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Das LinkedIn-Syndrom

10. Mai 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (210) LinkedIn, Xing, Google+ et al fordern ständige Aufmerksamkeit. Sollen wir sie ihnen gewähren?

LinkedIn-Button

Keine Ahnung, wer Sascha H. ist. Laut seinem Profil auf LinkedIn ist er Hutmacher/-Designer, Koch und Idealist. Aha. Und Single. Dass mir Herr H. dann sogar noch sein Geburtsdatum verrät, macht die Sache nicht klarer: ich kenne ihn nicht.

Er begehrt aber mein Freund zu werden. Oder vielleicht auch nur, etwas nüchterner formuliert, ein weiterer unter ein paar tausend potentiellen Kommunikationspartnern. Denn der gute Mann verortet sich selbst im weiten Bereich von „Public Relations and Communications“, und da ist es wohl selbstverständlich, dass man seine Werbebotschaften auch via Social Media unter die Leut’ bringt. Keine Ahnung, ob ich je eine persönliche Nachricht von ihm erhalten werde, wenn ich jetzt den Button „Accept Invitation“ drücke.

Aber will ich das wirklich? Ehrlich gesagt: ich weiß es nicht. Ich weiß nicht einmal, seit wann und warum überhaupt ich auf LinkedIn – einem Netzwerk mit über 200 Millionen Mitgliedern weltweit – bin. Laut Wikipedia dient es „zur Pflege bestehender Geschäftskontakte und zum Knüpfen von neuen Verbindungen“. Wahrscheinlich wollte ich diese Plattform einfach einmal ausprobieren. So wie MySpace, Google+, Xing, last.fm, Flickr, Digg, Stayfriends und einige andere mehr.

Gut, Facebook und Twitter haben sich längst im Alltag eingenistet und sind aus verschiedenen Gründen unabdingbar – manchmal ist man geneigt zu sagen: leider. Von Google+ habe ich das Passwort vergessen, die Motivation, es zu rekonstruieren oder ein neues zu erstellen, ist gering. Bei Xing, das ursprünglich einmal Open BC hieß und nun Burda (“Bunte”) gehört, schau’ ich ab und zu rein – aber so richtig warm werde ich mit dem Netzwerk auch nicht. Den Rest nutze ich sowieso nur sporadisch.

Aber was tun mit all den Leuten, die leise anklopfen und ihre Standardsätze (“Walter, good to see you on LinkedIn” … „Ich möchte Sie zu meinem beruflichen Netzwerk hinzufügen“) absetzen? Zumal einige davon mich auch noch, äh, weiterempfehlen („…have endorsed you for the following skills and expertise…“). Oder mir Grüße, Nachrichten, Einladungen und/oder Drohbotschaften schicken und sich eventuell wundern, warum ich nicht antworte.

Es steckt keine Absicht dahinter. Noch nicht mal eine böse. Die schlichte Wahrheit ist: es gibt mittlerweile so viele Kommunikations-Kanäle, -Möglichkeiten und -Plattformen, dass man einfach den Überblick verliert. Und die Lust. Von der notwendigen Zeit erst gar nicht zu reden.

Wer wirklich meine Aufmerksamkeit erhaschen will, schicke mir einen Brief.

Big Dada

16. März 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (203) Schon mal von “Big Data” gehört? Wenn nein: Nichtwissen schützt definitiv nicht. Insbesondere vor Folgewirkungen.

BD

Die neueste Sau, die durchs Dorf getrieben wird, heisst „Big Data“. Diese Erkenntnis stammt nicht von Rudi Klausnitzer (der dieser Tage ein Buch zum Thema herausgebracht hat) oder gar von mir – der Satz fiel, neben vielen anderen gescheiten und/oder zynischen Sätzen, unlängst im Parlament. Bei einer Urheberrechts-Enquete der Grünen, die sich dankenswerterweise bemühen, Stimmen und Meinungen möglichst aller Interessensgruppen in einer zunehmend drängenden und dabei höchst komplexen Debatte zu hören, die am Rande auch damit zu tun hat.

