Plus Minus

13. September 2009

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (26) Mit „CI+“ hat der grosse Bruder endlich Einfluss auf unseren Fernseher. Eventuell mehr, als uns lieb ist.

CI+

Unlängst habe ich einen kleinen Ausflug zur IFA, zur „Internationalen Funkausstellung“ in Berlin also, unternommen. Dieses Shangri-La für den fortgeschrittenen Hobbyelektroniker und Technik-Nerd breitet ja die neuesten Waren, die rund um Weihnachten in allen Schaufenstern liegen werden, in opulenter Fülle vor einem weithin angereisten Fachpublikum aus. Was soll ich Ihnen sagen: die Hatscherei durch die Messehallen ermüdet. Sehr sogar. Irgendwann ist einem der x-te Audio-Video-Receiver, LCD-Monitor oder Blu-Ray-Player im Einheitsdesign auch wurscht. Und mag er noch so sehr funkeln und glänzen und mit Leistungsdaten protzen.

Hellwach wurde ich aber, als mir an den Ständen von Panasonic, Philips, Samsung und Sony (und einigen Herstellern mehr) eine „fortschrittliche“ neue Schnittstelle für Pay-TV präsentiert wurde: das Common Interface Plus, kurz CI+. Auf den ersten Blick handelt es sich dabei um einen schnöden Schlitz für spezielle Karten und Module, die „Digital Video Broadcasting“, also Fernsehen auf dem neuesten Stand der Technik, ermöglichen. CI+ ist nun eine Weiterentwicklung des alten CI-Standards, der in vielen Haushalten Einzug gehalten hat. Leider, leider nicht kompatibel, was ärgerlicherweise bedeutet, das man eventuell wieder mal diverse Gerätschaften austauschen muss. Sofern man freiwillig den milden Irrsinn mitmachen möchte, den CI+ ermöglicht. Zuvorderst den „Content“-Anbietern, also den kommerziellen Fernsehsendern.

Stellen Sie sich einfach vor, alles an TV-Inhalten wird digital verschlüsselt. Und nur wer, gegen Geld natürlich, einen Schlüssel erwirbt und in den CI+-Schlitz steckt, kann die Bilderflut wieder „entsperren“. Mehr als das: technisch ist es möglich, Ihnen zu verbieten, Sendungen aufzuzeichnen oder zeitversetzt anzuschauen. Oder man löscht nachträglich Ihren Festplattenrecorder. Werbepausen lassen sich nicht überspringen. Nach einmaligem Anschauen verschwindet ein Film aus Ihrem Archiv. Und derlei Orwell-Szenarien mehr. Oder leide ich an Paranoia?

Befürworter sehen mit CI+ einen berechen- und kontrollierbaren Markt für High End-Fernsehangebote, also etwa HDTV, kommen. Sony & Co. freuen sich darüber, dass der Wildwuchs an Settop-Boxen und Receivern mit unterschiedlichsten Standards und Pay TV-Funktionalitäten verschwindet. Und RTL, Sat Eins, Pro Sieben und der Rest vom Fest hören schon die Kassa klingeln. Blöd aus der Wäsche schauen all die Konsumenten, die daheim einen „HD Ready“-Schirm mit oller CI-Schnittstelle herumstehen haben. Ohne Plus. Aber immerhin kann man Ihnen nicht per Fernbedienung einfach das Bild ausknipsen.

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