Archive for November, 2006

Die guten Kräfte

6. November 2006

Mozart, Karajan, Vater und Sohn Strauss, Falco, Kruder & Dorfmeister, Christl Stürmer – das sind die Namen, auf die sich die „Musiknation“ Österreich und die Kultur-Hauptstadt Wien gerne berufen. Dabei hat die lokale, populäre, zeitgenössische Musikszene an der schönen, blauen Donau weit mehr zu bieten als gern genommene Klischees und karge ökonomische Rahmenbedingungen. Eine Rundschau.

flex.jpg

Es gab Zeiten, da schien sich der Traum, daß Österreich eine Musiknation auch abseits musealer, repräsentativer Hochkultur sein könnte, ganz legér zu erfüllen. 1986 etwa, als Falcos „Rock Me Amadeus“ – an sich schon ein gewitztes Spiel mit Pop-Reizworten, Klassik-Klischees und Tourismuswerbungs-Versatzstücken – drei Wochen lang die US-Charts anführte. Mitte der neunziger Jahre, als der elektronische „Sound of Vienna“ rund um Kruder & Dorfmeister sogar in London, Paris und New York mediale Wellen schlug. Und eventuell auch heute, wo man die „Starmania“-TV Casting Show-Entdeckung Christina Stürmer in Deutschlands Haushalten mindestens genauso schätzt wie in Österreich.

Die Realität tönt zwangsläufig nüchterner. Die so gern von Politikern, Lokalpatrioten und Marketing-Fachleuten in den Mund genommene Parole vom „Musikland Österreich“ steht in einem eklatanten Widerspruch zur ökonomischen Bedeutung von Musik „made in A“. Zwar wird das internationale Orchester-Repertoire nachwievor, wie der Musiksoziologe Desmond Mark recherchierte, von der sogenannten „Wiener Klassik“ dominiert. Und natürlich tragen millionenschwere Staatsopern-Premieren, Musical-Inszenierungen und Mozart-Jahre zu unwägbaren touristischen Umwegrentabilitäten bei. Doch der Anteil österreichischer Produktionen am globalen Tonträgermarkt, auf dem vor allem Pop im weitesten Sinne gefragt ist, war, ist und bleibt äußerst gering. Andreas Gebesmair vom Institut Mediacult befand, daß „selbst im eigenen Land heimischen Produktionen lediglich ein Leben an der Pop-Peripherie beschieden ist. Der Anteil österreichischen Repertoires am Gesamtumsatz mit Tonträgern liegt bei nur etwas über zehn Prozent“. Man kann davon ausgehen, daß die Zahlen nicht besser geworden sind. Daran konnte auch ein Kultur-Staatssekretär nichts drehen und wenden, der in seiner Jugend selbst Burgtheater-Punk und Musikschaffender mit radikal kommerziellem Kalkül war.

Die lokale Szene, seit jeher ein überschaubarer Haufen, hat es sich aber irgendwie ganz bequem eingerichtet mit dem Umstand, es selten über „Weltberühmtheit in Wien“ hinaus zu schaffen. Man hat zur Kenntnis genommen, daß die globale Musikindustrie nach alter Major-Spielart einer schiefen Ebene gleicht – gnadenlose Durchvermarktung von Mainstream-Superstars von den USA über Großbritannien und Deutschland bis in die hintersten Provinz-Winkel der Alpenrepublik – und abseits dieser Maschinerie dennoch (oder eben deswegen) vitale, kreative, eigenwillige und eigenständige Kultur-Biotope blühen. Gerade hier haben auch die Indie-Philiosophie der neunziger Jahre und der kommunikationstechnische Urknall des Internet ihre Spuren hinterlassen. Vom Schlafzimmer-Heimstudio über die Download-Revolution bis zu den neuen Medien-Kanälen Google, Napster, iTunes, YouTube und MySpace hat man in den Wiener Digital Bohemien-Bezirken Wieden, Margareten, Mariahilf und Neubau seine Hausaufgaben gemacht. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis neue „Helden von Heute“ (um das unübertroffene Role-Model Falco zu zitieren) ihren Weg in die Welt finden. Bis dahin muß Wien besuchen, wer die österreichische Musikszene orten, benoten, erleben und geniessen will. Generell nicht der schlechteste Weg.

Was sollte man also anno 2007 keineswegs versäumen in dieser Stadt und ihrem Umfeld, das letztlich bis zum Bodensee reicht? Zunächst gilt es festzuhalten, daß es den einen, großen Trend – wie fast überall auf dem Planeten Pop – nicht oder nicht mehr gibt. Die Elektronik-Ecke, die noch vor wenigen Jahren mit Techno, TripHop, Dub, Drum & Bass, Electro und Downbeat für ein weitgefächertes Klanguniversum sorgte, ist etwas aus der Mode geraten, sorgt aber ungebrochen für hoch- und höchstwertige Hörerlebnisse. Wo noch Mitte der Neunziger der NME von den „Viennatones“ schwärmte und das britische Avantgarde-Magazine „Wire“ darüber staunte, daß „Europe’s number one Selbstmord capital“ solch eine lebendige, innovative und vernetzte Szene entwickeln konnte, haben sich heute Routine, Pragmatismus und eine gewisse Abgeklärtheit festgesetzt. Eigenschaften, die aber nicht á priori negativ zu bewerten sind, da sie dem gerade dieser Hemispäre innewohnenden Hang zur müden Eleganz entgegenkommen. Peter Kruder und Richard Dorfmeister betreiben entdeckungsfreudiger denn je ihr stilbildendes Label G-Stone. Die Sofa Surfers mit ihrem vormaligen Business-Arm Klein Records feierten unlängst zehnjähriges Betriebs-Jubiläum. Und zu den ewigen Underground-Kollegen Pulsinger & Tunakan (Cheap Records) – die es in den letzten Jahren mehr in Richtung Jazz und DJ-Culture zog – gesellten sich mit Dzihan & Kamien neue Nachbarn, die den Couch-Sound (sic!) mehr als multikulturelles, eklektisches Wohlfühl-Spektakel inszenieren. Insofern muß man sich um den fast schon zum Kaffeehaus-Klischee geronnenen, impulsiv-relaxten „Sound of Vienna“ keine Sorgen machen. Zumal der „Sunshine“-Crew rund um Heinz Tronigger, die einige Lokale (Passage, Roxy u.a.) betreibt und Acts wie Madrid De Los Austria auf ihrem eigenen Label veröffentlicht, nun auch ein Radiosender zugedacht wurde. Spät, aber doch hat man die Tonspur zur Metropole im Äther verankert.

