Schweres Gerät

26. April 2009

MASCHINENRAUM – die Kolumne in der „Presse am Sonntag“ (7) Nicht jeder Hobby-Gärtner hat einen grünen Daumen. Dafür oft Tonnen von High Tech im Geräteschuppen.

rasentraktor

Heute möchte ich diese Kolumne in „Maschinenpark“ umbenennen. Das Wetter schreit förmlich danach (zumindest die Wettervorhersage), und angeblich ist der ultimative Frühjahrs-Kick jedes Mannes ein Rasentraktor. Quasi als Bubentraum, für den man sich auch vierzig Jahre später nicht genieren muß.

Nun habe ich nicht die geringste Ahnung von Rasentraktoren. Sieht man vom Umstand ab, daß ich den David Lynch-Film „The Straight Story“ liebe, wo ein Rentner seinen kranken Bruder besucht und hunderte Kilometer Wegstrecke mithilfe eines „Aufsitz-Rasenmähers“ (so die Wortwahl in „Wikipedia“) zurücklegt. Aber harmlose Spinnereien gehören ja zum Grundinventar dieses publizistischen Abenteuerspielplatzes.

Und tatsächlich lernt man bei der Recherche penibel zwischen „Aufsitzmähern“ und „Rasentraktoren“ zu unterscheiden. Erstere sind leidlich bequemere Varianten des guten, alten Elektro- oder Benzin-Schiebemähers. Bei letzteren befindet sich die Antriebseinheit immer vor dem Fahrer, das „Mähdeck“ ist zwischen die Achsen gebaut, hinten hängt ein Behälter für Schnittgut dran. Oder so. Die nächste Stufe wäre dann schon ein „echter“ Kleintraktor, quasi der Ferrari des Hobbygärtners. Es gibt über tausend (!) Typen auf dem Markt, habe ich staunend nachgelesen, und wahrscheinlich Myriaden von Baumarkt-Beratern, die genau wissen, welches Modell es denn sein soll. Nein: muß.

Allerdings: auszahlen tut sich derlei schweres Gerät erst ab etwa eintausend Quadratmeter Grundfläche – außer Sie wollen einfach ein bißchen im Kreis fahren, Grasduft einatmen oder Ihren Bruder besuchen. Ich fürchte nur, dies lässt sich hierzulande nicht mit der Straßenverkehrsordnung in Einklang bringen.

Und ich wette, auch Hochgrasmäher und Motorsensen, Rasentrimmer, Vertikutierer, Schredder, Einachser und Motorhacken, Häcksler, Schneefräsen, Kehrmaschinen, Laubsauger, Erdbohrer, Heckenscheren, Wippkreissägen, Holzspalter, Wildkraut-Hex, Raupentransporter, ATVs und Quads schlummern oft nur still im Gerätesschuppen vor sich hin. Weil die Phantasie mit einem durchgegangen ist (apropos: kurvt André Heller in seinem italienischen Wundergarten auf einem bunt bemalten Traktor durch die Botanik?) Und auch der High Tech-Hobby-Bauer gelegentlich das Kraut schiessen lassen mag, wie’s Mutter Natur gefällt.

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Eine Antwort to “Schweres Gerät”


  1. […] Maschinchen, die in der Küche, im Bügelzimmer oder in der Gartenlaube (ok, dort vielleicht eher nicht) herumstehen, sind nun mal tatsächlich etwas, hm, alltäglich. Also: […]


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