iGenleben

15. März 2009

MASCHINENRAUM – die Kolumne in der „Presse am Sonntag“ (1) Heute: der neue MacMini kann immer noch kein Brot backen. Gut so.

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Am besten, ich gesteh’s gleich zum Einstieg: ich bin ein Apfelmann. Ein Jünger von Steve Jobs. Ein Adorant, um nicht zu sagen: Apologet des Computerherstellers Apple. Halt! Letzteres ist insofern falsch, als die High Tech-Ware aus Cupertino, Kalifornien längst nicht nur schnöde PCs konkurrenziert, sondern auch Mobiltelefone, TV-Geräte, Spielkonsolen, HiFi-Anlagen und Musikstudios. Daß sich Jobs & Co. vom zweiten Teil des Firmennamens „Apple Computers“ getrennt haben, ist da nur folgerichtig. Inzwischen ist man eine „Digital Lifestyle Company“. Und es würde mich nicht wundern, wenn die demnächst auch noch Espressomaschinen, Handstaubsauger und Eierbecher („iErbecher“) mit dem Apfel-Logo an den Start bringt. Schick designt, nur marginal überteuert und perfekt vernetzt mit dem Rest vom Fest. Ich würde das Zeug blind bestellen. Aber, wie gesagt: ich bin Adorant.

Und damit auch absehbar ein personifiziertes Feindbild der Windows-Fraktion, Hardware-Bastler und Linux-Ideologen. Seit den achtziger Jahren tobt der Streit, und ein Ende ist nicht absehbar. Hie die Äpfelsekte (die Anführer tragen schwarze Rollkragenpullis), da die Gates-Anhänger, dort die strikten Verfechter von Open Source und freier Ideen- und Warenwirtschaft. Haben Sie mal einen Blick in einen beliebigen Thread geworfen, wo diese Fanclubs aufeinander treffen? Simmering gegen Kapfenberg ist da ein Pfitschigogerl-Match dagegen.

Nun stellte Apple dieser Tage allerlei neue Gerätschaften vor, darunter generalüberholte iMacs (die All-in-One-Kompaktrechner des Herstellers) und eine neue Generation des MacMini. Die „Brotdose“ ist seit 2005 das Vorbild für die Minituarisierung von PCs schlechthin. Und dabei kräftig genug für einen durchschnittlichen Arbeitsalltag. Dennoch setzte in Web-Foren das Geheul enttäuschter Fortschrittsapostel ein. Und die Häme der Anti-Apfelianer folgte auf dem Fuß: das Ding sieht immer noch aus wie bei seiner Einführung. Reichlich unspektakulär. Es kann nachwievor kein Brot backen. Oder Haustier klonen. Es funktioniert einfach. Und verbraucht weniger Strom denn je. Wunderbar!, sag’ ich. Endlich kein Fortschritt um des Fortschritts willen. Kein innovativer, aber leider inkompatibler Formfaktor. Keine neue Modefarbe. Die Wunderdinge stecken in der Apfeldose. Und hier nicht in den Chips, sondern in der Saft-, äh, Software. Mehr dazu demnächst in diesem Theater.

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Eine Antwort to “iGenleben”


  1. […] gerade oft. Ich bin ja der MS-Hemisphäre vor vielen Jahren schon untreu geworden und ins Apple-Lager gewechselt. Setze ich mich in unserem Büro an einen Computer, auf dem Windows läuft (in der […]


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