Beiläufige Musktipps (5)

2. Juni 2009

Mit „Live in Mumbai“ liefern BAUCHKLANG demnächst ein erstes, lang erwartetes Live-Album ab. Und was für eines! Die mirakulösen A-Cappella-Fähigkeiten des Quintetts, sein spitzbübischer Charme und die wuchtige Bühnenpräsenz galten immer schon als „unique selling propositions“ einer Band, die weltweit keinen Vergleich zu scheuen braucht. Und auch nicht scheut.

Cover LIVE IN MUMBAI (alt)

Viele heimische Künstler, Bands und Interpreten sind „weltberühmt in Österreich“. Dagegen gibt es höchstens etwas zu sagen, wenn diese Vorstufe zu tatsächlichem internationalen Erfolg als ewiges Faulbett vorauseilender Entschuldigungen dient, warum eine Karriere auch jenseits der Grenzen nicht denk-, schaff- und machbar wäre. Diese tödliche Falle für eine stringente künstlerische Entwicklung haben Bauchklang immer elegant links liegen gelassen – ihren Namen kennt man heute in Paris, Hamburg oder Mumbai (alias Bombay) ebenso wie in Wien, Bregenz oder Sankt Pölten.

Eben dort, in Sankt Pölten, liegt der Ausgangspunkt. 1996 formierte sich der Urkern der Gruppe Bauchklang im Zug einer gemeinsamen Musical-Produktion („Jesus Christ Superstar“). Im Lauf der Jahre erfanden die fünf Vocalisten Andi Fraenzl, Alex Böck, Gerald Huber, Christian Birawsky und Philipp Sageder das Genre A-Cappella – lange abgetan als ironisch-beschauliche Populärkultur-Spielform á la Comedian Harmonists – praktisch neu und übersetzten es ins dritte Jahrtausend. Mit virtuoser Stimmbeherrschung, Mouth Percussion und Human Beatboxing generieren Bauchklang einen Gesamtsound, dessen breites Klangspektrum, rhythmische Akzentuierung und brachiale Massivität für das Publikum kaum fassbar ist. Und umso mehr beeindruckt. Bauchklang verbinden und verdichten Dub, Reggae, HipHop, Drum’n’Bass und World Music zu facettenreichen, komplexen Klangbildern, grooveorientiert, dicht gewebt und zugleich spärisch.

Spätestens 2001 mit ihrem Auftritt in Frankreich am Festival Transmusical in Rennes wurde das Interesse der Medien auch europaweit geweckt. Es folgten renommierte Festivals und ausgewählte Clubs in Dänemark, Belgien, Holland, Deutschland, Schweiz, Frankreich und Österreich. 2001 wurden Bauchklang mit zwei „Amadeus Awards“ als bester FM4 Alternative Act 2001 und für ihr Debutalbum „Jamzero“ ausgezeichnet. Ihr Erfolg hat das Quintett letztendlich bis nach Übersee gebracht, wo sie u.a. beim Jazzfest in Montreal oder im Blue Frog Club in Mumbai mit Begeisterungsstürmen aufgenommen wurden. Die letzten zwei Jahre arbeiteten Bauchklang an ihrem dritten Studioalbum („Signs“), das im Herbst/Winter 2009 auf den Markt kommen soll.

„Sie setzen nicht auf hitparadeverdächtige Trends. Das Wort „Kommerz“ kommt einem nicht mal ansatzweise in den Sinn“, so das deutsche Online-Musik-Magazin laut.de. „Eher schon Attribute wie sensationell, beispiellos oder unfassbar. Und immer wieder die Frage: Wie kann Mann solche Klänge ohne Instrumente erzeugen?“

Gute Frage. Nächste Frage. Dem „Weltberühmt in Österreich“-Syndrom entkommen Fränzl & Co. mit ihren (fast) konkurrenzlosen Fähigkeiten und ihrer seit Anbeginn forcierten Weltläufigkeit allemal. Das hat das Quintett immer schon vom Grossteil der heimischen Szene separiert: Selbstbewusstsein, Eigenwilligkeit und Gelassenheit. Und eine unangestrengte Internationalität, die nun im Ton- und Bilddokument „Bauchklang live in Mumbai“ ihren bisherigen Höhepunkt findet. Ziemlich genau ein Jahr nach dem ersten Auftritt im „Blue Frog“, im Februar 2009, war dem einstigen Insidertipp ein fulminantes Déjà-vu beschert: abermals ein ausverkauftes Konzertereignis mit hochkarätigen Gästen aus der Film- und Musik-Metropole Nordindiens.

„Live in Mumbai“ erscheint Anfang Juli 2009 und ist mehr als ein Belegstück, ein Pausenfüller, ein schlichtes Reise-Dokument. Das Album präsentiert eine Auswahl von lang bekannten und ganz neuen Tracks (etwa einen Vorgeschmack auf „Signs“) plus spontane Bühnensessions der 2009er-Serie (etwa mit der Sängerin Shilpa Rao, hier zu hören, oder dem Percussionisten Vivek Rajagopalan), die an drei energiegeladenen Abenden festgehalten wurden. Die Bonus-DVD der limitierten Erstauflage liefert die Bilder dazu. Soetwas hat man sich lange schon gewünscht von Bauchklang. Zumal Live-Spektakel die eigentliche Domäne der Gruppe sind (die CD-Präsentation findet übrigens am 29.06. im WUK statt). Kann gut sein, daß die fantastischen Fünf in absehbarer Zukunft eher weniger Interesse an herkömmlichen Formaten, althergebrachten Spielorten und den üblichen Medienkanälen haben.

BAUCHKLANG feat Shilpa Rao – live in Mumbai

Bauchklang

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Eine Antwort to “Beiläufige Musktipps (5)”


  1. […] year. The ‘vocal groove’ quintet will release Live In Mumbai on June 29 according to Grob. Gröber. Gröbchen. From what we were able to gather via Google’s translate tool (and via the artwork below), the […]


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