Morak sucht den Super-Star?

10. Juli 2005

Ich schreibe ja eher selten Leserbriefe. Aber überhebliche und – in dieser Form – höchst überflüssige Politiker-Statements wie etwa der Leserbrief der SP-Kultursprecherin Christine Muttonen in der letzten „Sound & Media“-Ausgabe schreien nach einem Kommentar. Diese Kolumne hat sich damit quasi von selbst geschrieben & erledigt.

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—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: Walter Gröbchen [mailto:walter.groebchen@monkeymusic.at]
Gesendet: Mittwoch, 29. Juni 2005 15:57
An: ‚christine.muttonen@spoe.at‘
Betreff: Morak sucht den Superstar?
Sehr geehrte Frau Muttonen,

ich studiere gerade Ihren Leserbrief in der aktuellen Ausgabe des Branchen-Magazins „Sound & Media“ unter der Überschrift „Morak sucht den Superstar? Echte Konzepte statt Reality Soap für die Musikförderung“.

Nun: ich halte den Großteil der Fragen, die Sie hierorts stellen, für thematisch präzise, zutreffend formuliert und inhaltlich berechtigt. Doch mit Fragen allein – Fragen, die von vielen Protagonisten der heimischen Musiklandschaft (von „Musikindustrie“ in Österreich zu sprechen halte ich für vermessen) schon seit Jahren gestellt werden und u.a. auf diverse institutionalisierte Förderungseinrichtungen und -Vereine zielen – lassen sich selten reale Verbesserungen erzielen. Essentiell sind die Antworten.

Nun ist der geplante „Musikfonds“ eine Antwort auf die problematische Lage der Ö-Musikproduzenten. Eine mögliche unter vielen. Aber eine konkrete. In die Konkretisierung flossen in monatelanger Arbeit unzählige Meinungen, Diskussionsbeiträge und Ansatzpunkte – einerseits von allen eingebundenen Partnern (von der Wirtschaftskammer bis zum AKM-Vorstand, von der IFPI bis zum MICA) und Fördergebern, andererseits von engagierten und vielfach ehrenamtlich tätigen Funktionären, Lobbyisten und Szene-Protagonisten.

In einem Stadium, wo dieser geplante „Musikfonds“ – über dessen Inhalte und Rahmenbedingungen ich als u.a. Betreiber eines Klein-Labels, wie wohl fast alle potentiellen Interessenten, bislang wenig Konkretes weiß – noch nicht einmal offiziell vorgestellt wurde, ihn schon zur „Reality Soap“ zu erklären und damit von vornherein zu denunzieren, ist – mit Verlaub – billig, polemisch und durchsichtig. Parteipolitik? Ja. Aber wirklich „old school“. Daß Sie sich noch dazu unaktuellerweise auf Interview-Aussagen berufen, die (absichtlich?) mißverstanden wurden und deren inhaltliche Stoßrichtung mittlerweile in intensiven Diskussionen auch und gerade mit Vertretern unabhängiger Labels und freier Produzenten klargestellt wurde, spricht für sich. Die Position eifersüchtiger Polemik, versuchter Vereinnahmung und ungenierter Vorurteils-Bedienung (Stichwort „Wirtschaftsförderung versus Kunstförderung“) stieß, wie sich gerade in diesen sehr basisnah geführten Gesprächen gezeigt hat, fast durchwegs auf Ablehnung. Sie sollten sich hier nicht, von wem immer auch, instrumentalisieren lassen.

Jemand, der vorausschickt, „für die Förderung der Musik in all ihrer Breite und der Popmusik im speziellen“ einzutreten und diese löbliche Absicht auch als Vorsitzende eines parlamentarischen Kulturausschusses (und damit, zumindest partiell, als Vertreterin der Zielgruppe dieses Fonds) ad personam zu forcieren vermag, sollte schlichtweg Gelassenheit, Geduld und Mut zur Objektivität und Konstruktivität besitzen. Es erscheint angebracht, einmal abzuwarten, wie sich Rahmenbedingungen, Abwicklung und Wirkung dieses Fonds entfalten, bevor in vorauseilender Weise Wehgeschrei angestimmt, unnötige Freund-Feind-Reflexe stimuliert und politisches Kleingeld getauscht werden. Und das, bevor noch ein einziger Künstler oder Produzent einen Euro-Cent an Fördergeld erhalten hat.

Und: zwar bin ich auch der Meinung, daß nur wer die richtigen Fragen stellt, auch richtige Antworten bekommt. Letztere sind es, die mich gerade von Ihrer Seite auch und besonders interessieren. Wer „echte Konzepte“ statt „Reality Soap“ verspricht (ein prächtiger, mächtiger Antagonismus!, wenn die Realität da mithielte), braucht sie nur auf den Tisch zu legen. Und wird, wenn der Unterschied plausibel, überzeugend und richtungsweisend ausfällt, dafür Anerkennung ernten. Politische und persönliche Anerkennung. Eine Form von Respekt, die für rein polemische Fragestellungen, fragwürdige Manöver und á priori-Verurteilungen per Leserbrief und parlamentarischer Anfrage weithin ausbleiben wird.

Mit freundlichen Grüßen,

Walter Gröbchen

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