Wundersames Wien

12. März 2008

Man möge mich des Nepotismus zeihen – aber wie könnte ein Magazin wie “Wien Live” (oder ein Blog aus Wien) ohne einen Fingerzeig auf das wundersamste, zärtlichste, berückendste Wien-Album des Jahres auskommen? Insofern ist es nur würdig und recht, hier Ernst Molden aufs Podest zu bitten.

In seinen Texten und seiner Musik schöpft dieser “letzte Viktorianer” (H.C.Artmann) seit zwei Jahrzehnten aus der reichen urbanen Mythenwelt der Donau-Metropole. Die Motive der Song-Kleinode auf „Wien“ reichen von Fleischhauern, Praterhuren und dem hiesigen Volkssport des Wiesenliegens bis zu höchst persönlichen Szenarios wie „Ein langer Tag am Wasser“. Das musikalische Unterfutter verehelicht elektrischen Blues mit zart gesetztem Lokalkolorit – und sei es ein verminderter Akkord, der eine Rockballade nach US-Baumuster kaum merklich nach Ottakring entführt.

Ernst Moldens Band, durch die intensive Konzertpraxis der vergangenen Jahre zusammengeschweisst „zur tight groovenden Musikmaschine“ (Rainer Krispel, „Augustin“), übersetzt die Vorgaben des Poeten am Mikrofon und an der Gitarre ebenso knapp wie trittsicher ins grosse Format. Gäste wie Ex-„Ostbahn Kurti“ Willi Resetarits tragen das ihre dazu bei. Produziert wurde „Wien“ – wie schon das Vorgängeralbum „Bubenlieder“ – vom Münchner Grenzgänger Kalle Laar (Trikont, Temporary Soundmuseum).

Übrigens: fast zeitgleich mit “Wien” erscheint ein weiteres Molden-Album. Namens “Foan”. Hier übersetzt der Singer-/Songwriter Song-Klassiker und Vorlagen internationaler Vorbilder – von Nick Cave bis Johnny Cash – ins lokale Idiom. Wer den Vergleich sucht, kann “Wien” und “Foan” gleich im Deluxe-Doppelpack erwerben.

Ernst Molden, Wien + Foan (monkey./Hoanzl)

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