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24. August 2001

Ein Plädoyer für eine österreichischen Musikplattform im Internet.

„Was den Österreicher vom Deutschen trennt“, hat Karl Kraus bemerkt, „ist die gemeinsame Sprache“. Tatsächlich ist die Sprache, insbesonders in der Musikbranche, derart gemein eine gemeinsame, daß die „Ösis“ oft nur mehr Marketing-Statthalter im eigenen Land sind. Lokale Repertoire-Anstrengungen sind – Ausnahmen bestätigen die Regel – zur dekorativen Folklore verkommen. Ö3-Chef Roscic beklagt dialektisch-zynisch, es mangle an heimischer Qualitätsware. Staatssekretär Morak konstatiert, Österreich sei ein im Bereich der Populärkultur ein Distributionsriese, aber ein Produktionszwerg.

Gewiß. Aber – was läßt sich dagegen tun? Läßt sich etwas dagegen tun?

Ja. Es gibt in dieser fatalen Lage eigentlich nur die Möglichkeit, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Im Kleinen machen es Kruder, Dorfmeister & Co. vor, die auf Roscic und Morak ganz selbstverständlich pfeifen. Im Großen scheint in vielen Bereichen die Situation verfahren – die normative Kraft des Faktischen, etwa im Bereich der elektronischen Medien oder des Handels, läßt kaum Phantasie zu. Aber in jenem – noch weitgehend unregulierten – Terrain, das allgemein als Umschlagplatz der Zukunft ausgemacht ist, im Internet also, erscheint Initiative möglich. Und angebracht.

Bitteschön: wer oder was hindert die österreichische Kulturindustrie, sofern sie an einer eigenständigen Identität und Perspektive interessiert ist, daran, in einem neuen, universalen Inforationskosmos ihr eigenes Medium zu eröffnen? Sich ein Sprachrohr zu schaffen, ein Zentralorgan, ein Überdruckventil? Oder, nüchterner, eine Möglichkeit, den Markt und damit die Erfolgsbilanz anzukurbeln?

Der Plot ist simpel: mach‘ es dem heimischen Musikinteressierten, dem Fan, dem Konsumenten so bequem wie möglich, an Informationen heranzukommen. Schaffe eine „Dachmarke“, eine Anlaufstelle im Internet, die von möglichst allen – Plattenfirmen, Medien, Organisationen und Institutionen, den Künstlern und Fans selbst – be- und genutzt wird. Statte sie mit vereinten Kräften mit Attraktionen und Qualitäten sondergleichen aus. Erkläre Pluralismus zum Grundprinzip und vermeide die Chauvinismus-Falle. Mach‘ die Info-Plattform zur ersten Adresse in Sachen Musik aus, in und für Österreich.

Ein neuer Turm zu Babel? Nein. Schlichtweg ein universelles Medium, das so noch nicht existiert (höchstens als sympathische, aber hoffnungslose Fan-Bastelei) – abgestimmt auf lokale Bedürfnisse, zugänglich aus jedem Winkel dieses Planeten. Abzusehen ist: keine Plattenfirma, kein Telekom-Anbieter, ja nicht einmal der ORF oder die Mediaprint allein wird es schaffen, seine/ihre Net-Präsenz zu einer dezidierten, relevanten Anlaufstelle für den Musikfan zu machen, solange nicht alle an einem Strick ziehen. Hinhaltetaktik und Sich-gegenseitig-Blockieren bewegt nichts und niemanden.

Der Konsument ist weder an banaler firmenspezifischer Promotion noch an belanglosem News-Allerlei interessiert, sondern allein an konzentrierter, hochklassiger Information und Unterhaltung. Und, natürlich: Service. Daß gerade Musik im Digitalzeitalter ein idealer Treibstoff für Zugriffszahlen ist, ist evident.

Zukunftsmusik? Ach was. „I Want The Future And I Want It Now“ heißt es in einem gut abgehangenen Pop-Manifest. Es würde jedem, der die Rede von der „österreichischen Identität“ im Munde führt, gut anstehen, das Lied einmal probeweise anzustimmen.

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