Die Neuerfindung des Rades

13. April 2009

MASCHINENRAUM – die Kolumne in der “Presse am Sonntag” (5) Die Verschrottungsprämie macht Kleinwagen sexy. Aber gibt es keine Alternativen?

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Neulich, bei einem dieser in Mode gekommenen Creative Industries-Symposien, wurde mir wieder mal die Zukunft präsentiert. Ich mußte ja leise lachen, als auf der Projektionsleinwand ausgerechnet ein Segway-Roller aufleuchtete, als Sinnbild dafür, wie wir in absehbarer Zeit alle drauf und dran wären. Von wegen urbane Mobilität, neue Arbeit/Freizeit-Modelle, frische Ideen und so weiter und so fort. Sagt Ihnen der Name Segway etwas? Es ist ein paar Jährchen her, da geisterte die Mär von der Quasi-Neuerfindung des Rades durch Online-Foren und die Presse. Was letztlich das Licht der Öffentlichkeit erblickte, war gewiß innovativ, nicht unoriginell, aber auch nicht die Revolution per se: ein zweirädriger Karren mit Elektroantrieb und gyroskopischer Steuerung. Auf diesem Gefährt stehend sah man alsbald behelmte Touristen die Ringstraße in Wien entlangsurren, auch ein Stadtrat kontrollierte so motorisiert „sein“ Donauinselfest. Wacklig, aber wacker.

Aber ist der Segway eine probate Zukunftshoffnung für den Indiviualverkehr? Eher nicht. Was Massen bewegt, muß keine Massenbewegung sein. Bislang wurden nach Auskunft des Generalvertreters in Österreich etwa 2500 Stück abgesetzt. Die Dinger sind teuer: unter 8000 Euro läuft nichts. Eventuell könnte eine Verschrottungsprämie helfen. Aber was verschrotten? Opas Elektro-Rollstuhl? Skateboards, alte Vespas, seltene Kabinenroller, schnuckelige Mopedautos? Ich würde ja kurzerhand jene Automobile einziehen, die plötzlich aussehen wie übrig gebliebene Saurier aus der güldenen Ära vor dem Paradigmenwechsel: ein Audi Q7 etwa, ein Porsche Cayenne oder VW Touareg (von einem Volkswagen zu sprechen erschiene mir als Hohn). Von Jeep Cherokees und Hummer-Privatpanzern ganz zu schweigen. Ab in die Schrottpresse mit diesen Sinnbildern einer opulenten, dekadenten Vergangenheit!

Bleibt die Gegenwart. Solange uns nicht die Chinesen oder Inder, tatü Tata!, mit fahrenden Mikro- und Nano-Blechskulpturen beglücken, halten wir uns an Minis, Smarts und IQs mit vertrauten Markennamen. Oder darf’s doch ein Segway sein? Den Personal Transporter gibt’s bald auch – entwickelt in Kooperation mit General Motors (!) – als überdachte, zweisitzige Variante („P.U.M.A.“). Ähnelt einem sowjetischen Marsmobil. Bei aller neu entdeckten Erotik moderner Goggomobile: der ausgeklügeltste und sympathischste mobile Untersatz bleibt auf absehbare Zeit – das Fahrrad.

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Eine Antwort to “Die Neuerfindung des Rades”

  1. Sophie Says:

    der tretroller(-scooter) ist die gang(-roll)barere alternative. ab 40 euro kriegt man recht gute stücke. ein halbes prozent also von dem, was so ein dummer segway kostet, auf welchem auch noch ein helm zu tragen ist, der die haare zsamgatscht.
    für diese rollerspielzeug sind sich halt yuppie-damen und -herren zu schade, zu stolz. auch das schuhwerk sollte abgestimmt sein in richtung tennisschuhartig – wo es aber auch schon recht lokalreife modelle gibt.
    diebstahlsicher, weil ellenbogenkompatibel zusammenklappbar, in einem plastiksäckchen verstaubar, sollte irgendwer die nase zu rümpfen beginnen. der euphorie der abhänge sollte man sich dennoch nicht hingeben. führen alle rollerscooter, wäre die unfallgefahr auf gehsteigen exponential erhöht. aber ich für meinen teil, ich schwöre auf dieses gerät.


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