Zuckerbergwerk

19. Mai 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (160) Goldmine oder Riesen-Blase? Warum der “Facebook”-Börsegang kaum jemanden kalt lässt.

Na, mit an Bord beim GRÖBAZ, beim grössten Börsegang aller Zeiten? Wenn ja, sind Sie ab sofort stolzer Mitbesitzer von Facebook. Und nicht mehr nur ein einzelnes blasses Gesicht unter Millionen im Social Media-Ringelreih’ (wiewohl: die güldene “Investor”-Schleife am Portraitfoto habe ich im Freundeskreis noch nirgends erblickt. Kommt sicher noch.)

Ganz billig war dieses Vergnügen ja nicht, bitt’schön. Ausser Sie haben eventuell nur exakt eine Aktie erworben, um sich damit später mal, “been there, done that”, vor Ihren Enkelkindern brüsten zu können… Also gehen wir die Zukunft gleich strikt offensiv an, kapitaltechnisch. Was schlagen Sie vor, wie sich der Wert des Unternehmens und damit Ihr potentieller Reibach steigern lässt? Mehr Werbung? Einen Online-Store für virtuelle Statussymbole? Die skrupellose kommerzielle und soziografische Verknüpfung und Auswertung der gesammelten Daten? Eine noch engere Zusammenarbeit mit FBI, CIA und dem Otto Versand? Die Möglichkeit, sich gegen Geld all die lästigen Geister möglichst vom Hals zu halten?

Die Fragen mögen Ihnen, ganz nach Geschmack, provokant oder lachhaft (oder beides zugleich) vorkommen. Aber sie sind ernst gemeint. Denn ab sofort geht es um das Auf und Ab des Börsenkurses. Kategorisch. Die Manager werden einen Teufel tun und auch nur einen Millimeter vom Pfad der Umsatz- und Gewinnmaximierung abweichen.

Wie die Strategie dahinter aber auszusehen hat, darüber könnten die Ansichten und Meinungen bald auseinandergehen. Und zwar heftig. Nicht nur auf der Kapitänsbrücke, sondern auch im Passagierdeck des Social Media-Flaggschiffs, das zugleich der Laderaum ist. Der Rohstoff, der hier gelagert, gehandelt, geknetet und verwurstet wird, sind private Schöpfungen (deren Urheberrechte man übrigens elegant per AGB’s einzukassieren versucht), menschliche Emotionen und höchstpersönliche, bisweilen intimste Informationen. Auch wenn Humanwissenschafter, Statistiker und Marc Zuckerberg das wahrscheinlich anders sehen: es gibt keine komplexere, unberechenbarere Materie weit und breit. Sie besitzt eine ungeheure immanente Sprengkraft. Und Facebook könnte es schneller zerreissen als die Zeppelin-Industrie einst in Lakehurst, New Jersey.

Sie fragen, ob auch ich Aktien des Unternehmens erworben habe? Nein, habe ich nicht. Mein Bauchgefühl sagt: lass’ die Finger davon. Es hat mich noch selten getrügt.

About these ads

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 115 Followern an

%d Bloggern gefällt das: