Bitjockeys

2. Juli 2009

Fortschritt kann tatsächlich Fortschritt bedeuten: für DJs z.B. hat die Digitalära einiges in petto. Auf jeden Fall leichteres Gepäck.

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Meine Wenigkeit greift immer wieder mal auf entspannende Rhythmen und Klänge zurück. In aller Öffentlichkeit. Sprich: ich spiele den Discjockey (solange HC Strache und Konsorten nicht zwingend den volksdeutschen Begriff „Plattenreiter“ vorschreiben). Und sorge so für Friede, Freude, Eierkuchen. Und ein Zucken in den Beinen. Bei Freunden und Bekannten, aber auch für zahlende Auftraggeber. Früher, in den Heydays der Achtziger und Neunziger, war ich ja vielerorts gefragt als DJ. Vom legendären „U4“ über die „Soul Seduction“ im Wiener Volksgarten bis zum „Roxy“ oder „Chelsea“. Daß meine Karriere mit Gastspielen in einer Wurstbratbude („Musikkiosk“) ein unspektakuläres Fade Out erlebte, kann man so nicht sagen.

Denn erst neulich war ich etwa im tiefsten Burgenland bei einem Star-Winzer engagiert. Und, was soll ich sagen, es klappte wie eh und je mit der Tanzbodenbeschallung. Oldies, Superhits, Rockhadern, Mash-Ups (gern genommen: Nena vs. Eminem), Soul, Krautrock und Landdisko-Klassiker bunt gemischt („Gamma Ray“ von Birth Control, wer’s kennt, motivierte etwa Herrn Eselböck zu einem ausladenden Veitstanz), ergibt eine bewährte Rezeptur. Daß die fortschreitende Alkoholisierung des p.t. Publikums dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielt, ist zudem eine ewige Wahrheit. Aber warum erzähle ich Ihnen das alles?

Weil auch in diesem Sektor der Fortschritt Einzug gehalten hat. Und ich meine das keineswegs ironisch. Oder gar zynisch. Wer früher als DJ zentnerschwere Plattenkoffer oder CD-Kisten geschleppt hat und einen Lieferwagen voller Mischpulte, Laufwerke und Kabelrollen chauffierte, kann nun das fröhliche, unbeschwerte Lied der Neuzeit singen. Man hat abertausende Songs und Interpreten auf der Festplatte eines Laptops bei sich. Und das Mischpult (ich verwende gerade zu Testzwecken eine abgespeckte Version von „Traktor DJ“, die sich gut bewährt) ist quasi auch gleich eingebaut. Elegant, probat und schweisshemmend, derlei. Wenn nun irgendwer, bitt’schön!, noch federleichte Lautsprecher und winzige Digitalverstärker erfindet, die einem den Transport und Aufbau der ungebrochen monsterfetten, voluminösen und entsprechend gewichtigen PA-Anlage ersparen, wäre ich vollends zufrieden. Ich muß glatt mal nachschau’n in alten „MixMags“ oder „Groove“-Ausgaben, ob derlei nicht schon irgendwo, irgendwann angekündigt oder in Aussicht gestellt wurde…

Von wegen: es soll heutzutage schon Discjockeys geben, die gerade mal zwei iPods zur Party mitbringen. Oder gar nur ein iPhone. Minimal Music? Eher: maximaler Überraschungseffekt. Eventuell auch ultimative Effizienz. Kosten tut das ganze Zeug, vergleicht man es mit den Investitionen von früher, als man noch innerlich bereit sein mußte, für Technics-Decks, Profi-Mischpult und Lichtorgel-Firlefanz seinen Bausparvertrag aufzulösen, (fast) auch nichts mehr. Geschmack, Musikkenntnise und DJ-Talent konnte man sowieso noch nie kaufen. Um keinen Preis.

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2 Antworten to “Bitjockeys”


  1. […] ihre Maschinen horten. So sie nicht schon längst auf Laptops und Software wie „Traktor DJ“ umgestiegen sind. Oder sowieso fest an den Weltuntergang […]


  2. […] den Willen, ihn sensibel, aber doch nachdrücklich (und letztlich sogar zwingend) einem Publikum mitzuteilen. Zwingend heisst: nur eine Party, bei der beim Morgengrauen alle auf den Tischen tanzen, ist auch […]


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