Doch, halt!, dies ist insofern ungerecht, als der eigentliche Horchposten und Jugendkultur-Kanal seit mehr als zehn Jahren FM4 heißt. Der innovativste öffentlich-rechtliche Radiosender Mitteleuropas – mit Kult-Reichweite bis München, Bozen und Bratislava – ist der vielleicht wichtigste mediale Lebensstrang für Musiker diesseits der Austropop-Historie in diesem Land. Was hier nicht läuft, läuft (fast) nirgendwo. Was von der HipHop-Szene, die mit Erscheinungen wie Texta, Schönheitsfehler, DJ DSL, MaDoppelT, Kamp und den Waxolutionists doch einiges beweisen und bewegen konnte, über Volksmusik-Neuerer wie Attwenger bis hin zu den unzähligen Stromgitarren-Heroen, Electro-Pop-Acts und Neo-Singer-Songwritern jederzeit bestätigt wird.

Als mit ungenierter Subjektivität getroffener persönlicher Empfehlung möchte ich an dieser Stelle drei exemplarische Acts nennen. Heinz, die Rockschrammler um Michi Gaissmaier, die kecker und kreativer sind als etwa die BRD-Kumpel Sportfreunde Stiller. Wolfgang Schlögl alias I-Wolf, der als Kopf der Sofa Surfers, aber auch solo und in anderen Konstellationen immer wieder kluge Ausfallschritte wagt. Silicone Pumpgun alias Barca Baxant und Callrider stehen zu guter Letzt für frischen, unverkrampften, spielfreudigen Sequencer-Trash-Pop ohne devot-wertkonservative Traditionsanbindung. Nun sollte ich auch noch Russkaja nennen, die im Verbund mit dem „Ost“-Club eine verstärkte Öffnung in Richtung Russen-Disco, Ethno-Trends und Balkan-Chic signalisieren… Aber dann müsste man auch Gruppen wie DelaDap!, Fatima Spar & die Freedom Fries und und und nennen. Schluß! also. Soviel läßt sich mit Gewißheit sagen: insgesamt ist die Musiklandschaft in diesem Land heute breiter, aktiver, origineller, autarker, eigenständiger und selbstbewußter denn je. „Die guten Kräfte sammeln sich“, sangen einst die Progressiv-Punks Chuzpe. „Sie sammeln sich für Dich und mich“. Das ist circa fünfundzwanzig Jahre her. Die Suggestionskraft und Willensstärke der Worte ist nicht schwächer geworden seit damals. Im Gegenteil.

Die Bebilderung der Szenerie, die mehr denn je von kleinen, feinen Independent-Labels getragen wird (Wohnzimmer Records, Trost, Acute, Schönwetter, Pate, monkey., Karate Joe, Siluh – just to name a few), erledigt der TV-Anbieter gotv, der sich zur erfolgreichen Alternative zu MTV, Viva & Co. entwickelt hat und den halbstaatlichen ORF zumindest abseits von „Starmania“, Hansi Hinterseer und Andy Borg ziemlich alt aussehen lässt. Live ist zudem mehr los denn je – ein Blick in szenenahe Magazine wie „Falter“, „City“, „gap“, „tbc“ oder auch in Tageszeitungen wie „Kurier“, „Standard“ oder „Presse“ wird dies bestätigen. Das Club- und Lokalangebot – vom „Flex“ bis zum „Porgy & Bess“ – ist dicht, engagiert programmiert und mehr als entdeckenswert. Die Einkaufsmöglichkeiten, sprich: Plattenläden und CD-Shops, werden zwar immer weniger, da sich das Geschehen stark ins Netz verlagert hat (gute Anlaufstellen: http://www.musiktank.at, http://www.mica.at, http://www.pop-info.at, http://www.austriancharts.at, http://www.sra.at, http://www.musicchannel.cc). Wer sucht, findet aber neben den üblichen Ketten und Mediamärkten auch weit intimere und glücklichmachendere Läden nach „High Fidelity“-Vorbild. Dort soll es übrigens auch noch Vinyl geben, für die MP3-Generation ein fast schon erregendes haptisches, optisches und klangliches Erlebnis. Auch in diversen Shops, Stores und Boutiquen findet man ausgewählte CDs, skurille Raritäten und persönliche Empfehlungen. Das frischfröhliche Motto lautet: do it yourself – von der Idee bis zum lokalen Vertrieb.

