Paketlösung

6. Januar 2008

Ein Software-Paket aus Österreich revolutioniert den Musikmarkt. Endlich wird es für jeden Musiker möglich, vom eigenen PC aus die wichtigsten Download-Shops weltweit zu bestücken – rasch, unkompliziert und kostengünstig.

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Kann es sein, daß die Zukunft der Musikindustrie gerade am Rande von Tulln, einer beschaulichen Donau-Gemeinde in Niederösterreich, erfunden wird? Es sieht ganz danach aus. Mit ihrer Distributions-Software „Rebeat Digital“ zeigen Günter Loibl und sein kleines Vertriebsteam, daß sich in Zeiten des Umbruchs – die CD-Verkäufe sinken seit Jahren, legale Downloads machen illegales File-Sharing und Umsatzverluste durch gebrannte CDs noch lange nicht wett – glänzende Visionen entwickeln lassen.

„In meinem eigenen Tonstudio produzierte ich Demos sonder Zahl“, so der ehemalige Hobbymusiker und Autoverkäufer Loibl. „Doch was dann? Ich lief mir die Hacken wund, keine Plattenfirma interessierte sich dafür. Ich wurde fast täglich mit der Nase darauf gestossen, wo Musiker der Schuh drückt!“. Resultat: die Gründung eines eigenen Vertriebs im Jahr 2001. „Ein kleiner, wendiger Segler zwischen den grossen Tankern“, so Loibl.

Die rasche Etablierung seiner Idee und erste Charts-Erfolge konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Handel mit der altgedienten Silberscheibe immer zäher lief. Und läuft. Mittlerweile erklären Experten die CD zum nostalgischen Staubfänger. MP3-Player, etwa der kultige iPod von Apple, Musikhandys, LAN-Server und Multimedia-PCs laufen ihr den Rang ab. Damit lag der nächste Schritt, die Entwicklung einer eigenen Internet-Vertriebsschiene, auf der Hand. Günter Loibl zeigte sich von den Herausforderungen der neuen Ära, an denen selbst Major-Musikfirmen zerbrachen, begeistert. „Wir wollten für alle Kreativen quasi auf Knopfdruck einen Zugang zu möglichst allen legalen Download-Portalen möglich machen“. Nach einem Investititionszuschuss des österreichischen Wirtschaftsfonds, der sich von der Idee dito höchst angetan zeigte, und zweijähriger Entwicklungszeit ist das Ergebnis nun seit wenigen Wochen auf dem Markt. Und sorgt für Aufhorchen.

„Rebeat Digital“, so der Name der Software-Lösung „out of the box“, hat einige wesentliche Details unkomplizierter und eleganter gelöst als die Konkurrenz (die noch dazu meist nur den US-Markt bedient). Zum weltweiten Vertrieb der eigenen Musik bedarf es in Zukunft keiner Bittsteller-Touren bei Plattenfirmen, komplizierter Verträge oder umfangreicher Manager-Aktivitäten mehr. Es reichen die Installation der Software (auf dem eigenen PC wohlgemerkt, wo alle Daten verwaltet werden), eine gültige Bankverbindung mit Kreditkarte, eine unbürokratische Registrierung und eine Portion Selbstbewusstsein bei der Bewerbung und Vermarktung der eigenen Kreativität. Letzteres ist durch Plattformen wie MySpace, YouTube, Last.fm oder den FM4 Soundpark in den letzten Jahren auch deutlich leichter und attraktiver geworden. Eine eigene Homepage und ständige Kontaktpflege mit dem Publikum via Newsletter oder vor Ort bei Konzerten gehören sowieso zum guten Ton.

„Rebeat Digital wurde von Musikern für Musiker entwickelt, darauf sind wir stolz“, merkt Günter Loibl an. „Wir verstehen uns als eine Art kreative Gemeinschaft, hinter der kein großer Konzern steckt“. Daß es nie zuvor so rasch, unkompliziert und kostengünstig möglich war, seine eigenen Songs in Online-Stores wie iTunes, MusicLoad, Libro Online oder AON unterzubringen (um die lokal wichtigsten unter einigen hundert Anbietern weltweit zu nennen), betrachtet der Vertriebsexperte als positive Revolution. „Für Hobby-Musiker, aber auch unabhängige Profis und kleine Labels stellen wir Chancengleichheit her“.

Loibl legt Wert auf Fairness. 85 Prozent der Erlöse (abzüglich Urheberrechtsabgaben) verbleiben beim Künstler, hinderlich lange Vertragsbindungen existieren nicht. Tantiemen werden weltweit über die österreichische Urheberrechtsgesellschaft AustroMechana abgerechnet. Und es gibt einen jederzeit transparenten Einblick in die Verkaufszahlen, Downloads und Abrechnungen. Die Kosten für die Software (99 Euro, im Musikfachhandel oder via Web http://www.rebeat.com) und die Speichergebühren (einmalig ein Euro pro Song) sind ebenfalls überschaubar. Daß „Rebeat Digital“ – noch – nicht für das in Musikerkreisen weit verbreiteten Apple-Betriebssystem Mac OS X verfügbar ist, stellt ebenfalls kein unüberwindliches Problem dar: die Rechner sind inzwischen per Knopfdruck auch als PCs konfigurierbar.

„Rebeat Digital“ kümmert sich um die administrativen Aufgaben des Musikverkaufens und hält den Kreativen den Rücken frei für das, was das Business seit jeher angetrieben und ausgemacht hat: die Musik“, zieht Günter Loibl ein Resümé. In den nächsten Wochen und Monaten ist der innovative Jungunternehmer auf den wichtigsten Branchenevents der Welt zu finden: der NAMM Show in Kalifornien, der MIDEM in Cannes, bei „London Calling“ und bei den Musikmessen in Frankfurt und Shanghai. „Das Interesse ist gewaltig“, so Loibl lächelnd. „Die Zukunftsmusik findet schon in der Gegenwart Gehör“.

Eine Antwort to “Paketlösung”


  1. […] er ist heute als Business Consultant für den kleinen Tullner Indie-Vertrieb Rebeat tätig, der mit „Rebeat Digital“ einen innovativen Online-Werkzeugkasten für Newcomer und Selbstvermarkter […]


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