Uhrenvergleich

25. November 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (187) Die “Qlocktwo” ist ein Chronograph, für den Uhrensammler eine neue Kategorie erfinden müssen.

Das MAK, das österreichische Museum für angewandte Kunst und Gegenwartskunst, war lange im Gerede. Eines Direktors wegen, der seine eigentliche Aufgabenstellung – die Sammlung und Vermittlung von Kunsthandwerk, Grafik und Design – mit neo-feudalistischem Gehabe verwechselte. Und sein eigenes Konterfei auf die Eintrittskarten drucken ließ.

Immerhin war er so pragmatisch-generös, neben Ausstellungen nordkoreanischer Propaganda-Kunst (“Blumen für Kim Il Sung”) auch der grössten heimischen Uhrenschau im MAK eine Heimstätte zu bieten. Zielgruppe: die Reichen und Schönen des Landes. Mit genug Geld im Börsel, um sich Zeitmesser abseits der Swatch-Liga zu kaufen. Eigentlich etwas für Spiesser und Klassenfeinde, oder? Egal: “Viennatime” ist seit Jahren ein Erfolg. Auch heuer strömten wieder über zehntausend Bewunderer exquisiter und exklusiver Chronometer in die Prunkräume am Wiener Stubenring.

Und, ja, die Beschäftigung mit Uhren ist Auseinandersetzung mit Kunst. Im weitesten Sinn. Mit Schmuck-Kultur. Mit feinmechanischer Finesse. Mit dem ewigen Kreisen um die philosophische und materielle Qualität von Zeit. Inklusive kleiner und grosser Komplikationen (das allerdings sind in der Uhrenindustrie positiv besetzte, weil preissteigernde Begriffe, die das Machbare abstecken). Anno 2012 hat es erstmals auch eine heimische Uhren-Manufaktur – Habring nämlich – geschafft, von einer Fachjury unter die Top-Marken in einer von insgesamt sieben Kategorien gewählt zu werden. Mit einer Sportuhr. Im Gegensatz zu vielen arg protzigen, überladenen und verschmockten Kandidaten ist die “Doppel 2.0” geschmackssicher geraten.

Insgesamt ist die Branche ja doch sehr konservativ. Digitaluhren z.B. gelten auf der “Viennatime” als Fremdkörper. Nun: wenn ich einen Preis zu vergeben hätte, dann ginge er an eine Uhr, die ganz anders tickt als alle anderen, die man so kennt: die “Qlocktwo” von Biegert & Funk. Dieser Chronograph zeigt die Zeit typografisch an, also wortwörtlich: “Es ist Viertel nach Zwei”. Ohne Zeiger, ohne Ziffern. Leider gibt es das quadratische Schmuckstück für die Wand nicht als Armbanduhr. Aber man kann die Originalität und Eleganz des Prinzips “in klein” testen: man findet “Qlocktwo” auch als App für Android oder im iPhone Store, Kategorie Lifestyle. Zeitlos verblüffend.

P.S.: Erratum. Es gibt die “Qlocktwo” doch auch als Armbanduhr. Unter dem Namen “Qlocktwo W”. Seit Herbst 2012. Und für die “große”, nicht ganz billige Vorlage gibt’s mittlerweile sogar schon Nachbauanleitungen.

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Eine Antwort to “Uhrenvergleich”


  1. […] Uhr ist eine Uhr ist eine Uhr. Und soll es auch bleiben. Ich bemerke ja auch bei mir selbst Spuren einer zunehmend antimodernistischen Wertekonservativität. Unlängst fiel mir ein Prospekt der […]


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