Daß es der heimischen Szene an Quantität und Qualität mangelt, ist jedenfalls eine – besonders gern von professionellen Ignoranten vor Ort in den Mund genommene – Behauptung, die sich selbst richtet. Die Ökonomie der Aufmerksamkeit, an der diverse Protagonisten der lokalen „Creative Industries“ drehen, schrauben und hämmern, weist auf steigende Business-Aktienkurse hin. Und fast immer auf potentiellen kulturellen Genuß und Gewinn. In diesem Sinn: investieren Sie einen Blick und ein Hinhorchen, es lohnt sich.

Advertisements

Wien : Music-Spots

5. November 2006

Hier spielt die Musik – die empfehlenswertesten Locations der Stadt (Stand: Winter 2006)

images.jpg

FLEX
1., Donaukanal, Abgang Augartenbrücke
http://www.flex.at

Das Underground-Shangri La Wiens – mit Punk-Historie, betoniertem Subwoofer und Abwasserkanal vor der Haustür. Wechselnde Club-Abende. Live-Konzerte von Silicone Pumpgun bis Kruder & Dorfmeister. Der Music Spot Wiens – was für die 60er Jahre das „Voom Voom“ war, für die 70er das „Vanilla“, für die 80er das U4 und für die 90er der Volksgarten, ist heute (noch) das Flex.

ICKEMICKE
1., Künstlerhaus Passage, Karlsplatz
http://www.ickemicke.at

Der bierzeltartige Ausbau des „Flex“ hat die progressiveren Protagonisten der Wiener Szene nach Alternativen Ausschau halten lassen. Dem „Fluc“ etwa, das sich numehr verstärkt um die eigentliche Underground-Aventgarde kümmert. Im Gegensatz zum „Icke Micke“ Club, der (zumindest sommers) seine chic abgefuckten Minimal House-und Techno-Orgien gleich neben dem Künstlerhaus-Kino in einer U-Bahn-Passage steigen läßt und einem anspruchsvollen Hedonismus frönt.

FLUC
2., Praterstern 5
http://www.fluc.at

Siehe oben. Ein ambitioniertes, unkonventionelles, bisweilen krude-improvisiertes Programm mit vielen Unbekannten und feinen Überrraschungen, abseits des Industrie-Mainstreams. Wer ein kräftigendes Klangbad nehmen will, taucht in die Betonwanne unter dem Barbereich im oberen Stock ab.

RHIZ
8., Lerchenfelder Gürtel/Stadtbahnbögen 37/39
http://www.rhiz.org

Der Treffpunkt für „Spex“-Leser, Laptop-Musiker und Pop-Theoretiker. Das Lokal ist, prototypisch für die mit EU-Mitteln revitalisierte Gürtel-Szene, gleichermaßen erdig und zukunftsorientiert. Theke mit Breitband-Internet-Anschluß. Abwechslungsreiches, ambitioniertes DJ- und Live-Programm.

PORGY & BESS
1., Riemergasse 11
http://www.porgy.at

Wien hat einige feine – eher traditionelle – Jazzclubs, aber es gibt auch einen Ort, der der jungen, wilden, undogmatische Szene eine Bühne bietet. Und was für eine! Das ehemalige Pornokino ist zum kühlen, stylishen Hang Out mit Bar und zumeist exzellenter Live-Beschallung mutiert. Engagierte Programmierung mit punktuellen Osteuropa-Schwerpunkten.

CHELSEA
8., Lerchenfelder Gürtel, U-Bahn-Bögen 29-31
http://www.chelsea.at

Rock-Veteran Othmar, ein ehemaliger Spitzen-Fußballer, hat aus den gemauerten Kellerbögen, über die die U-Bahn hinwegdonnert, einen veritablen Musik-Club gemacht. Inklusive TV-Monitoren, Scotch-Kollektion und dem höchsten Grad an Authentizität, den ein Veranstaltungsort in Sachen Brit-Pop, Neo-Punk und Retro-Rockin Wien haben kann.

OST
4., Schwindgasse 1
http://www.ost-klub.at

Daß Wien vom ehemaligen „Eisernen Vorhang“, der den „Ostblock“ vom kapitalistischen Westen trennte, nur ein paar Dutzend Kilometer entfernt liegt, hat man spät, aber doch auch nahe dem sog. Russen-Denkmal am Schwarzenbergplatz entdeckt. Aus dem Traditions-Tanzclub „Atrium“ wurde so das „Ost“, wo man ungeniert dem Trash-, Eastern Culture- und Balkan-Fever frönt. Schweißtreibend!

BIRDLAND
1., Am Stadtpark 1 (Hotel Hilton)
http://www.birdland.at

Einer der international bekanntesten Musiker mit Wiener Wurzeln, der Tastenzauberer Joe Zawinul (u.a. Weather Report), hat seit 2004 im „Hilton“ seinen eigenen Club. Hier treffen gediegene Banker und jazzbegeisterte Manager auf die Cremé de la creme der nationalen und internationalen Gesangs- und Instrumental-Virtuosen. Ein Muß für Traditionalisten und Kenner.

KUNSTHALLE KARLSPLATZ / PROJECT SPACE
4., Treitlstraße 2
http://www.kunsthallewien.at

Die Kunsthalle am Karlsplatz, ein Glaskubus mit Avantgarde-Art-Inhalten, sowie das angeschlossene Kunsthalle Café sind seit Jahren – nicht zuletzt dank der zentralen Lage und offenen Atmosphäre – ein fixer Anlaufplatz für Connaisseure. Mit dem „project space“ wird auch ein abwechslungsreiches Musik-und DJ-Line Up geboten. Und das kostenlos!

PASSAGE
6., Burgring, Ecke Babenberger Straße
http://www.sunshine.at

Eine ehemalige Fußgänger-Unterführung unter der Ringstraße,nicht unweit des ebenfalls empfehlenswerten Volksgarten-Pavillons, wurde von visionären Clubbetreibern und der fashionablen Clubbing-Szene zur angesagtesten Party-Zone Wiens umgestaltet. Für Leute, die Türstehern kühl ins Auge sehen.

