Flaschenpost aus der Retzer Gegend

21. August 2009

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (23) Es gilt das eherne Gesetz: was passieren kann, passiert. Z.B. Stromausfall in der tiefsten Pampa.

message in a bottle

Nun wäre es ja höchst an der Zeit, wieder einmal über dieses oder jenes Gerät zu schreiben, das neu am Markt ist, positiv herausragt aus der Armada vergleichbarer Produkte oder sich generell als nützlich erweist bei der Bewältigung des modernen Alltags. Da schleppe ich seit Wochen eine Kamera mit mir herum, eine Canon EOS 500D samt wuchtigem 24-70mm Profi-Objektiv, und diese Kombination kann einiges.

Ich muss Sie aber vertrösten mit einer detaillierten Beurteilung. Denn seit heute früh verplempere ich meine Zeit damit, eine Möglichkeit zur simplen Übermittlung dieser Kolumne zu eruieren. Sprich: ich muss es schlichtweg schaffen, die paar Zeilen aus den Innereien der elektronischen Schreibmaschine heraus zu kriegen und an die Redaktion zu senden. Und?, werden Sie denken, what’s the problem? Nun: wenn Sie am Sonntag etwas zu lesen bekommen, war ich erfolgreich. Wie immer auch.

Die Situation ist folgende: ich sitze urlaubend im tiefsten Weinviertel, in der Nähe von Retz. Nahe der tschechischen Grenze. Vorsichtigerweise – man kennt das ja, und ich hatte, der Entspanntheit der Sommerfrische zum Trotz, allerlei vor – befanden sich gleich zwei Laptops im Gepäck. Aber leider nur ein Netzteil. Und, zack, gleich nach dem Frühstück kam, was kommen musste. Das Netzteil – defekt? Durchgebrannt? Oder nur übel gelaunt? – schickt keinen Strom mehr. Und beide Akkus sind leer. Komplett. Nichts geht mehr. Niente. Nada. Und die „Ersatzkolumne“, die ich zur Sicherheit in der „Presse“-Redaktion deponierte, hab’ ich in Urlaubslaune schon vorletzte Woche verbraten. So wird man umgehend zur Witzfigur. Ausser man weiss sich zu helfen.

Unbill in dieser der Moderne fernen, „SonntagsPresse“-losen, aber nicht unschönen Gegend bin ich ja gewohnt (wer’s nachlesen mag, möge einfach „Das ewige Funkloch“ googlen). Aber dass ich mich eines Tages im Presshaus meiner Mutter, wo ich – man ist ja nicht frei von Sentimentalitäten – allerlei ausrangierten technischen Kram endgelagert habe, wiederfinden würde, vor mir eine Phalanx prähistorischer Notebooks mit Windows 2000-Betriebssystem, hätte ich nicht gedacht.

Immerhin haben die Dinger USB-Anschlüsse (Version 1.0), und ich einen Stick in der Hosentasche. Sogar zwei: einmal USB, einmal UMTS. Und in Retz’ gibt’s angeblich auch ein Netzcafé. Und einen EDV-Laden. Mit dem Mut der Verzweiflung werd’ ich schon eine Maschine zum Laufen bringen. Und irgendwie diese Depesche nach Wien. Notfalls per Flaschenpost.

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