Die Neuerfindung von General Motors

7. Juni 2009

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der “Presse am Sonntag” (13) Die Krise ist für die Autohersteller auch eine – letzte – Chance. Werden sie sie wirklich nutzen?

Opel Concept

Fahre ich nun ein österreichisches Auto, wenn ich Opel fahre? Sorry: ernsthaft können diese Frage nur Zwangspatrioten oder Vollidioten stellen. Oder ahnungsvolle Steuerzahler. Denn wir bekommen gerade in aller Dramatik vorgeführt, was abstrakte Begriffe wie „Globalisierung“, „Weltwirtschaftskrise“ oder „Paradigmenwechsel“ in der Realität bedeuten. Und Realität heisst: unser aller Alltag. Ob der Magna-Konzern, der als Autoausrüster mit dem Rücken zur Wand stand, sich mit dem Opel-Deal quasi an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen kann, wird sich noch weisen. Ob die Russen auf Astra, Zafira & Co. abfahren, ebenfalls. Der Leitsatz Frank Stronachs jedenfalls lautet: „Der Markt darf nicht verlorengehen“.

Was aber, wenn der Markt schon längst verloren gegangen ist? Zig Millionen Fahrzeuge stehen auf Halde. Jahr für Jahr kommen Millionen dazu. Die durch die unselige „Verschrottungsprämie“ ausgelöste Hausse bei den Händlern ist die Baisse von morgen. Wenn sogar die „Kronenzeitung“ ihren Lesern flüstert, „seltsame, zum Teil riesige Schlitten“ wären strikt „am Markt vorbeiproduziert“, sprich: elendige Ladenhüter, dann sollte allmählich auch Politikern und Sonntagsrednern ein Licht aufgehen.

Der Wirtschafts-Leithammel des 20. Jahrhunderts, die Automobilindustrie, muß sich neu erfinden. Rasch. Und radikal. Und wenn es gewaltiger Pleiten bedarf, um draufzukommen, daß Zweieinhalb-Tonnen-Benzin-Kutschen im Jahr 2009 ein Sinnbild für saurierhafte Blödheit sind, dann ist die Krise eine Chance. Nur dann. Denn es ist nicht zuletzt eine Sinnkrise. Auf einen Schlag sehen viele der barocken Vehikel, die uns in Propaganda- Illustrierten wie „AutoBild“ als „State of the Art“ angedient werden, furchtbar alt aus: überwuzelt, überdimensioniert, überholt.

Geben Sie einmal „General Motors“ und „Reinvention“ als Stichworte in Google ein. Sie werden einen – seltsam blechern tönenden – Abgesang auf die stolze Historie des nach Toyota weltgrössten Automobilherstellers zu sehen bekommen. Und einen Vorgeschmack auf Kommendes. Was genau, bleibt leider offen (und hat auch schon entsprechende Kommentare und Parodien stimuliert). Immerhin will GM nach dem Konkurs dringend die Marke Hummer (ja, das sind diese peinlich plumpen Panzerwägen) loswerden. Ich fürchte, Albert Einstein hatte die klarere Vision einer „Neuerfindung“: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“.

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2 Antworten to “Die Neuerfindung von General Motors”


  1. […] und Zukunftsspekulationen zu verlieren. Man kann sich da nämlich schön täuschen. So schrieb ich vor zwei Jahren – damals war die Krise noch dramatisch neu, mittlerweile hat man sich fast […]


  2. […] nur gratulieren, zum generellen Opel-Aufschwung – die Marke setzt nach ihrer existenzbedrohlichen Krise inzwischen sehr auf Dynamik und Lifestyle – dito. Was mich interessierte, war „OnStar“. Ein […]


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