TANZCAFÉ JENSEITS
6., Nelkengasse 3

Ein Geheimtipp für jene, die den leicht morbiden Charme des Wien der Fünfziger- bis Siebziger Jahre suchen. Unweit der belebten Shoppingmeile Mariahilfer Straße gelegen, besticht das Etablissement durch geschmackvolle Musikauswahl, Plüschtapezierung und Insider-Geraune. Je später der Abend, desto interessanter die Gäste.

B72
8., Hernalser Gürtel, Bogen 72
http://www.b72.at

Das B72 ist für Musik-Fans einer der Fixpunkte der Gürtel-Meile. Vom „Guten Club“ (sic!) bis zur „Reggae Dancehall Party“ bietet das kleine, aber feine Lokal ein undogmatisches, buntes, mit Liebe zum Detail zusammengestelltes (z.T. Live-) Programm. Ein gewisser Hang zu BritPop und Alternative Rock ist aber nicht zu überhören.

DONAU
7., Karl Schweighofer-Gasse 10
http://donau.schraeg.org

Der Raum an sich hat schon etwas. Säulen, Mauerbögen und eine gewisse Weitläufigkeit fügen sich, gepaart mit einem kräftigen Baßfundament, zu einem gediegenen Club-Erlebnis. Wo früher fast ausschließlich Reggae und Dub dröhnten, stehen heute auch Minimal House, Electro und Techno auf dem Programm. Lokale DJ-Heroen (Gümix, SlackHippie u.a.) machen den Ton.

ELEKTRO GÖNNER
6., Mariahilfer Straße 101
http://www.elektro-g.at

Ein ehemaliges Elektro-Fachgeschäft – nomen est omen! – in einem Hinterhof-Durchgang von der Mariahilferstraße Richtung Gumpendorferstraße entwickelt sich zum Geheimtipp für unprätentiöse Bar- & Musik-Ausflüge. Publikum von FM4-Mitarbeitern („Milieu Kess“) bis hin zur Crew des benachbarten Tonstudio Cosmix.

NASCHMARKT DELI
4., Naschmarkt, Stand 421-436
http://www.naschmarkt-deli.at

Wer samstags einen gepflegten Brunch in der anregenden Klein-Istanbul-Atmosphäre des Wiener Naschmarktes (Gemüse! Obst! Flohmarkt!) schätzt, sucht das In-Lokal der Wiener Großstadt-Hippies auf. Die passende Tonspur zwischen Breakbeats und Easy Listening liefern querbeet Wiener DJ-Größen, gelegentlich aber auch „Gaststars“ wie Hans Platzgumer.

RAMIEN
6., Gumpendorfer Straße 9
http://www.ramien.at

Auch nicht unoriginell: ein Party-Keller mit opulent blattgoldener „Original-Asien-Einrichtung“ – was für Berlin das „White Trash Fast Food“ ist, ist in Wien die Ramien Bar. Oben Sushi, unten stilvolle Musikprogrammierung zwischen Soul, House und Freestyle. Oder so ähnlich.

SCHIKANEDER
5., Margaretenstraße 22-24
http://www.schikaneder.at

Dort, wo der Autor dieser Zeilen einst mit „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ sein erstes cineastisches Erlebnis verbuchte, residierte heute immer noch ein (Programm)Kino. Längst wichtiger ist aber der angeschlossene Club, bevölkert von Studenten, Hobby-DJs, Lokalpolitikern und Nachwuchsmusikern. Das lässige Herz des Freihausviertels.

SHELTER
20., Wallensteinplatz 8
http://www.shelter.at

Ein Rock-Club, wie ein Rock-Club zu sein hat. In der Vorstadt, im Keller, ohne Türsteher, mit beherzt weiblicher Theken-Crew. Gitarrengott Roli Vogl und seine Companeros lassen’s gerne krachen. Offensives Nachwuchs-Live-Line Up.

U4
12., Schönbrunner Straße 222
http://www.U4club.com

Eine Legende. Beim Eingang steht immer noch – seit 25 Jahren! – Conny, gängige Slots sind seit Jahren und Jahrzehnten das „Heaven“ (Gay!) und der „Tuesday 4 Club“ (Studenten!), auch die Falco-Gedenknächte („Im U4 geigen die Goldfisch’“) werden ungebrochen weiter begangen. Ansonsten hat der 80er Jahre-Tempel viel von seinem Nimbus verloren.

WUK
9., Währinger Straße 59
http://www.wuk.at

Eine der stimmigsten und stilvollsten Live-Lokalitäten Wiens. Gelegen im WUK, einer zum alternativen, selbstverwalteten „Werk- & Kulturhaus“ umgemodelten ehemaligen Fabrik, hat der große Saal im linken Trakt schon internationale Größen wie die Tindersticks bis hin zu lokalen Event-Fixpunkten á la H.A.P.P.Y. beherbergt. Fast immer eine Empfehlung.

SZENE
11., Hauffgasse 26
http://www.szenewien.com

Etwas abseits in der Peripherie Simmerings gelegen, hat sich die nüchterne Konzerthalle mit lauschigem Gastgarten seit den frühen Achtziger-Jahren zu einem unkomplizierten, für mittelgroße Konzerte gut geeigneten Fixstern des Wiener Live-Geschehens entwickelt.

