Licht ins Dünkel

6. September 2009

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (25) Experten aus 27 EU-Ländern haben das Ende der traditionellen Glühlampe beschlossen. Ohne uns?

birne

Nun hat also die gute, alte Glühbirne ausgedient. Seit Anfang September ist der Verkauf von mattierten Lichtspendern und klaren 100 Watt-Exemplaren eingestellt, 2010 folgen die 75 Watt-Versionen und 2011 jene mit sechzig Watt. Danach wird’s ganz finster. Zumindest in der Vorstellungswelt professioneller und privater Lichtdesigner. Man bedauert allerorten den Verlust des „warmen“ Farbspektrums, das beim Glühen eines Wolframfadens entsteht. Und fürchtet die subjektive Kälte von Halogenstrahlern, Energiesparlampen (die noch dazu als umweltschädlich entlarvt wurden) und Leuchtdioden.

Die Folge: ganze Vorratskammern gehorteter Glühbirnen, einmal mehr Antipathie gegen „die da in Brüssel“ und das volksnahe Bekenntnis von Politikern wie Josef Pröll oder Josef Cap, selbst unter die Hamsterkäufer gegangen zu sein. „Bei mir haut es bei dieser Frage die Sicherungen durch“, wird Pröll zitiert. Zugleich, leicht schizophren, aber auch seine Feststellung, die Umstellung sei „grundvernünftig“.

Was jetzt? Fakt ist, daß die vor hundertdreißig Jahren von Thomas Alva Edison entwickelte, industriell gefertigte Glühlampe zwar ein leuchtendes Fanal der Moderne ist, aber technisch längst als überholt gilt. Nur fünf Prozent des verbrauchten Stroms werden in Leuchtkraft umgesetzt, der Rest in Wärme. Heutige Alternativen haben eine weit höhere Effizienz und halten im Schnitt sechsmal länger. Trotz höherer Anschaffungskosten rechnet sich der Austausch allemal. Europaweit lassen sich durch Energiesparlampen Stromkosten in Höhe von fünf bis zehn Milliarden Euro jährlich (!) sparen.

Aber Vernunft, Sparwille und der lobenswerte Versuch der EU-Politik, Energieverbrauch und Treibhausgase drastisch zu reduzieren, treten in einen offenen Ringkampf mit Uninformiertheit, Sentimentalität und Sturheit. Und natürlich dem Floriani-Prinzip. Dürfen wir uns bald auf Untergrund-Kämpfer einstellen, die sich demonstrativ im rötlich-gelben Lichtkranz traditioneller Kronleuchter versammeln? Lichterketten, die ein Signal gegen den Terror der Modernisten und zwänglerischen Stromsparer setzen? Einen Dauerkonflikt von Verdunkelungs-Agenten versus High Tech-Jedirittern samt Lichtschwertern?

Soweit vertraue ich schon der Innovationskraft, Marktorientierung und „Give the people what they want“-Dynamik des Kapitalismus, dass hier raschest Ersatz zu finden sein wird. Vollwertiger Ersatz. Auf eine Neonröhre über meinen Schreibtisch habe auch ich keinen Bock. Für die ewigen Edison-Jünger und Retro-Apostel aber zünde ich eine Kerze an. Die ist seit Jahrtausenden in Mode und spendet das wärmste Licht überhaupt.

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3 Antworten to “Licht ins Dünkel”

  1. axel77 Says:

    Die Halogenlampe (die kleinen Runden) (nicht unbedingt gleich der „Energiesparlampe“ hat übrigens mit einer Farbtemperatur von ca. 3000K auch ein wärmes Licht als die Edisonglühlampe mit ca. 2700K. Sie kommt dem Sonnenlicht am nächsten.

    Es ist wird also auch ganz einfach Realitätsverweigerung betrieben.

  2. kmslavik Says:

    Ein glühendes Bekenntnis zur Glühlampe?

    Die Glühlampe als (Zitat Gröbchen)“längst überholt“ zu bezeichnen ist stark irreführend. Nicht nur, daß sie über die Jahrzehnte ihrer Existenz ständig verbessert wurde (siehe Halogen-Lampe, etc.) erzeugt KEIN anderes Leuchtmittel auch nur annährend das Farbspektrum einer Glühlampe. Shop- und Lichtdesigner, Kameraleute und andere Menschen mit Gefühl und Geschmack wissen diese Eigenschaft zu schätzen …

    Selbst modernste RGB-LEDs schaffen nur „Linienspektren“ und werden überdies meist „gepulst“ angesteuert, was zu einem hochfrequenten „flackern“ und relativ unnatürlichem Licht führt. Vom Licht der Energiesparlampen ganz zu schweigen. Auch sie erzeugen Flackerlicht und unnatürliche Farbwiedergabe, da sie nur Teilspektren abstrahlen.

    Die Effizienz (also der Wirkungsgrad) eines Leuchtmittels muß immer im Zusammenhang mit der Erzeugung und Entsorgung gesehen werden. Im Kurzzeitbetrieb (z.B. als Stiegenhauslicht) schneiden Leuchtstoff- oder Energiesparlampen sogar schlechter als Glühlampen ab, da ihre Herstellung und Entsorgung weitaus umweltbelastender und energieaufwändiger ist und zum Betrieb am Stromnetz Vorschaltgeräte benötigt werden, die ebenfalls Strom benötigen, hergestellt und entsorgt werden müssen.

    Noch was zu axel77: Je höher die Farbtemperatur in Kelvin, umso bläulicher das Licht. 2700K sind also definitv wärmer als 3000K. Energiesparlampen liegen bei etwa 4000K und sind daher noch „kälter“. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Farbtemperatur


  3. […] „Bulb Fiction“) lassen mich auch nicht kalt. Was aber, wenn man zu dieser Thematik längst alles gesagt […]


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