Archive for Juli, 2008

Mixtape 2.0

30. Juli 2008

Eine kleine, feine Idee. Und eine simple, aber funktionelle Web-Umsetzung: Muxtape erweckt das gute, alte Mixtape wieder zum Leben. Und rettet die MusiCassette ins 21. Jahrhundert. Oder so ähnlich. Jedenfalls ist es hochinteressant, wer welche 12 Songs zusammenträgt und in welche Reihenfolge bringt. Warum, diese Frage bleibt offen. Oder auch nicht: es ist – oft, gewiss nicht immer – die aktuelle, langjährige, eventuell auch ewige Essenz der eigenen Musikleidenschaft. Und des eigenen Musikhorizonts.

Anfang der weitergeleiteten E-Mail:

Von: Gröbchen Walter
Datum: 30. Juli 2008 00:07:21 GMT+02:00
An: help@muxtape.com
Betreff: download links

Today you had a big feature on the Austrian radio/television corporation site:

ORF Futurezone/Muxtape

Will cause some traffic, hopefully ;-)

Well, I tried it out – and really like your service. Smart idea. Great fun. And simple functionality. As I’m running my own small label, I didn’t hesitate to upload some upcoming tracks and a few current favorites of our roster. See http://monkeymusic2008.muxtape.com (or just here)

But there’s one little dark spot: if Amazon doesn’t have the rights for digital distribution (which is the case with monkey., my label, for instance) the links for legal MP3 downloads won’t work. Which is rather dull. Is Amazon (I think they don’t do any download business outside the USA, do they?) the only possible source? Why not use/link Apples iTunes store instead? Or Musicload? Or eMusic? (just to name a few)… It would be a GREAT service both for labels/artists and ordinary users/fans of muxtape. And it could be – if you don’t have an exclusive deal with Amazon – a potential source of income for you.

What ya think?

Best from Vienna, Austria
WG


Von: Justin Ouellette
Datum: 30. Juli 2008 00:38:39 GMT+02:00
An: Gröbchen Walter
Betreff: Re: download links

Wow, thanks for letting me know!

Definitely aware of that dark spot. I’ve been talking with eMusic, we’re going to start to linking to them very soon in cases where a track is available from their service. In the future I want anyone at any level to be able to sell their music on Muxtape, from solo artists up through indie labels like yours.


Von: Gröbchen Walter
Datum: 30. Juli 2008 02:03:15 GMT+02:00
An: help@muxtape.com
Betreff: download links

Wow, thanks for your immediate response!

Don’t forget iTunes, they’re by far the biggest store. Maybe Apples policy is a little, hm, restrictive but it seems they know what they do.

Keep on keepin‘ on. Besides: listen & enjoy.

best, WG

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Unerhört!

13. Juli 2008

Die Debatte um eine mögliche Quotenregelung für österreichische Musik im österreichischen Radio (vornehmlich dem öffentlich-rechtlichen, aber auch dem privaten) gewinnt an Tempo, Schärfe und Dynamik. Der ORF kann sich ihr im EU-Kontext nicht mehr – wie früher – entziehen. Eine Nachschärfung.

Einmal mehr sollte eine Diskussion beendet werden, bevor sie überhaupt noch begonnen hatte. „Wir werden uns nicht selbst verpflichten, Marktanteile zu verspielen, indem wir österreichische Lieder senden, die das Publikum nicht hören will“, verkündete der Kommunikationschef des ORF, Pius Strobl, Ende Juni im Wirtschaftsmagazin „Format“. Die Untermauerung dieses Standpunkts wenige Tage danach bei einer parlamentarischen Enquete zum Thema Musikstandort Österreich fiel aber eher kläglich aus. Dem ebenso erstaunlichen wie beschämenden Fakt, daß in keinem europäischen Land weniger lokale Klänge im lokalen Radio laufen als hierzulande, hatte auch Hörfunkdirektor Willy Mitsche wenig entgegenzusetzen.

Vor allem Sender wie Ö3 oder Radio Wien tun sich hörbar schwer damit, die im ORF-Gesetz als Auftrag formulierte „angemessene Berücksichtigung und Förderung der österreichischen künstlerischen und kreativen Produktion“ auch nur annähernd zu erfüllen. Der EU-Schnitt liegt bei vierzig (!), jener von Ö3 deutlich unter zehn (!) Prozent lokalem Musikanteil. Egal ob Pop, Rock, Jazz oder Elektro-G’stanzl: Urheber und Interpreten kämpfen im „Musikland“ Österreich mit einem eklatanten wirtschaftlichen, kulturellen und medienpolitischen Startnachteil.

Gäbe es nicht Falco selig, Christl Stürmer und eine Handvoll glanzpolierte „Neue Österreicher“, wäre das Hitradio eine Pop-Import-Agentur ohne regionalen Zungenschlag. Andere Töne? Neue Namen? Gar mal Dialekt oder Nicht-ganz-so-Stromlinienförmiges? Wollen die Leute nicht hören, winken die ORF-Verantwortlichen unisono ab. Alles von deutschen Beraterfirmen getestet! Und natürlich kann, will, darf Ö3 – als ORF-„Cashcow“ ein seltsames Zwitterwesen zwischen öffentlich-rechtlichem Sendungsbewußtsein und kommerziellem Reichweiten-Imperativ – kein Jota von seiner pseudowissenschaftlichen Erfolgsformel abweichen.

Warum aber die – an ein Trauma grenzende – Befürchtung besteht, daß heimische Klänge durch die Bank, quasi automatisch und mit absoluter Gewissheit die Hörer in Scharen vertreiben, hat noch keiner der Format-Wächter schlüssig erklärt. Unabhängige Umfragen bestätigen deutliches Publikumsinteresse. Das gewiss aktiviert werden will. Und kann. Nebenan, im Alternativ-Sektor, gibt es übrigens so viel spannende, vielfältige, hörenswerte Ö-Musik wie nie zuvor – eben (auch), weil FM4 ganz selbstverständlich (und mit Erfolg!) als Biotop, Spielfläche und (Nischen-)Plattform fungiert. Der Drang hin zu grösseren, chartsbestimmenderen Hörerkreisen lässt sich damit aber nicht durchgängig hintanhalten. Populärkultur zielt per definitionem auf Masse.

Der ORF sieht sich erstmals nicht einer ihren langjährigen Pfründen nachtrauernden Austropop-Altvorderen-Gemeinde gegenüber (so das denunziatorische Klischee ewigen Raunzertums, das der Küniglberg gern mal als Propaganda-Feindbild aushändigt), sondern einer selbstbewussten, medial und politisch versierten Kreativ-Generation. Das gibt dem Ruf nach Airplay (oder gar, hoppla!, nach einer Quote, wenn’s gar nicht anders geht) neues Gewicht. Ewiges Abwiegeln, Hinauszögern und Mauern seitens der ORF-Gewaltigen – die Privatradios agieren aber ähnlich defensiv – kommt da gar nicht gut.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und das ist bekanntlich ein Hit. In Zukunft immer öfter auch ein österreichischer.

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