Wien : Music-Stores

5. November 2006

Hier spielt die Musik – die empfehlenswertesten CD-Stores der Stadt (Stand: Sommer 2006)

11.jpg

RAVE UP
6., Hofmühlgasse 1
www.rave-up.at

Was man hier nicht bekommt an gediegener Populärmusik-Ware im weitesten Sinn – von Vinyl bis CD-Sammler-Boxen, von Kleinoden der Psychedelic-Historie bis zu Neuveröffentlichungen von Wiener Avantgarde-Elektronikern -, das läßt sich auch sonstwo kaum auftreiben. Man höre auf den Rat von Shorty und Doris.

TON UM TON
7., Lindengasse 32
http://www.ton-um-ton-records.at (offline)

Wer den Taxler-Kurtl und den Duller Chris nicht kennt, kann kein Kenner, kein wirklicher Kenner der Materie Popularmusik sein. Besonders, wenn man sich vornehmlich für gediegenste Ware etwa von Madrugada, Johnny Cash oder John Cale begeistert (von Austropop-Raritäten ganz zu schweigen). Wer in Wien auf den Spuren von Nick Hornbys „High Fidelity“ wandelt, muß einen Abstecher zum „Ton um Ton“ einplanen. (Anmerkung: der CD-Shop hat seit Frühjahr 2007 geschlossen, der Vinyl-Shop im Keller ist in die Joanelligasse 9, 1060 Wien umgezogen und hat sozusagen das Kompletterbe übernommen; www.tut-records.at)

BLACK MARKET
1., Gonzagagasse 9
www.blackmarket.at

Mehr als ein schnöder Record Store – das Black Market ist ein beliebter Treffpunkt der Wiener Szene mit Interessensschwerpunkt Downbeat, Black Music, Drum’n’Bass und Electronica. Die vom Impresario Alexander Hirschenhauser betriebene Lokalität verfügt auch über eine Kaffemaschine, einen angeschlossenen Vertrieb („Soul Seduction“) und eine informative Website. (Aktualisierung: der Laden hat Ende 2007 geschlossen, den Online-Vertrieb gibt es nachwievor: www.soulseduction.com.)

SUBSTANCE
7., Westbahnstrasse 16
www.rave-up.at

Der beste auf Alternative Music spezialisierte Plattenladen Wiens. Die Betreiber Alfi Glück (früher „Why Not“) und Konstantin Drobil (eigenes Label: Trost Records) haben den Überblick, was avanciertere Klänge zwischen elektronischen Kratzgeräuschen und knüppelharten Gitarren betrifft. Eigene „Made in A“-Sektion.

RECORDBAG
6., Kollergerngasse 4
www.recordbag.at

Sylvia Benedikter, die Betreiberin dieses kreuzsympathischen Plattenladens, ist eigentlich zu jung, um der Vinyl-Nostalgie anzuhängen. Wer aber einmal „Ziggy Stardust“ legér-lasziv den Sternenstaub aus den Rillen hat pusten hören, ist der Magie der schwarzen Scheiben wohl bald genauso verfallen wie die Szene-Veteranin. Und findet im „Recordbag“ ganze Einkaufssackerl voll mit feinster Ware. „Sammler von Vinyl sind einfach Liebhaber des Schönen und extrem anspruchsvolle Käufer“, weiß Benedikter. Der Anteil von Vinyl beträgt zwar laut IFPI Österreich nur 0,5 Prozent (!) des Gesamtumsatzes aller Musikformate, aber Shops wie das „Recordbag“ verzeichnen eine stetig steigende Nachfrage. Fein, fein!

MUSIKTANK MUSEUMSQUARTIER
7., Museumsplatz 1/5,Museumsquartier (Electric Avenue)
www.musiktank.at

Stellen Sie sich vor, Sie betreten ein riesiges virtuelles Archiv mit (fast) allem, was in den letzten 50 Jahren in Österreich an populärer Musik (außer Volksmusik und Klassik) erschienen ist. Sie können nach Herzenslust stöbern, hören und die besten Stücke auf CD brennen und mit nach Hause nehmen. Zukunftsmusik On Demand – der innovativste Record Store Wiens.

RECORD SHACK
5., Reinprechtsdorferstraße 60
www.recordshack.org

„Records with the best beat“ lautet einer der Werbesprüche dieses elegant-sympathischen Von Fans-für Fans-Outlets. Ein anderer „Viennas premier soul store“. Trifft die Sache auf den Punkt. Vor allem, wer nach rarem Vinyl sucht oder nach, sagen wir, raren Aufnahmen von Shuggie Otis oder den Soul Toronados, wird hier sein Glück finden.

GOALGETTER
4., Argentinierstraße 28
www.goalgetter.at

In einem ehemaligen Radio-Geschäft unweit des Wiener Funkhauses hält die lokale HipHop-Gemeinde die Beats-, Breaks-& Rhymes-Fahne hoch. Holger Hörtnagl – früher selbst aktiv u.a. mit Total Chaos – und seine Crew haben sich auf Vinyl spezialisiert und sind über ihren Web-Shop weltweit erreichbar. Beste Beratung in Sachen Austro-Breakbeats… Achtung!, Aktualisierung: „Wir schreiben das Jahr 2009. Nach über fünf Jahren in der Argentinierstraße und einem kurzen Intermezzo im 8ten, schließt der Laden nach einem Jahr in der Neubaugasse. Man kehrt sozusagen zu den Wurzeln zurück und verkauft nur noch online“ (Homepage).

ORF-FUNKHAUS / RADIOKULTURHAUS / FM4-STUDIO
4., Argentinierstraße 30a
fm4.orf.at

Kein Plattenladen im herkömmlichen Sinn, dafür das mediale Herz der alternativen Wiener Musik-Szene: das FM4-Studio im vierten Stock des Funkhauses. Das Radioprogramm inklusive Web-„Soundpark“ ist eine essentielle elektronische Litfaßsäule. Im Radiokulturhaus finden bisweilen probate Konzerte statt, im angeschlossenen CD-Store kann man u.a. FM4-Compilations erstehen.