„Big Data“ also. Eine Umschreibung für das exponentielle Wachstum an beiläufig oder absichtsvoll gesammelten Bits & Bytes, die sich mir nix, dir nix zu Petabytes, Exabytes und Zettabytes auswachsen. Riesige Informations- und Datenmengen. Von Internet-Providern, Verkehrsüberwachungskameras oder Computerkassen (um ein paar Beispiele zu nennen). Daten, die, von Experten analysiert und bewertet, vielfältig nutzbar sind. Etwa um – Stichwort „Vorratsdatenspeicherung“ – seine Schäfchen einschätzen zu können, in ihrem Konsumverhalten genauso wie in Hinsicht auf Verhaltensauffälligkeiten. Hiess das gestern nicht noch „Big Brother“? Und warum stammt gleich der dritte Google-Eintrag zum Thema von McKinsey, einem der berühmt-berüchtigten Think-Tanks des Turbokapitalismus? Handelt es sich um ein Bedrohungsszenario, das an allererster Stelle ein gutes Geschäftsfeld eröffnet? Und…

Na bravo, Herr Gröbchen! Die absichtsvolle Fragestellung und naiv-schlichte Verknüpfung all dieser Worte ist nun (auf ewig?) festgehalten im kollektiven Speicher. Wo man früher Artikel mit der Schere ausschnitt und, mit Randnotizen bekritzelt und in Dossiers eingeklebt, im Aktenschrank oder gleich im Kellerarchiv bunkerte, reicht heute die elektronische Indizierung. Und die erledigt der potentielle Delinquent als geübter Blogger – der die Stich- und Schlagworte automatisch mitliefert – gleich selbst. Die „Big Data“-Daddies müssen sich partout nicht selbst die Hände schmutzig machen.

Das allerschönste Beispiel für die halb freiwillige, halb unbewusste Verwandlung in eine gläserne Menschheit liefert ja Facebook. Was hier von uns allen an markanten Spuren, Psycho-Röntgenbildern, Ego-Stichworten (und demnächst wohl auch -Hashtags) und persönlichen, nein: persönlichsten Informationen zusammengetragen und über Jahre hinweg verdichtet wird, lässt jeden Nachwuchs-CIA-Agenten und Patschenkino-CSI-Profiler jubeln. Wir liefern unbekümmert und unablässig frei Haus. Und fürchten Big Data? Big Dada.

Wie, Sie sind „aus guten Gründen“ nicht bei Facebook? Ziemlich verdächtig. Ist hiermit festgehalten. Kommt umgehend in den Datenschrank. Danke für Ihre Mitwirkung.

Der Schwanzhund & ich

19. Januar 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (195) Facebook beginnt zu nerven. Geht’s bitte auch ohne Kommerz-Kackophonie und Kindergartentanten-Gehabe?

schwanzhund

Seltsames Gefühl, plötzlich nicht mehr am fröhlichen Kommunikations-Ringelreih’ auf Facebook teilnehmen zu dürfen. Und sich in der Verbannung wiederzufinden. Zwar nur für 24 Stunden. Und das nach mehrmaliger Vorab-Ermahnung. Aber doch: plötzlich geht nichts mehr. “Diese Funktion ist vorübergehend blockiert”, meldet sich die Kindergartentante aus der Unternehmenszentrale zu Wort. “Um zu verhindern, dass Du erneut gesperrt wirst, solltest Du die Standards der Facebook-Gemeinschaft gelesen und verstanden haben.”

Was ich zwar gelesen habe, aber bis heute nicht verstehen will, ist der Umstand, dass diese Sperre – meinerseits eine Premiere, Freunde berichten mir, dass ihnen derlei bereits dutzendfach und monatelang passiert ist – auf einer schlichten Meinungsäusserung beruhte. Dahingehend, eine ständig wiederkehrende Werbemeldung eines esoterischen, sektenartig agierenden und offensiv die Werbetrommel rührenden NLP-Unternehmens tunlichst nicht mehr sehen zu wollen.

Eine Social Media-Plattform mit etwas künstlicher Intelligenz hätte meinen Unmut kapiert, erhört und die subjektiv so penetrante Anti-Werbung einfach ausgeblendet. So aber wurde mein legérer Anstoß zum Sündenfall. Zur Gotteslästerung. Verwarnung, temporäres Redeverbot, bei Wiederholung Exkommunikation und Ausstoß aus der Glaubensgemeinschaft. Marc Zuckerberg hat gesprochen. Ich war baff, zugegebenermassen.

Peter Glaser, der beste netzaffine Kolumnist des deutschsprachigen Raums, hat in diesem Kontext seine eigene Geschichte zu erzählen. Die kuriose Story vom “Schwanzhund” – einem Bild, das einen Hund zeigt, aber bei flüchtiger Betrachtung auch andere Assoziationen zulässt. Auch hier gab es eine Abmahnung, der ein Identitäts-Check voranging. “Facebook ist wie ein Bienenkorb“, sagt Glaser. „Wir alle produzieren viele kleine Zuckertröpfchen für den grossen Zuckerberg.“

Für die „Schwanzhund“-Zensur hat der Autor zwei mögliche Erklärungen: „Entweder hat irgendein Marokkaner, der unterbezahlt für Facebooks Anti-Porno-Brigade arbeitet, die Ironie nicht verstanden. Oder eine Maschine hat den Inhalt gefiltert.“ Beides bedeute, dass sich Facebook seine Schäfchen mit möglichst geringem Arbeitsaufwand vom Halse halten will. „Sie sollen brav miteinander spielen und den Reklamerand lesen, sonst fliegen sie raus. Das ist das Gegenteil von sozial.“ Word.

Freund Glaser hat noch einiges mehr zu sagen, man sollte es lesen. Und rückt der gute Mann eines Tages Ober-Kindergartenonkel Zuckerberg schärfer an den Kragen oder zieht mit guten Gründen ganz von dannen, bin ich der erste, der sich ihm anschliesst.

Memento Mori

1. Dezember 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (188) Die Virtualisierung unserer Existenz erfasst auch die letzten Dinge.

Kerze

Zuletzt bin ich über mich selbst erschrocken. Ein wenig zumindest. Wie das? Nun: eine liebe Freundin war gestorben, ich selbst gerade tausende Kilometer vom gemeinsamen Heimatort entfernt, und mir fiel nichts Besseres ein, als auf Facebook zu kondolorieren. Als öffentliches Zeichen meiner privaten Trauer – contradictio in adiecto? – postete ich ein YouTube-Video einer stumm flackernden Kerze, (fast) ohne Kommentar. Natürlich liess ich es dabei nicht bewenden. Zum Zeitpunkt, da Sie diese Zeilen lesen, werde ich das Begräbnis besucht, Erde auf einen Sarg geworfen, tröstende Worte formuliert und das eine oder andere stille Gebet gesprochen haben.

Aber diese erste, mich leise erschreckende Reaktion hallt nach: die der postwendenden Facebook-Trauer. Man forscht fast zwangsläufig auch den letzten Lebensspuren des/der Verstorbenen nach, wirft einen bekümmerten Blick auf die jäh endende “Timeline”, kann die Reaktionen von Freunden und Verwandten nachlesen – und kehrt wohl, zufällig oder absichtlich, wieder. Und wieder. Eventuell wird man die Schattenexistenz im Netz öfter besuchen als die reale Grabstätte auf dem Friedhof. Wie lange wird sie wohl noch existieren, die Facebook-Identität von F.? Könnte sie nicht auch fortgeschrieben werden als nachhaltiger Ort der Trauer und Erinnerung? Es muß ja nicht für die Ewigkeit sein. Oder: doch.

Mittlerweile ist es ein sehr zeitgemässes Thema geworden, je nach Gemütslage ein bekümmerndes oder beglückendes: wie geht man mit dem Daten-Vermächtnis eines Menschen um? Die elektronischen Spuren, die man freiwillig (und, oft in weit grösserem Umfang, unfreiwillig) hinterlässt – wer darf sie löschen? Wann? Wo? Wie radikal? Und wer kann es überhaupt? Und sind nicht auch würdevolle virtuelle Friedhöfe, Mausoleen und Online-Gedenkräume vorstellbar? Eine rhetorische Frage: es gibt sie längst.

Die verdichtetete multimediale Repräsentation einer menschlichen Existenz, abrufbar auf Knopfdruck, ist ein Angebot, das das Gewerbe der Grabredner und Nachrufschreiber nachhaltig beschädigen wird. Aber jedem Ende wohnt, kein schwacher Trost, unzweifelhaft ein neuer Anfang inne.

Im Trotzwinkerl

17. November 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (186) Medien ohne Rückkanäle sind wie Audiogeräte ohne Funkanbindung: irgendwie von gestern.

Sogar im Urlaub, ein paar tausend Kilometer fern der Heimat, verspürt man den Drang, sich heftig an die Stirn zu tippen. Der Grund? Der “Bundeskommunikationssenat”, so liest man im Internet nach, und die “KommAustria” – kurz gesagt: die einschlägigen politbürokratischen Aufsichtsorgane des Landes – untersagen dem ORF, seine Sender, Sendungen und Inhalte auf Facebook zu bewerben. Der Verwaltungsgerichtshof hat diese Interpretation des Gesetzes bestätigt. Der Verfassungsgerichtshof dagegen gab – so der aktuelle Letztstand – einer Beschwerde des ORF-Managements gegen diese Entscheidung nach und verlieh ihr aufschiebende Wirkung. Ein unwürdiges Hin- und Her, einmal mehr prolongiert.

Wahrscheinlich ist und bleibt: die grösste Medienorgel des Landes muß ihre Social Media-Verbindungen kappen. Das ist natürlich kurios, weltfremd, vom sprichwörtlichen kleinen Gebührenzahler sicherlich so nicht gewollt. Aber die Zeitungsverleger sehen sonstigenfalls ihre Zukunft gefährdet. Im Abtausch hat man dem ORF mehr Werbezeit und Gebühren zugestanden. Man könnte lachen, wäre es nicht zum Weinen: da setzen hochbezahlte Politiker, Generaldirektoren, Finanz- und Kommunikationsexperten ihre Unterschrift unter prohibitive Basar-Vereinbarungen, die mit der heutigen Medienwelt wenig bis nichts zu tun haben. Und zeigen damit dem p.t. Publikum, das sich längst in fremdbestimmte digitale Sphären verläuft, dass es zwar zahlen darf, aber mitreden eher nicht. Man darf gespannt sein, wie die Herrschaften sich aus diesem Schlamassel wieder befreien.

Soweit, so schlecht. Was fange ich jetzt mit dem restlichen Platz der Kolumne an? Nun: ich eröffne demonstrativ einen Rückkanal. Vorige Woche z.B. empfahl ich an dieser Stelle kleine, hilfreiche Bluetooth-Adapter, die Probleme mit einer plötzlich unaktuell gewordenen iPhone-Schnittstelle lösen. Und Musik empfangen, ganz ohne Kabel und Stecker. Was einige Leser(innen) dieser Zeilen zu Protesten veranlasste: ja, sei mir denn nicht bekannt, dass Bluetooth miese Audio-Qualität bedeute? Schon, meine Damen und Herren. Aber inzwischen gibt es auch verbesserte Standards dieser Funktechnik – A2DP oder Apt-X etwa, die durchaus probat klingen. Und Pop, Klassik oder Volksmusik sind nun mal im Alltag keine High End-Demonstrationsobjekte. Es herrschen Praktikabilität und Bequemlichkeit.

In den unzähligen Elektronik-Kaufhäusern, Technik-Shops und Bazar-Klitschen meines Urlaubsorts Bangkok kann man ein Lied davon singen: ohne Bluetooth-Connection geht da gar nichts mehr. Weder bei Smartphones, Kopfhörern und mobilen Lautsprechern noch bei Docking Stations, Autoradios oder Stereoanlagen. Fernost-Ramsch? Nein: ein pragmatischer, konsumentengetriebener, undogmatischer Trend. Qualitätsfanatiker bleiben besser daheim. Im Trotzwinkerl.

Das Hansi Hinterseer-Dossier

1. Oktober 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (129) Langsam spricht es sich herum, dass der “gläserne Mensch” längst Realität ist.

Legen Sie es mir bitte nicht als Egozentrik aus. Ich wäre ja höchst interessiert daran, zu erfahren, welche Daten über mich an welchen Orten abgespeichert sind. Einerseits natürlich jene, die ich, Stichwort Facebook, freiwillig preisgebe. Oder auch unfreiwillig, dann aber unbedarft & unbedacht. Andererseits jene Gigabyte an Informationen, die Geschäftspartner, Info-Broker, Parteizentralen, TeleKoms, Dienstleister und Warenhäuser, Social Media-Plattformen, Provider, Banken, Behörden und sonstige Pappenheimer gesammelt haben. Und weiter unermüdlich sammeln.

Gelegentlich stösst man da ja auf denkwürdige Einträge. Wie mag sich etwa die ehemalige ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer gefühlt haben, als sie ihren Namen auf der „Extremismusliste“ des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung entdeckte? Oder die singende Ski-Legende Hansi Hinterseer, als Zeitungen in fetten Lettern auf der Titelseite verkündeten, Hinterseers Krankenakte wäre „geknackt“?

Offensichtlich bedarf es ja solch stupender Exempel, um das spröde Thema Datenschutz und dessen Status Quo zu illustrieren. Und einer breiteren Bevölkerungsschicht nahezubringen. In Zeiten, wo – die Metaphorik wird bisweilen von der Realität überholt – die Unfallfotos und Röntgenbilder von Versicherungsnehmern, Kontodaten von ORF-Gebührenzahlern, Privatadressen von Polizisten (die wiederum, sofern sie nicht mit dem Aufrufen von Porno-Seiten beschäftigt sind, ungeniert auf die Datenprofile unbescholtener Staatsbürger zugreifen können) und jede Menge sonstiger sensibler Informationen mehr oder minder offen zugänglich sind, dämmert es allmählich auch den naivsten Mitgliedern unserer Gesellschaft, dass hier einiges im Argen liegt. Selbst Verfechtern der „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“-Idiot-, pardon, -Ideologie.

Zu strukturellem Schindluder gesellt sich individueller. Wer z.B. gestern noch Innenminister war und sich heute vor Korruptions-Ausschüssen wiederfindet, legt zwar eventuell – weil eh schon wurscht! – auf „Reputationsmanagement“ keinen gesteigerten Wert mehr, muss sich aber mit der Tatsache herumschlagen, dass auch die Enkelkinder via Google-Sündregister oder Facebook-Timeline bis in alle Ewigkeit mit den eigenen Verfehlungen konfrontiert sind. Und den daran klebenden Unschuldsvermutungen. Personensuchmaschinen wie „Yasni“ oder “123 People” greifen zudem zwar auch „nur“ auf öffentlich zugängliche Datensätze zurück, verdichten sie aber zu regelrechten Dossiers.

Und, hallelujah!, was wissen dann erst Anonymous, WikiLeaks, Mark Zuckerberg, Maria Fekter, Google, Amazon, die CIA, die Chinesen, die Nordkoreaner, das Verkehrs-, das Finanz- und das Salzamt? Oder der eigene Chef, der zu gern die e-mails mitliest – und längst weiß, was ich hier über ihn schreibe?

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