Porsche Zafira

7. April 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (154) Design oder Nicht-Sein: wer fährt nicht gerne einen Porsche (auch wenn er eigentlich keiner ist)?

Ich werde kein grosses Geheimnis verraten, wenn ich Ihnen darlege, dass die sogenannten “Wunder der Technik” für die allermeisten Menschen, den Schreiber dieser Zeilen eingeschlossen, ein tatsächliches Mirakel sind. Unsere Freude, ja Ehrfurcht ist nicht eine, die einem tieferen Verständnis für Physik, Mechanik, Kybernetik oder Computertechnologie geschuldet ist, sondern kratzt bestenfalls an der Oberfläche der Schulbildung. Und die vermittelt uns ungebrochen den Lehrsatz von Pythagoras und sonstige Formeln und Regeln von ewiger Gültigkeit. Deutlich seltener aber die praktische Funktionsweise eines Verbrennungsmotors. Oder die nur ganz selten offen dargelegte Pyramidenspiel-Konstruktion unseres Pensionssystems.

Es ist Design, das das Sein camoufliert. Und für uns Durchschnittskonsumenten so begehrenswert macht. In Helge Jepsens Schau-Buch “Männerspielzeug”, 2009 erschienen bei Hoffmann und Campe, werden all die hübschen Dinge vor uns ausgebreitet – vom Montblanc Füllfederhalter bis zur Riva Aquarama Motoryacht. Wir sitzen vor diesen Konsumgütern wie Pawloffsche Hunde. Aber können Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter (oder notfalls Ihrem Sitznachbarn am Wirtshaustisch) erklären, warum ein Flugzeug – deutlich schwerer als Luft – eigentlich fliegt? Oder ein Porsche 911 Turbo mehr Drehmoment hat als ein Opel Zafira?

Ich verfiel ins Sinnieren ob solcher Details, als mich die Nachricht vom Tode Ferdinand Alexander Porsches erreichte. Friede seiner Schöpferseele! Der Mann hat keine Motoren entwickelt, sondern die Hülle rundherum designt. Darunter Ikonen wie eben den 911er (dessen Formensprache noch heute gültig ist) oder den Porsche 904 Carrera GTS. Später wandte er sich Alltagsgütern wie Uhren, Sportschuhen oder Aktentaschen zu. Die Porsche Design GmbH, das von ihm gegründete Unternehmen, war angeblich aber auch in die Gestaltung jenes höchst unspektakulären Gebrauchsfahrzeugs eingebunden, mit dem ich die letzten Jahre über herumgurke (es fand ein paar Zeilen zuvor schon Erwähnung).

Und, ja, ein überlegter und überlegener Gestaltungswillen macht einen Unterschied: die heutigen Zafiras sind vergleichsweise barocke US-Style-Blechbüchsen. Die erste Serie dagegen, developed by Porsche, war von nüchterner, schlichter Eleganz. Derlei hebt selbst schnödeste Massentechnik aus der Masse der Durchschnittlichkeit heraus. Der Erfolg des Modells spricht Bände.

About these ads

Eine Antwort zu “Porsche Zafira”


  1. [...] eine würdige Inschrift. Ich selbst muss allmählich aufpassen, nicht als notorisch nostalgischer Nachruf-Schreiber vom Dienst zu enden. Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies [...]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 100 Followern an

%d Bloggern gefällt das: