Heimspiel

16. Juni 2006

Fünf aktuelle, empfehlenswerte Pop-Produktionen aus Österreich – abseits von Christl Stürmer & Co.

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MADOPPELT : Plan Leben
(Schwer Records, http://www.madoppelt.com)

Nach Texta, Total Chaos und Schönheitsfehler schien sich eine Lücke aufzutun in Sachen HipHop mit lokalem Zungenschlag. Von Matthias Leitner alias MadoppelT aus Wien-Floridsdorf wird sie virtuos und selbstbewußt gefüllt. „Plan Leben“ ist schon das zweite, absolut hörenswerte Album des Reimeschmieds – und unterscheidet sich angenehm von den testosterongeschwängerten Stupid-Botschaften aus Deutschland.

SOFA SURFERS : Sofa Surfers („Rotes Album“)
(Klein Records, http://www.sofasurfers.net)

Ursprünglich hatte man die Sofa Surfers – nomen est omen – in die Schublade der Wiener Downbeat-Elektroniker rund um Kruder & Dorfmeister gesteckt. Zu Unrecht, denn längst haben sich die Herren Schlögl, Kienzl, Holzgruber und Frisch emanzipiert und mehrfach neu erfunden. Mit dem charismatischen Sänger Mani Obeya (auch zu hören bei „Soundhotel“) hat man ein verbindendes Element für die gehaltvollen, organischen Grooves des Quartetts gefunden. Auch live sind die Sofa Surfers eine Klasse für sich.

JULIA : Sunrise
(monkey./Universal, http://www.julia.co.at)

Von intellektuellen Kritikern wird Rock der Bauart der Wiener Band Julia weniger geschätzt. Vom Publikum dafür umso mehr. Mit viel Eigeninitiative, massiver Live-Präsenz und unbedingtem Willen zum Erfolg hat sich das heimische Metal-/Rock-/EmoCore-Aushängeschild einen beachtlichen Status auch im benachbarten Ausland erkämpft. Jetzt müßte nur noch ein Song wie „Everlasting“ auf Ö3 laufen, und sie würden auch Stars wie Green Day Paroli bieten.

SHY : Zurück am Start
(Wohnzimmer Records, http://www.shy.at)

Daß Combos wie Wir sind Helden, Blumfeld, Tomte und Element of Crime (oder deren burgenländisches Pendant Garish) nicht beiläufig in Mode kamen, sondern deutschsprachige Popmusik mit Hang zu wohlgesetzten Texten auch hierzulande eine Tradition und Meilenstein-Setzer kennt, dafür stehen Shy aus Linz. Nach fünfzehn Jahren und einem halben Dutzend Alben musizieren sie immer noch ein wenig im Schatten, „Zurück am Start“ markiert aber eine neue, wohldosierte Aufbruchsstimmung.

PAROV STELAR : Seven and Storm
(Etage Noir Records, http://www.etagenoir.com)

Ebenfalls aus Linz kommt Marcus Füreder alias Parov Stelar – ein Mann, dessen Sound-Visionen international die Download-Charts erobern. Was daran liegen mag, daß kaum jemand die feingliedrige Verschmelzung von Jazz-, House- und Breakbeat-Elementen so elegante beherrscht wie er. Dabei grenzt sich Füreder durchaus vom Neo-Klischee-Soundtrack der rot-weiß-roten Kaffeehaus-Schule ab. Hansi Langs „Slow Club“ war keine schlechte Erfindung, Parov Stelar ist mit „Seven and Storm“ einfach das bessere Album gelungen.

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