Wien : CD-Tipps

4. November 2006

Zehn aktuelle, empfehlenswerte CD-Produktionen aus Wien – abseits von Christl Stürmer (Stand: Winter 2006)

23037929.jpg

SOFA SURFERS : Sofa Surfers („Rotes Album“)
(Klein Records, http://www.sofasurfers.net)

Ursprünglich hatte man die Sofa Surfers – nomen est omen – in die Schublade der Wiener Downbeat-Elektroniker rund um Kruder & Dorfmeister gesteckt. Zu Unrecht, denn längst haben sich die Herren Schlögl, Kienzl, Holzgruber und Frisch emanzipiert und mehrfach neu erfunden. Mit dem charismatischen Sänger Mani Obeya (auch zu hören bei „Soundhotel“) hat man ein verbindendes Element für die gehaltvollen, organischen Grooves des Quartetts gefunden. Auch live sind die Sofa Surfers eine Klasse für sich.

MA DOPPEL T : Plan Leben
(Schwer Records, http://www.madoppelt.com)

Nach Texta, Total Chaos und Schönheitsfehler schien sich eine Lücke aufzutun in Sachen HipHop mit lokalem Zungenschlag. Von Matthias Leitner alias MadoppelT aus Wien-Floridsdorf wird sie virtuos und selbstbewußt gefüllt. „Plan Leben“ ist schon das zweite, absolut hörenswerte Album des Reimeschmieds – und unterscheidet sich angenehm von diversen testosterongeschwängerten Stupid-Botschaften aus Deutschland und Übersee.

JULIA : Sunrise
(monkey., http://www.julia.co.at)

Von intellektuellen Kritikern wird Rock der Bauart der Wiener Band Julia weniger geschätzt. Vom Publikum dafür umso mehr. Mit viel Eigeninitiative, massiver Live-Präsenz und unbedingtem Willen zum Erfolg hat sich das heimische Metal-/Rock-/EmoCore-Aushängeschild einen beachtlichen Status auch im benachbarten Ausland erkämpft. Jetzt müßte nur noch ein Song wie „Everlasting“ täglich auf Ö3 laufen, und sie würden auch Stars wie Green Day Paroli bieten.

PETSCH MOSER : Reforma
(Wohnzimmer Records, http://www.petschmoser.com)

Daß Combos wie Wir sind Helden, Blumfeld, Tomte und Element of Crime (oder deren österreichische Pendants Shy und Garish) nicht bloß beiläufig in Mode kamen, sondern deutschsprachige Popmusik mit Hang zu wohlgesetzten Texten auch hierzulande eine Tradition und Meilenstein-Setzer kennt, dafür stehen Petsch Moser. Nach fünf Jahren und drei Alben musizieren sie immer noch ein wenig im Schatten, „Reforma“ markiert aber eine neue, wohldosierte Aufbruchsstimmung.

PAROV STELAR : Seven and Storm
(Etage Noir Records, http://www.etagenoir.com)

Eigentlich aus Linz kommt Marcus Füreder alias Parov Stelar – ein Mann, dessen Sound-Visionen international die Download-Charts erobern. Was daran liegen mag, daß kaum jemand die feingliedrige Verschmelzung von Jazz-, House- und Breakbeat-Elementen so elegant beherrscht wie er. Dabei grenzt sich Füreder durchaus vom Neo-Klischee-Soundtrack der rot-weiß-roten Kaffeehaus-Schule ab, bewegt sich aber trittsicher in den Fußstapfen von Kruder & Dorfmeister & Pulsinger & Tunakan & Dzihan & Kamien & Co. Wird hiermit zum Ehren-Wiener ernannt.

LOUIE AUSTEN : Iguana
(Klein Records, http://www.louieausten.com)

Good ol’ Louie ist ein schillerndes Phänomen: mit über sechzig Jahren wurde der Bar-Crooner und Sinatra-Imitator zur Stil-Ikone der jungen, alternativen Szene. Ursprünglich von den Produzenten Mario Neugebauer und Patrick Pulsinger im Avantgarde-Eck angesiedelt, wandte sich Mister Austen rasch den schönen Dingen des Lebens zu – Whisky, Weib und Gesang. Autos und feine Stoffe gilt es aber auch nicht zu vergessen. Der „Leisure Suit Pleasure Salamander“ (Eigendefinition) verkehrt heute in internationalen Club-Kreisen und lässt sich seine Tracks von der Elektronik-Internationale maßschneidern.

ERNST MOLDEN : Bubenlieder
(monkey., http://www.medienmanufaktur.com/molden-info.html)

„Ernst Molden ist der Leonard Cohen von Wien“, so der „Falter“-Redakteur Wolfgang Kralicek. „Er ist nicht schön, doch sehr charmant; er schreibt wie ein Dichter und singt wie ein Henker“. Zitat Ende. Glücklicherweise besitzt diese streng subjektive Zensur eine gewisse Treffsicherheit. Ernst Molden schreibt und singt, in der Tat. Er ist das, was man sonst etwas vage einen Singer/Songwriter nennt. Weil Poet dann doch zu sehr nach André Heller und Rockmusiker eventuell noch missverständlicher klingt. Sollte man, wenn man Lokalkolorit, Heurigen-Blues und berührende deutsche Texte schätzt, unbedingt kennenlernen. Wie auch Denk, Heli Deinboek, Roland Neuwirth und Kempf. Und und und.

