Scharfe Bilder, verschwommene Aussichten

5. April 2009

MASCHINENRAUM – die Kolumne in der “Presse am Sonntag” (4) Die Blu-ray Disc könnte sich eher als Flop entpuppen, als ihren Propagandisten lieb ist.

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Jaja, die Blu-ray Disc. Immerhin ist sie nicht umgehend auf dem Schrotthaufen der Geschichte gelandet. Oder, etwas milder gezeichnet: als endenwollender Seitenarm auf der großen Schautafel des Evolutions-Stammbaums moderner Bild- und Tonträger. Wie etwa das abrupt eingestellte Konkurrenzformat HD-DVD des japanischen Herstellers Toshiba. Sollten Sie sich also unlängst einen Blu-ray-Player zugelegt haben, darf ich Sie beruhigen: ein Stop-Signal am Ende der Sackgasse ist (noch) nicht in Sicht. Dazu wurde allerorten zu viel investiert.

Aber eine Empfehlung aussprechen kann und will ich auch nicht. Denn die Kinderkrankeiten des Formats (auch und vor allem im Zusammenspiel mit heutigen LCD- und Plasma-TV-Schirmen, egal ob „HD Ready“, „Full HD“-tauglich, mit HDMI-Anschlüssen oder ohne lästige Insignien der Kopierschutz-Lobby) nerven ungebrochen, die neu introduzierte „Live“-Anbindung ans Internet ist ein öder Gimmick, und die Bildqualität lässt sich nur ausreizen, wenn wirklich alle Komponenten penibel aufeinander abgestimmt sind. Das hat mit unkompliziertem Filmgenuß wenig zu tun.

In der erhellenden Technik/Konsumenten-Kolumne „Nachgefragt“ des Magazins „profil“ outete sich der Ö3-Moderator Andi Knoll diesbezüglich als abgeklärter Ex-Early Adopter. Zum Thema Blu- ray meinte er nur trocken, „die sind viel zu teuer, das ist eine Totgeburt.“ Also wirft er seine Sony Playstation 3, die, quasi im Nebenzweck, ein vorzügliches Abspielgerät für das hochauflösende Videoformat abgäbe, zu diesem Behufe erst gar nicht an. „Ich habe schon genug gezahlt. Da lese ich lieber ein Buch.“

Und genau das, meine Damen und Herren Industriestrategen, ist das Problem. Zwar flattern uns derzeit bunte Werbeflugblätter en masse ins Haus, die die High End-DVDs schon unter zwanzig Euronen auspreisen, quasi als Auftakt zum absehbaren Preisverfall. Aber „normale“ DVDs kosten immer noch die Hälfte, bisweilen gar nur ein Viertel. Und lassen sich durchaus auch mit Wohlgefallen betrachten. Für die Freaks kündigen Forschungslabors zudem längst Blu-ray-Nachfolger (TeraDisc, HVD) mit deutlich höherer Speicherkapazität und Auslesegeschwindigkeit an. Wenn es dann überhaupt noch physischer Bildträger bedarf: Bill Gates zeigte sich schon vor Jahresfrist verblüfft, daß die Medienwelt immer noch an Scheiben glaubt.

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