Von Äpfeln und Trauben

2. Mai 2009

MASCHINENRAUM – die Kolumne in der “Presse am Sonntag” (8) Netbooks – groß in Mode, klein im Preis. Aber wozu braucht man die putzigen Dinger überhaupt?

compaq-netzbook

Es lag in der Auslage einer Elektronikhandelskette, es wirkte so klein, aufreizend und unschuldig, und schon war ich verloren. Ja, ich gestehe, ich habe auch eines dieser „Netbooks“ gekauft (werde ich nun von Psion verklagt, die den Namen für einen ihrer einst visionären Organizer reservieren liessen?). Als Ausrede, warum ich derlei unbedingt bräuchte – schliesslich kosten die schnuckeligen Mini-Laptops ab 200 Euro aufwärts, mein Compaq glatt das Doppelte – kam mir ein Urlaub auf Mauritius gerade recht. Niemals würde ich meinen Arbeits-PC in den Dschungel mitschleppen. Dass es dort gar keinen Dschungel gibt, sondern nur einen winzigen botanischen Garten, ist ein anderes Kapitel.

In der Tat: ein wenig Internet-Surfen, Fotos betrachten, auf dem langen Flug das eine oder andere Spielchen spielen, dafür waren ein Atom-Prozessor (nein, Sie müssen jetzt nicht die Behörde verständigen, das ist nur ein Markenname), eine 60 GB-Festplatte und ein 10 Zoll-Monitor allemal gut. Mit Windows XP als Betriebssystem kam ich klar, Linux hätte es auch getan. Apple bietet ja bis heute kein Netbook an. Die sind in den Augen des Interims-Chefs Tim Cook Teufelswerk. Warum? Weil es „billige, schlechte und wenig nützliche Geräte“ sind, sagt Cook.

Papperlapapp, sage ich. Man sollte nicht gerade Photoshop-Retuschen oder Videoschnitt mit den Dingern – die ursprünglich für Schulkinder in Drittweltländern entwickelt wurden, nun aber auch als stattlich-staatliche Geschenke an hiesige Professoren taugen – probieren. Aber wer tut das schon? Im Kaffeehaus sitzen (tunlichst einem mit freiem W-LAN) und Kolumnen schreiben, dafür ist mein Compaq prädestiniert. Und es ist schon reichlich überheblich, die massive Nachfrage nach den praktischen, kleinen Taschenrechnern als Idiotie abzutun. Oder glaubt Tim Cook etwa, die Leute würden nur auf den Einserschmäh der Mobilfunkanbieter reinfallen, Netbooks seien quasi gratis? Im Gegenteil: dass sogar strenggläubige Apple-Apostel rechnen können, zeigt sich am Beispiel des „MacBook Air“. Das natürlich weit eleganter und leistungsfähiger ist als irgendein Asus- oder Acer-Plastikteil, aber leider auch deutlich teurer. Und noch deutlicher zu werden: arschteuer. Schliesslich surft man damit auch nur im Internet.

Insofern hat Cooks Aussage etwas vom Fuchs, dem die Trauben zu hoch hängen. Denn das ist der eigentliche Grund für den Grant: die Gewinnspannen sind zu niedrig. Der Laptop-Markt wird kannibalisiert. Und derlei ist überhaupt nur eine Modeerscheinung. Wer’s glauben mag. Eee ah!

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