TNT JACKSON : Lovers
(Stereo Alpine, http://www.tntjackson.net)

Die Elektronik-Szene Wiens kennt natürlich die Laptop-Frickler, Second Hand-Avantgardisten und autistischen Klangbastler (die bisweilen ja Großes schaffen!), die in den Wohnzimmerstudios rund um den Globus schalten und walten. Aber in dieser Stadt sind auch Glamour, Pop, Punk, Sex, Konzept und Kalkül daheim, und kaum eine Band – sieht man vielleicht von Mediengruppe Telekommander ab, die aber nur bedingt als „heimische Band“ gelten dürfen – verkörpert die Sythese von Elektronik und Schweiß so perfekt wie TNT Jackson.

GUSTAV : Rettet die Wale
(Mosz, http://gustav.cuntstunt.net/)

Sie ist 27 Jahre jung, bislang nur im Elektronik-Untergrund der Wiener Szene in Erscheinung getreten und hat ihre erstes Album auf einem geborgten Laptop im Alleingang gebastelt. Diese CD aber, mit dem Titel „Rettet die Wale“ und kluger, spielerischer und eigenwilliger Freestyle-Poetik, wurde zum Überraschungs-Debut des Jahres 2004. Und Gustav alias Eva Jantschitsch war über Nacht quasi in aller Munde. Hymnische Rezensionen und umfangreiche Berichte – von der „Neuen Zürcher Zeitung“ bis zum „profil“, von FM4 bis Ö1 – beförderten Gustav zum neuen Liebling der Pop-Intelligenzia. Das ist sie bis heute.

STEREOTYP : Keepin’ Me
(G-Stone, http://www.g-stoned.com)

Wenn man nachhören will, wie sich der typische, fein-ziselierte „Sound of Vienna“ in den letzten Jahren weiterentwickelt hat, kann man das am Besten bei Stefan Moerth alias Stereotyp. Wo Peter Kruder mit Voom:Voom heute eher auf stylish-karge Elektronik setzt und Richard Dorfmeister mit Tosca oder Madrid de Los Austrias vielleicht doch zu sehr auf bewährte Schemata zurückgreift, langt der langjährige K&D-Apologet Stereotyp dagegen voll in den Dub-, Soul- und Club Sounds-Farbtopf. Herausgekommen ist dabei ein prächtiges, bassmächtiges, annähernd metaphysisches Klanggemälde für die unendlichen Weiten zwischen der linken und der rechten Ohrmuschel.

The Positive Powers

4. November 2006

Austria sees itself as the “nation of music” and Vienna the culture-capital, so when it comes to dropping names, it is Mozart, the Strauss family, Karajan and Falco that first spring to mind. But the city on the Blue Danube has much more to offer than the traditional clichés and today has a lively contemporary music scene. An overview.

now-055.jpg

So what about the other musical Austria, the flip side of the trademark classical music culture? It all began in 1986 when Hans Hölzel, alias Falco, topped the US charts for three weeks with “Rock Me Amadeus”. In the mid-90s a new buzz went round as Kruder & Dorfmeister’s electronic “Sound of Vienna” created waves in the media in cities as far afield as London, Paris and New York. Today there is a small, compact, but fine local scene and a crop of musicians who have been known to punch above their weight on the international stage. The secret is out; there is a lively, creative, original and independent cultural biotope growing behind the back of the big marketing machinery. The time has come for the new “heroes of today” (to quote Falco, the ultimate role-model) to find their place in the world, as DJ and musician Electric Indigo tours Europe and the USA, and acts such as Kruder & Dorfmeister and Dzihan & Kamien are no longer just insider tips.

But let’s go back to Vienna itself. This is where the music plays. The communications “big bang” created by the arrival of the Internet has left its mark. Vienna’s digital Bohemians have been doing their homework and have progressed from bedroom studios to the download revolution and the new media channels of Google, Napster, iTunes, YouTube and MySpace. There is no better place to check out the Austrian music scene than in Vienna.

What in 2007 are the absolute “must sees” in the city and surrounds? The electronic scene with its Techno, TripHop, Dub, Drum & Bass, Electro and Downbeat features a rich world of sound and top-quality auditory experiences. As long ago as the mid-1990s, NME (New Musical Express) was raving about “Viennatones” and the British avant-garde magazine Wire was amazed that Vienna had been able to develop such a lively, innovative and well-networked scene.

Today Peter Kruder and Richard Dorfmeister are still running their definitive label G-Stone and remain as adventurous as ever. The Sofa Surfers have just celebrated the ten-year anniversary of their business arm, Klein Records. Meanwhile, those eternal Underground-buddies Pulsinger & Tunakan (Cheap Records) – who in recent years have moved towards Jazz and DJ culture – have found new company in Dzihan & Kamien, who stage Couch-Sound (!) as something like a multicultural, eclectic feel-good spectacle. So, although it has almost become a cliché, the impulsive-relaxed “Sound of Vienna” is alive and well. Especially now that Heinz Tronigger’s “Sunshine” crew, which runs several bars (Passage, Roxy among others) and records acts such as Madrid De Los Austria on its own label, has gotten a radio station. At last, the city’s soundtrack has found a home on the airwaves.

But stop! That’s not quite fair. FM4 has been the real listening post and youth-culture station for more than ten years. It is central Europe’s most innovative public radio station with a cult following reaching from Munich to Bolzano and on to Bratislava. It might just be the most important media lifeline for Austrian musicians on this side of Austro-Pop history. If it’s not on the FM4 playlist, it is probably not any other, either.

