. Mit “Windows Phone”. Reicht das?

Letzte Woche war ich beim „Falter“ eingeladen, jener Zeitung, die sich vom wöchentlich erscheinenden Wiener Programmheft im Lauf der Jahre zu einem der wesentlichen Politik- und Kultur-Magazine des Landes emporgeschwungen hat (ich bin seit 1979 Abonnent des „Falter“, das sagt wohl alles über meine Wertschätzung). Es ging der Redaktion um eine „Blattkritik“. Und weil sie von einem Externen kommt, muss man sich da kein Blatt vor den Mund nehmen. Neben der einen oder anderen launigen Anmerkung zum Design und Inhalt der Zeitung konnte ich es mir nicht verkneifen, die Technikkolumne des „Falter“ ins Visier zu nehmen. Dort schreibt nämlich der geschätzte Kollege Thomas Vasek vorzugsweise, wenn nicht gar ausschliesslich über – Handies.

Nun kann man diese Gerätegattung, die sich ja mittlerweile als „Smartphone“ zur zentralen Intelligenzagentur im Hosensack, wenn nicht gar zur eierlegenden Digitalwollmilchsau entwickelt hat, schon ziemlich faszinierend finden. Andererseits wird’s auf Dauer auch öd, über nichts anderes mehr zu berichten. Insofern hat mir Vasek diese Woche einen Streich gespielt, weil er plötzlich und unerwartet eine Freisprechanlage zum Thema seiner Kolumne machte. Oder war’s eine Navigations-App? Letztlich doch wieder etwas, das am Fetisch Mobiltelefon klebt.

Ironie des Schicksals: jetzt komme ich auch nicht mehr dran vorbei, über ein Handy zu schreiben. Man hat mir das neue Nokia Lumia 800 geschickt, über das eigentlich auf diesen Seiten, denk’ ich, eh schon ausführlich berichtet wurde. Man merkt den Druck und Drang der PR-Agentur und des Herstellers Nokia, deutlich zu sagen: „He, alle mal aufpassen! Was Apple und Samsung können, das können wir auch. Eventuell sogar besser.“ Oberflächlich anders ist das Ding jedenfalls. Denn es kommt mit „Windows Phone“ ins Haus, einem Betriebsssystem, das generell einen Vorgeschmack auf „Windows 8“ und dessen elegantes, aber nicht unumstrittenes „Kachel“-Design bietet.

Mir gefällt’s. Sehr sogar. Denn dagegen sieht sogar mein iPhone relativ bieder und konservativ aus (über Android-Geräte kann ich nichts sagen, ich teste eben nicht jeden Tag Handies). Das Nokia hat zudem eine brauchbare Kamera an Bord, Gratis-Navigation und ist ausreichend schnell. Der Bildschirm ist brillant. Die Batterielaufzeit angeblich mau, aber das habe ich nur gelesen. Schick, aber fragwürdig ist in jedem Fall die (in meinem Fall hellblaue) Plastikummantelung: sie wird erstaunlich rasch schmutzig. Und ein Plastikklapperl fehlt auch schon.

Das Rad hat man also nicht neu erfunden. Trotzdem: weiter so, Nokia! Es wird schon wieder werden mit den Marktanteilen (auch wenn’s aktuell nicht danach aussieht). Und es ist gewiss kein strategischer Fehler, gemeinsam mit Microsoft eine Alternative zum Einheitsbrei zu bieten.

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3 Antworten to “Fescher Fetisch”

  1. CEEA Says:

    Sehr schön. Das neue Nokia sieht ganz gut aus und hat bisher doch einiges an Lob erhalten.
    Aber es ist noch lange nicht an dem Punkt, wo Nokia mal war. Marktführer und auch innovationsgebende Firma mit vielen coolen Geräten.
    Mal schauen, wie es in 1-2 Jahren aussieht.
    Derzeit teilen sich Android und iOS den Smartphonmarkt mehr oder weniger gerecht auf. :)

    Wohin insgesamt die Reise geht ist derzeit schwer zu beantworten.
    Womöglich gibt Ende des Monats die MWC in Barcelona schon etwas mehr Aufschluss darüber.


  2. Verwiese auf meinen Blogeintrag: “God and your smartphone are watching you”:

    “Gibt es vielleicht künstliche Paradiese eben deshalb, weil man in der Natur noch keines gefunden hat? (Über Charles Baudelaires “Die künstlichen Paradiese)

    http://klauskarlbauer.wordpress.com/2011/01/15/god-and-your-smartphone-are-watching-you/


  3. [...] über neue, neueste und allerneueste Mobiltelefone berichten will (hat er gar die letztwöchige Kolumne gelesen?), liegt es an mir, auf Lifestyle-Berichterstattung umzuschwenken. Die Prozessoren und [...]


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