Öl und Wasser

6. September 1998

Ein paar Worte zum neuen Album von Günter Mokesch. Alias Mo.

mokesch.jpg

Ich bin befugt, über das neue Album von Mo zu schreiben, weil ich ich es Günter Mokesch nicht ausreden konnte. Das Album primär, das Schreiben darüber erst recht nicht.

Mo ist ein Überzeugungstäter, und das unterscheidet ihn nachhaltig von jenen Viertelstunden-Sternschnuppen Warhol’scher Star-Philosophie, die heute die Hitparaden und Ätherwellen beherrschen und doch nichts anderes sind als Reißbrett-Kreaturen zynischer A&R-Manager. Mo dagegen, gewiß auch eine Kunstfigur und doch seelenverwandt mit seinem alter ego Günter Mokesch, ist ein ewig junger, ewig suchender, fast immer naiver und fast immer auch erstaunlich positiver Charakter. Ein Künstler, der seinen Mut und seine Neugier nicht verloren hat und sich nicht einreiht in die Marschriege alternder Austro-Stars, deren alleiniges Metier heute das Klagelied zu sein scheint.

Merke: das neue Mo-Album heißt „Oil and Water“, nicht „Rotz & Wasser“.

Ich bin also befugt, darüber zu schreiben – vielleicht auch deswegen, weil ich schon vor Jahren versucht habe, dem Publikum Mo’sche Kleinode (etwa das wunderbare Album „Dancing With An Eskimo“) nahezubringen. Also bin ich auch befugt, Mo Rügen zu erteilen.

Er scheut nachwievor die großen Gesten und das Pathos nicht. Das steht dem gelernten Österreicher nur im Moment des Scheiterns wirklich gut. Er kümmert sich nicht weiter um neue Strömungen und musikalische Tendenzen, die ja auch in Wien einen guten Nährboden haben, und versucht kaum einmal, sich daran zu reiben. Er kehrt – nach weiten und langen Ausflügen in die Gefilde des Musicals und Kabaretts – unvermutet und unspektakulär zu seinen Wurzeln zurück, in dieses ewige Pop-Brachland zwischen Neusiedler- und Bodensee, und glaubt wahrscheinlich, mit einem Augenzwinkern durchzukommen. Wir werden sehen.

Das neue Werk, absehbar als „Comeback-Album“ etikettiert, zeigt jedenfalls ungebrochen das ewige Talent Mo. Von seinen besten Seiten. „Another Ship To Come“ ist die Fortsetzung von „Ein Schiff wird kommen“ mit anderen Mitteln und einer Pina Colada in der Hand. Ö3 darf sich freuen. Bei „You’re Not Alone“ und „Thin Line“ handelt es sich um Balladen, die Schmalz besitzen und Pep und jenen speziellen Charme, der Vorstadtcasanovas das Autoradio lauter drehen läßt.

Wenn dann „Girls“ im Programm gleich anschließt, umso besser. Gilt irgendwie auch für „Come Back“ – ein Song, dem man Coverversionen von Joe Cocker und Willy DeVille wünscht. „In Times Of Trouble“ wird im Intro die Hoheitsflagge gepflegter Schicksalsschwere aufgezogen – was Mo nicht daran hindert, mal im Seidenanzug, mal mit Stromgitarren dagegen anzugehen und Pop zum nachhaltig wirksamsten Anti-Depressivum auszurufen. Wieder einmal. „Brainwashed Monkeys“: die Achtziger lassen grüßen. Die Loops verweisen auf die Neunziger. Wie wird man das erste Jahrzehnt des nächsten Jahrtausends in salopper Verkürzung nennen? Hat Mokesch Bowie-Aktien gekauft? Was wurde aus Hansi Schimpansi? „The Chinese Monk“ wirft eine weitere Frage auf: lesen Musiker Feng Shui-Ratgeber? Im Song jedenfalls ist Luft drin und Leichtfüßigkeit und etwas, das glücklich macht. Vielleicht Glutamat.

„Sea Of Pain“ ist mein persönlicher Favorit. Sagen wir mal so: es ist der modernste Song, den Mo – neben der Coverversion von „In A Manner Of Speaking“ anno 1991 – je aufgenommen hat. Plädiere für einen Byrne/Eno-Remix. Und einen der Sofa Surfers. „Beautiful“ dagegen läßt mich die Skip-Taste suchen. Nicht jeder Schuß muß ein Treffer sein.

Null Einwände dagegen bei „Drive My Car“: Beatles-Fans können keine schlechten Menschen sein. Hier fährt Günter Mokesch zwar nicht Rolls-Royce, wie’s Lennon/McCartney damals wohl im Sinn hatten, sondern Auto-Scooter. Dafür kracht’s lustiger. Bringt Pluspunkte bei der „Autorevue“.

Gepflegtes Handwerk. Einige große Momente. Ein Album insgesamt, das es nicht verdient, mit dem unseligen Satz „Für eine österreichische Produktion recht gut“ gebrandmarkt zu werden. Das hier hat Reife und Klasse und Charme. Nichts für die Kruder & Dorfmeister-Fraktion, aber bester Stoff für die abgeklärte Rotwein-Klientel. Duftöl & Rosenwasser. Günter Mokesch kann’s nicht lassen. Schon recht so.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: