Beiläufige Musiktipps (3)

13. Mai 2009

„Ohne Di“ – das neue Album von ERNST MOLDEN kündigt sich an. Und wie! Eine Vorab-Werbedurchsage mit beiliegender Schallfolie.

Ernst Molden

„Der Molden ist ein ganz ein Lieber“, hat mir ein profunder Musikkenner erst neulich zwischen Tür und Angel gesagt, „aber meinem Geschmack nach ein bissl zu sehr Austropop…“. Na prack! Das saß. „Austropop“, das ewige Synonym für die Vergangenheit. Für Altvatterisches, Abgestandenes, eventuell ein ärmliches Ambros-Danzer-Fendrich-Apostolat. Nun: so ganz von ungefähr kommen solche Assoziationen nicht. Auch wenn oberflächliche Schlussfolgerungen grundfalsch sind.

Ernst Molden, zweifelsfrei ein Vertreter der jüngeren, wenn auch nicht der jüngsten Generation, reiht sich atmosphärisch und formal durchaus ein in eine fiktive Ahnenparade des modernen, elektrifizierten Wienerlieds. Er singt deutsch, er verleugnet nicht den regionalen Dialekt und das Lokalkolorit seiner Heimatstadt, er musiziert mit Willi Resetarits (vormals Ostbahn-Kurti), Walther Soyka (vormals bei Roland Neuwirth & den Extremschrammeln) und anderen. Er kennt und schätzt wohl Danzers Erbe, hat den frühen Ambros intus, lässt die durchaus vorhandenen guten Momente Fendrichs gelten (sorry, die inoffizielle Nationalhymne „I Am From Austria“ z.B. lässt sich natürlich trefflich parodieren, aber dazu muß die Vorlage allemal was hergeben. Und das tut sie, bei allem ironieresistentem Pathos).

Aber abgesehen davon, daß nur der allerdümmste Hund annimmt, die gesamte Austropop-Historie wäre ein einziger fataler Irrtum der Musikgeschichte und Wurzelforschung per se obsolet, umschifft Molden die flacheren Stellen mit sicherem Instinkt. Der Dichter verweist auf H.C. Artmann, der Grübler mag Element Of Crime, der Musiker lässt live (und bald auch auf Platte) die Sau raus. Wie Neil Young – einer der ewigen Molden-Heroen – damals auf „Rust Never Sleeps“ bzw. „Live Rust“, wo zwei Versionen der selben Story erzählt werden. Und eindringlich vorgeführt wird, was für ein brachialer Punk-Hadern das sentimentale, ursprünglich auf der Akustik-Gitarre intonierte „Hey Hey My My“ (oder umgekehrt) sein kann. Out of the blue, into the black.

Molden wird, keine Sorge, ebenfalls die Dinge klar machen. Raschest. Baldigst. Ich sage das mit einer Gewissheit, die auf einem kleinen Informationsvorsprung beruht – ich habe die „rough mixes“ des neuen Molden-Albums „Ohne Di“ gehört. Und bin wirklich, das passiert mir sonst eher selten, ergriffen. Der gute Mann schafft es mehr und mehr (und er kommt der Meisterschaft schon final nahe), sich den Rock’n’Roll anzueignen, mit geduldiger Brutalität und sanfter Lässigkeit, und ihn in eine organische Verbindung mit Wien, Wein, Weib und Gesang zu zwingen. „Ohne Di“ ist die Domestizierung eines Bastards. Mit im Zwinger waren die Herren Resetarits, Soyka und Wirth. Ich mag nicht allzuviel vorweg nehmen. Nur soviel: Grosses kündigt sich an (und „Presse“-Kritiker Samir Köck erklärte schon das letzte Molden-Album „Wien“, zu erwerben auf Knopfdruck am Ende dieses Textes, „zum Schönsten, das je im österreichischen Pop aufgenommen wurde“). Bleiben Sie dran.

P.S.: Molden wird mich steinigen dafür (mit kleinen, spitzen Kieselsteinen), aber ich kann die Vorab-CD nicht im Tresor (okay: in der Küchenlade) verschwinden lassen. Also stell‘ ich ungeniert eine erste – noch unfertige, ungemasterte – Version eines Songs von „Ohne Di“ online. Das Album erscheint im Sommer, im Herbst gibt’s noch einen krachigen Nachschlag. Vorweg: „Di Beag“. Strahlend finster, das Liedl.

ERNST MOLDEN : „Di Beag“ (rough cut)

Ernst Molden - Wien - Hammerschmidgossn

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