Wahlmöglichkeiten 2.0

13. Juni 2009

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der “Presse am Sonntag” (14) Politiker, aber auch Medienmacher tun gut daran, sich auf mehr, direkteres und kritischeres Feedback einzustellen.

Stoppt Graf

Themen – und nicht mal irgendwelche, sondern taufrische, probate, signifikante Themen für eine Kolumne wie diese – trudeln dieser Tage quasi im Minutentakt ein. Vom neuen iPhone der dritten Generation über Myriaden elektronischer Buch-Nachfolger („E-Reader“) bis hin zu Sportwagen mit ein paar tausend Lithium-Ionen-Batterien im Kofferraum: ob das alles zukunftsträchtig ist, wird sich weisen. Spannend ist diese potentielle Themenfülle allemal. Die Qual der Wahl hat eine lustvolle Komponente.

Apropos Wahl: stark reizen würde es mich aktuell etwa, über eine Web-Plattform zu berichten, die gestandenen Funktionären der Grünen gerade graue Haare wachsen lässt. Der Zug der Zeit, mehr direkte Demokratie zu wagen, scheint für manche ja ein Zug nach Nirgendwo zu sein. Eventuell verwechseln sie das imaginierte Ziel aber auch mit dem eigenen Standpunkt. Andere verstehen überhaupt nur Bahnhof. Oder versuchen behend die eigene, systemkonforme Karriere zu retten.

Lustigerweise hat die ÖVP gerade dito den Scherm auf, da das interne EU-Match Strasser gegen Karas, das letzterer recht eindrucksvoll und eindeutig für sich entschied, ebenfalls den Trend zu mehr – und direkteren – Wahlmöglichkeiten widerspiegelt. Das Internet, zumal in der Version 2.0, begünstigt diese Entwicklung. Eklatant. Und ich spreche noch nicht mal von Web-Maschinerien („E-Voting“), wie man sie bei der Hochschülerschaftswahl erstmals angeboten hat. Mit mässigem Erfolg übrigens. Die Herren Pröll, Faymann & Co., partiell aber auch Frau Glawischnig, wären gut beraten, öfter mal einen Blick auf Social Networks, in diverse Plattformen, Foren und Blogs zu werfen. Dann z.B. würde ihnen vielleicht zum strammen Herrn Graf, ihrem vorbildlichen Nationalratspräsidenten, mehr auffallen. Und eventuell auch mehr einfallen.

Aber lassen wir das. Schliesslich geht es hier um Technik, nicht um Politik. Doch auch Journalisten müssen umlernen: keckes, pluralistisches, unmittelbares Feedback auf Artikel, Kolumnen und Kommentare ist heute ein integraler Bestandteil des (ver)öffentlich(t)en Umgangs mit Themen aller Art. Bisweilen ist die eine oder andere Leser-Anmerkung sogar trefflicher, aktueller, gar kompetenter als jede noch so professionell recherchierte Story. Raum dafür ist genug, weil unbegrenzt, vorhanden. Im Web. Und ein Detail mehr gilt es zu bedenken: es gibt keine „endgültige“ Form mehr, vom Inhalt ganz zu schweigen. Alles bleibt Beta. Eventuell wird man bald Versionsnummern für Online-Artikel einführen, und die Streichungen, Erweiterungen, Korrekturen und Korrekturen der Korrekturen ergeben eine weitere Meta-Ebene im ewigen Ringen um die Wahrheit. Die Ware Wahrheit, wohlgemerkt.

Wie immer auch: könnte sein, daß sich diese Kolumne im Netz ein wenig (oder eventuell ganz) anders liest als auf Zeitungspapier. Quod erat demonstrandum.

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2 Antworten to “Wahlmöglichkeiten 2.0”


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