Eine Warnung, eine Empfehlung

3. September 2009

„Diagonal“, das Ö1-Feuilleton, hat eine eigene Rubrik, in der zu- und abgeraten wird. Als Gast nehm‘ ich mir da kein Blatt vor den Mund. Dafür dieses und jenes Blatt zur Hand.

Post von Jeanneé

Eine Empfehlung.

Fünfundvierzig Sekunden „on air time“. Das hat einen ganz realen Wert, so eine Werbeeinschaltung, und keinen unbeträchtlichen – auch wenn es Werbung auf Ö1 eigentlich gar nicht gibt. Nennen wir es also einen Fingerzeig. Und da die Sekunden verticken wie nichts, nennen wir auch das Ding gleich beim Namen: DATUM. Ein Magazin. Papier zum Lesen. In diesem Fall etwas griffigeres Papier mit wunderbar unaufgeregtem Design und beachtlichem Inhalt. Gerade ist die aktuelle Ausgabe erschienen – mit Artikeln etwa über die Sinnkrise der Gewerkschaften, über Thomas Pynchon, den Vorarlberger Verleger Eugen Russ und über ein von Arbeitern besetztes Luxushotel in Argentinien. Mein Favorit unter allen Beiträgen, neben der Kolumne von Franz Schuh natürlich, trägt den Titel „El Ha von OÖ“, also „Landeshauptmann von Oberösterreich“. Anlässlich der Wahl hat der Attwenger-Musikant Markus Binder zwei fiktive Reden geschrieben. Die haben’s in sich. Wie das ganze Heft. „Endlich ein Blatt, das nicht von Marketingfuzzis konzipiert wurde“, urteilt das Fachmagazin „Der österreichische Journalist“. D’accord. Sie sollten einfach einmal Ihren Trafikanten nach DATUM fragen.

Eine Warnung.

Wenn wir schon bei journalistischen Qualitäten sind, dann ist es auch mal an der Zeit, einen absoluten Tiefpunkt heimischer Publizistik – eher wohl: Zeilenschinderei – zu benennen. Und ich tu’s mit grimmigem Ernst. Vielleicht schreibt mir der gute Herr dann ja einen Brief. So, wie er anderen fast täglich einen Brief schreibt. Öffentlich und unaufgefordert. Unter dem Titel „Post von Jeannée“. Und zwar in der „Kronen Zeitung“. Nun ist dieses Blatt gewiß kein Hort des bedächtigen Diskurses. Jeannées Briefe aber – eine Kolumnenform, die er dreist bei der deutschen „Bild“-Zeitung abgekupfert hat – sind derartig unter jeder Kanone, daß man sich regelmässig fremdschämt. Untergriffig, anbiedernd, faktenfern, verletztend, polemisch, schleimig, gehässig. Durch die Bank. Mit einem Wort: ekelhaft. Und ich bin gewiß kein Gegner feiner Provokation. Es gibt Leute, die meinen, Jeannée hätte es auf ärgerliche Reaktionen wie diese hier geradezu angelegt; sie würden seine Wirkung und Bedeutung belegen. Und noch verstärken. Nun: das war’s denn auch. Ich habe beschlossen, diesen – pardon! – Dreck kategorisch nicht mehr zu lesen. Er vergiftet den Tag. Er versaut die Stimmung. Er hat keinen Wert. Besser also, präventiv Post von Jeannée einfach ungeöffnet an den Absender retournieren. Mit einer gleichmütig hingekritzelten Botschaft – „Empfänger unbekannt“.

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Eine Antwort to “Eine Warnung, eine Empfehlung”

  1. Andreas Says:

    Trafikanten nach dem DATUM zu fragen kann frustrierend sein. Wegen des Interviews mit meinem Oberchef hab ich in sechs Trafiken danach gefragt, fünf hatten es nicht, in einer war’s vergriffen. Ein Freund hat mir den Artikel dann eingescannt.

    Da muss eine größere Verbreitung her.


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