„Thriller“ revisited

11. Juli 2009

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der “Presse am Sonntag” (18) Video-Künstler von heute machen aus der Not eine Tugend – und drehen Musik-Clips mit ungewöhnlichen Mitteln.

Wolph

Die Michael Jackson-Passionsspiele in Folge des Ablebens des Künstlers bescherten nicht nur der Plattenfirma Sony, TV-Sendern, Boulevardillustrierten und Online-Portalen güldene Momente, sondern auch dem p.t. Publikum. Das durfte einerseits in Erinnerungen an die achtziger Jahre schwelgen, andererseits über die Bilderwucht und Definitionsmacht des Mediums „Musikvideo“ staunen. „Thriller“ etwa, der Clip zum gleichnamigen Album (das mit rund 60 Millionen verkauften Tonträgern als das erfolgreichste aller Zeiten gilt), hat ein gesamtes Genre geprägt. Ja, das waren noch Zeiten, als Manager Fantastillionen für bunte Filmchen budgetierten und MTV als frischer, aufregender Durchlauferhitzer für Populärkultur galt.

„The times they are a-changin’“, um den alten Weisen Bob Dylan zu zitieren (der war in den Achtzigern übrigens schwer out, dürfte manchen aber länger im Gedächtnis bleiben als der arme Jacko). Heute verkündet Twitter, der News- und Gerüchte-Ticker schlechthin, dass sogar die – oft bemängelte – Bildqualität der im Apple iPhone 3GS eingebauten Kamera ausreiche, um damit Videos zu schiessen. Mon dieu! Möglich, daß der „Generation YouTube“ der Unterschied zwischen 35 Millimeter-Film und 3 Megapixel gar nicht erst groß auffällt. Freilich hält der Trend zum Null Euro-Video, gedreht von experimentierfreudigen Semi-Amateuren aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, an. Fragen Sie mal nach bei gotv, dem wackeren lokalen Musik-TV-Sender: Rossacher/Dolezal – prototypische Inszenatoren opulenter Pop-Musicals und Celluloid-Spektakel – haben dort kein Leiberl mehr.

Kreativität und Originalität hängen, eine alte Grundregel, sowieso nur bedingt vom Budget ab. Findige Regisseure haben längst die Not zur Tugend gemacht. Und erfreuen sich etwa der zunehmend verbreiteten Videofähigkeiten von Spiegelreflexkameras, deren Wechseloptiken stupende Resultate ermöglichen (und ich spreche hier nicht von iPhone-Spassettl’n). Geben Sie z.B. mal den Künstler Axel Wolph als Suchbegriff bei YouTube ein. Sie werden auf ein erstaunliches Bilddokument stossen, das mit einer (Vollformat-) Canon EOS 5D Mark II gedreht wurde, in einem Rutsch übrigens. Wolph, selbst ein talentierter Songschmied aus Oberösterreich, singt hier – in einer Abstellkammmer! – „Johnny & Mary“, ein immergrünes Pop-Juwel aus der Feder von Robert Palmer. Bei Bedarf lässt sich das Video auf „High Quality“ (HQ) umschalten, das ist dann quasi HDTV per Web. Und: der Clip hat vielleicht ein Zehntausendstel des Budgets von „Thriller“ gekostet, wenn überhaupt.

Nun: Ruhm in Michael Jackson-Dimensionen wird sich damit nicht einfahren lassen, aber für eine Handvoll Beifall von Kennern (in Sachen Bild und Ton) ist das mehr als ausreichend.

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3 Antworten to “„Thriller“ revisited”


  1. Ja, mit der Canon kann „man“ schon beachtlich viel anstellen, siehe http://www.tv1.at/view/3279/canon-5d-mark-ii-werbeclip

    Allerdings muss man sich das Teil auch erst leisten können, von guten Objektiven einmal ganz abgesehen…..

  2. tobi Says:

    Ich bin inzwischen immer mehr erstaunt darüber, was man im Internet an Perlen finden kann. Die Animation von blu, oder HD-HDR-Videos von der neuen EOS sind weltklasse. Jetzt ist ja mit den neunen Einsteigermodellen von Canon und Nikon noch mehr Wind in diese Szene gekommen. Mal sehen, was sich da noch alles tun wird.


  3. […] Fotos schiessen. Full-HD-Filme drehen etwa. Da müsste schon das eine oder andere hobbyistische Musikvideo abfallen. Aber, gemach: solch eine Entscheidung verlangt eine gewisse Bedachtnahme, Spontankäufe […]


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