This much is certain: today, Austria’s musical landscape is more diverse, more active, original, autonomous, independent and confident than ever. Some twenty-five years ago the Progressive-Punk band Chuzpe sang about a gathering of the “positive powers” coming together “for you and me”. Despite the passage of time, the words still ring true and have gained in their power to inspire.

In many genres we have already seen the results. In HipHop, acts such as Texta, Schönheitsfehler, DJ DSL, MaDoppelT, Kamp and the Waxolutionists have stirred things up and made their mark. Meanwhile, Attwenger is rightly seen as a folk music innovator and there is a long list of guitar heroes, Electro-Pop acts and neo-singer/songwriters.

My three unashamedly subjective recommendations for top acts are Heinz, a band featuring Michi Gaissmaier and specializing in a combination of Rock and traditional Viennese music, who are more daring and creative than the likes of Sportfreunde Stiller. Also on my list is Wolfgang Schlögl, a.k.a. I-Wolf, who is always up for an adventure either as the man behind the Sofa Surfers, solo or in combination with other acts. And last but not least Silicone Pumpgun, alias Barca Baxant and DJ Callrider, represent a kind of fresh, relaxed and enthusiastic Sequencer-Trash-Pop without adhering to tradition.

At this point I should mention Russkaja, who, together with the “Ost” club, have signaled strong support for Russian Disco, Ethno Trends and Balkan Chic. But then what about bands such as DelaDap!, Fatima Spar & the Freedom Fries and so on, and so on. Enough!

There are more live acts than ever. A quick glance at insider magazines such as Falter, Gap, “tbc” or even at dailies like the Kurier, Standard or Presse is enough to confirm that. There is a great range of clubs and venues with quality programming that are well worth exploring.

The music spot in Vienna is Flex: the Underground Shangri La with a Punk heritage and a concrete subwoofer. Flex is today what Voom Voom was to the 60s, Vanilla the 70s, U4 the 80s and Volksgarten the 90s. Rhiz is the meeting place for Spex readers, laptop musicians and pop theoreticians. It is down-to-earth and at the same time futuristic, something typical of this revitalized stretch along the Gürtel. The Kunsthalle on Karlsplatz, a glass cubicle with avant-garde artwork inside, along with the adjoining Kunsthalle Café have been regular haunts for connoisseurs for years thanks to their central position and open atmosphere. Project space offers a diverse program of music and DJs for free. For people who can look a bouncer in the eye, the Passage, a former pedestrian underpass beneath the Ringstrasse and not far from the equally worthwhile Volksgarten Pavilion, has been transformed into Vienna’s hippest party zone and is home to the fashionable clubbing scene. Another venue worth checking out is Elektro Gönner, a former electrical hardware store and now an insider tip for unpretentious excursions into the world of bars and music, with a mixed crowd of FM4 staff and the crew of the sound studio next door.

More than ever it is the small but classy independent labels that keep music production going. They include Wohnzimmer Records, Trost, Acute, Schönwetter, Pate, monkey., Karate Joe, Siluh – to name just a few.

The number of record and CD stores is dwindling because most of the action now happens online (try http://www.musiktank.at, http://www.mica.at, http://www.pop-info.at, http://www.austriancharts.at, http://www.sra.at, http://www.musicchannel.cc). But for those who are looking, the usual chains are joined by much more intimate and inviting shops modeled on High Fidelity. Vinyl is still available – for the MP3 generation an almost erotic, haptic, optic and auditory experience. Black Market for example, is more than just an ordinary record store. It is also a favorite drop-in place for aficionados of Downbeat, Black Music, Drum’n’Bass and Electronica. A range of other shops, stores and boutiques offer selected CDs, off-beat rarities and knowledgeable staff. The motto is do it yourself – from concept to local sales.

It is simply not true that the local scene is lacking in quantity and quality. The various protagonists in the local creative industries have been working hard to raise profiles in the marketplace. The results are almost always a personal and cultural pleasure and profit. So why not invest a little time and ear-space, it is well worth it.

J U K E B O X
Three recommended, current CD productions from Vienna

SOFA SURFERS: Sofa Surfers (Red Album)
(Klein Records, http://www.sofasurfers.net)

Originally the Sofa Surfers – the name says it all – were lumped in with Downbeat electronic musicians associated with Kruder & Dorfmeister. But Schlögl, Kienzl, Holzgruber and Frisch have long since reinvented and developed their own style. With their charismatic singer Mani Obeya (who also appears with Soundhotel), the quartet has found the missing link for their deep, organic grooves. Live, they are in a league of their own.

TNT JACKSON: Lovers
(Stereo Alpine, http://www.tntjackson.net)

Vienna’s electronic scene also has its share of the laptop-geeks, second-hand avantgardists and egocentric sound modelers who flick switches in living-room studios around the world. But here in Vienna Glamour, Pop, Punk, Sex, Concept and Kalkül are also at home, and there is hardly a band – except, perhaps, for Mediengruppe Telekommander – that so perfectly embodies the synthesis of electronics and sweat as does TNT Jackson.

STEREOTYP: Keepin’ Me
(G-Stone, http://www.g-stoned.com)

If you want to hear how the typical, finely tuned “Sound of Vienna” has developed in recent years, you would do well to listen in to Stefan Moerth, alias Stereotyp. While Peter Kruder has headed off into rarified electronics with Voom:Voom and Richard Dorfmeister perhaps makes too much use of the tried and tested with Madrid de Los Austrias, the long-term K&D apologist Stereotyp dabbles with a palette of Dub, Soul and Club Sounds. The result is a magnificent bass-heavy and almost metaphysical soundscape for the vast space between the right and the left earlobes.

%d Bloggern gefällt das: