Mein kleiner persönlicher BAWAG-Skandal

6. Oktober 2009

„Unternehmen Österreich“, lautet der aktuelle Werbespruch der BAWAG PSK. „Für eine gemeinsame Zukunft. Für Land und Leute. Seien Sie dabei!“. Nun: ich bin dabei. Aber eventuell nicht mehr lange.

bawag

Montag, 05.10.2009, 19.47h

Sehr geehrter Herr K.,

unser heutiges, unerfreuliches Telefonat möchte ich nicht voreilig als Schlußpunkt unserer geschäftlichen Beziehung werten.

Sie haben mir am 21.09.2009 eine Mahnung zu meinem Geschäftskonto Nr. XXX geschickt (Kopien anbei). Übrigens zweimal, aber darauf komme ich noch zurück. Ich hatte das Konto zu diesem Zeitpunkt unabsichtlich um 1.176,64 Euro überzogen – und befand mich gerade auf Urlaub, aus dem ich vorige Woche zurückgekehrt bin. In Ihrem Schreiben hatten Sie mir 14 Tage Frist eingeräumt, den Kontostand auszugleichen. Das ist vor Ablauf dieser Frist geschehen.

Gestern, bei einem Besuch der Buchhandlung Amadeus in Wien-Landstrasse, wurde zudem meine mit dem genannten Konto verbundene Mastercard mit der Nummer XXX, gültig bis 04/11, eingezogen. Zu diesem Zeitpunkt war das Konto im Plus; eine (aus welchen Gründen auch immer erfolgte) Sperre der Karte somit sachlich unbegründet.

Nun habe ich wohl offenbar bei Eröffnung des Geschäftskontos im Jahr 2005, betreut durch Fr. XXX in der Filiale Wien-Neubaugasse, keinerlei Überziehungsrahmen vereinbart; daß dies pragmatisch gleichbedeutend ist mit null Flexibilität bei leichter Überziehung eines Kontos, das sich jahrelang ausschliesslich im Plus befunden hat, war mir unklar. Und ist mir nachwievor unverständlich – so gesehen hätte ich wohl einen Überziehungsrahmen, inklusive aller notwendigen Bonitätsprüfungen, längst vereinbart. Aber dazu gab es zu keinem Zeitpunkt ein Angebot oder einen Hinweis, weder von Fr. XXX noch von Ihnen (wir hatten bis dato überhaupt keinen persönlichen Kontakt, wenn ich mich recht erinnere).

Denn, ob Sie’s nun glauben oder nicht: an Bonität mangelt es mir nicht. Ich habe nur Aktiva weitgehend abgeschöpft, um die lächerliche Verzinsung eines Girokontos zu vermeiden. Diese Beträge sind ungebrochen bei der BAWAG veranlagt.

Doch zurück zum Anlassfall. Daß Sie einen kurze telefonische Rückfrage nicht tätigen „müssen“, wie Sie mir heute mitteilten, mag formal richtig sein; besondere Höflichkeit oder Sorgfalt im Umgang mit Kunden belegt dies nicht. Daß Sie sich selbst und mir so allerlei Mühen und Umstände hätten ersparen können, ist freilich ein Faktum. Der gleich zweifache Versand desselben Mahnschreibens, jedes mal mit 20,00 Euro „Mahnentgelt“ belastet, dürfte wohl mangelnder Gesamtübersicht oder einer generellen Geschäftstüchtigkeit zu Lasten Ihrer Kunden geschuldet sein. Diese zweifache Verrechnung von Mahnspesen – siehe Kontoauszug anbei – bitte ich umgehend zu korrigieren.

Ich fände es auch angebracht, mir die genannte Mastercard umgehend wieder zur Verfügung zu stellen und ev. damit verbundene Spesen zu übernehmen. Einen Überziehungsrahmen handle ich ggf. gerne mit Ihnen nach üblichem Procedere aus.

Darüber hinaus möchte ich meine spontan ausgesprochene Kündigung unserer Geschäftsbeziehung vorerst aussetzen; d.h. sie bleibt ad hoc aufrecht. Ich werde mir aber erlauben, die weiteren Schritte Ihrerseits aufmerksam zu verfolgen und zu dokumentieren. Eventuell könnte sich daraus ja ein wunderbarer journalistischer Report über die Umgangsformen einer Bank mit Geschäftskunden im Jahr 2009 ergeben.

Gerne stehe ich Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Walter Gröbchen

Dienstag, 06.09.2009, 09.10h

Herr K. hat mich freundlicherweise gerade angerufen. Er besteht darauf, formal absolut richtig gehandelt zu haben. Und meint, ich bekäme selbstverständlich keine neue Kreditkarte. Unter keinen Umständen. Auf Kunden wie mich lege seine Bank keinen Wert. Ah ja. Ich beschliesse, dem Leiter des Geschäftskunden-Centers ein kurzes mail zu schreiben.

Sehr geehrter Herr XX,

als Geschäftskunde bin ich im Center Wien-Mitte geführt – und habe da seit kurzem intensiv mit Hrn. K. zu tun. Der Mann ist, was Kundenbeziehungen betrifft, ein interessanter Fall (um es mal zurückhaltend zu formulieren). Ich erbitte ein persönliches Gespräch.

Mit freundlichen Grüssen,
WG

Dienstag, 06.10.2009, 16.05h

Okay, okay. Die BAWAG hat sich gemeldet, entschuldigt, die Sache gebügelt. Insofern ziehe ich da jetzt mal einen – positiven – Schlusstrich unter diesen Thread. Generell ist anzumerken, daß a) die Banken gerade hypernervös sind (Krise, Basel II etc.) b) die Finanzmarktaufsicht des Staates Österreich die Schrauben anzieht und c) man als Selbstständiger, zumal im Kreativsektor, sowieso ein grundsätzlich verdächtiger, unsteter, wenig kreditwürdiger Kerl ist. Schwamm drüber über dieses kleine (wenngleich wahrscheinlich signifikante) Erlebnis. Aber Ohren, Augen, Blog bleiben offen.

Mittwoch, 28.10.2009, 10.12h

Habe soeben ein mail erhalten… Ich trag’s mit Humor.

EINLADUNG ZUR ONLINE-UMFRAGE
„KUNDENZUFRIEDENHEIT UNSERER GESCHÄFTSKUNDEN“

Sehr geehrter Herr Gröbchen,

wir haben uns zum Ziel gesetzt, unsere Angebote und Services noch besser an die Bedürfnisse unserer Geschäftskunden anzupassen. Denn die Erhöhung der Zufriedenheit unserer Top-Kunden hat oberste Priorität!

Zu diesem Zweck führen wir aktuell eine Studie zur Zufriedenheit unserer Geschäftskunden durch. Dazu möchten wir Sie – wie wir Ihnen bereits in einem Brief mitgeteilt haben – um Ihre persönliche Meinung bitten.

Im Speziellen geht es darum, Ihre Bedürfnisse sowie Ihre Zufriedenheit mit der BAWAG noch besser kennenzulernen. Aus diesen Erkenntnissen wollen wir gezielte Maßnahmen zur Erreichung einer bestmöglichen Kundenorientierung ableiten.

Um sicherzustellen, dass Ihre Angaben völlig anonym bleiben, haben wir das renommierte Marktforschungsinstitut marketmind mit dieser Studie beauftragt . Angaben einzelner Personen werden von marketmind völlig vertraulich behandelt und nicht an uns weitergegeben.

Ihre persönliche Teilnahme an dieser Studie ist uns besonders wichtig . Wir möchten Sie daher bitten, sich etwa 15 Minuten Zeit zu nehmen, um den Fragebogen auszufüllen.

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und danken Ihnen schon jetzt für Ihre Mithilfe!

Mit freundlichen Grüßen

Mag. Jürgen Dostal
BAWAG P.S.K. Marketing

Dr. Christian Bosch
Geschäftsführung marketmind

PS.: Unter den ersten 500 Teilnehmern verlosen wir einen Gutschein für den Aufenthalt in einem Luxushotel in Österreich für zwei Personen sowie zahlreiche, interessante Fachbücher!

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8 Antworten to “Mein kleiner persönlicher BAWAG-Skandal”


  1. ein bankdirektor meinte mal zu mir (das institut habe ich dann ebenfalls verlassen): der kunde ist bei uns könig…aber ich bin der kaiser…
    da ein kundenbeziehungsnachhilfeunterricht für herrn k. wohl nichts helfen wird, sollte man ihn durch einen bankomaten ersetzen…;-)

  2. Walter Says:

    Ja, die BAWAG will offenbar keine Kunden mehr haben. Hatte auch schon meinen persönlichen BAWAG Skandal: http://sollbruchstelle.at/2009/05/18/bawag-bauernfanger-fuer-arbeit-und-wirtschaft/

    Wollte eigentlich zur EasyBank „wechseln”, allerdings ist das ja der gleiche Verein. Die Suche nach einer Alternative läuft noch.

  3. Walter Gröbchen Says:

    Okay, okay. Die BAWAG hat sich gemeldet, entschuldigt, die Sache gebügelt. Insofern ziehe ich da jetzt mal einen – positiven – Schlusstrich unter diesen Thread. Danke für die Fingerzeige! Generell ist anzumerken, daß a) die Banken gerade hypernervös sind (Krise, Basel II etc.) b) die Finanzmarktaufsicht des Staates Österreich die Schrauben anzieht und c) man als Selbstständiger, zumal im Kreativsektor, sowieso ein grundsätzlich verdächtiger, unsteter, wenig kreditwürdiger Kerl ist. Schwamm drüber über dieses kleine (wenngleich wahrscheinlich signifikante) Erlebnis. Aber Ohren, Augen, Blog bleiben offen.

  4. 176.671 Says:

    jaja, die banken, da hat man zuwenig geld, dann mal zuviel. wollte bei einer raika in wien landstrasse von meinem alten bei einer raika am land eröffneten sparbuch was abheben. und das problem: es war zuviel (!) geld am sparbuch (soviel wars bittschön auch nicht), ich wollte nicht zuviel abheben (das hab ich auch schonmal bei einer andren bank wollen, geht nicht, voranmeldung, etc. das waren ein paar 1000). ein direktes gespräch, ein telefonat, na geht nicht, unmöglich, geldwäschegesetz, muessen sie direkt bei der bank am land abheben etc., dann halt mal bei der raika am land angerufen, gebeten die mögen sich drum kümmern, und voila, auf einmal gings (danke liebe land-raika), alle waren nett, tschuldigung, samma wieder gut. also: man muss immer wissen wo und welchen knopf bzw. schalter man da drückt. mein liebster bank-schalter ist der bankomat

  5. MartinM Says:

    interessant! Ich habe Studentenkonto Samt Mastercard von der bawag, 400€ rahemn, welcher schon 2 mal leicht überzogen wurde (-1000€, mit Mastercard). Allerdings innerhalb von 2 Tagen beglichen. Die Bawag hats scheinbar nicht gejuckt…. Die Alarmglocken gehen scheinbar erst nach mehreren tagen los…

  6. Andreas Says:

    Selber schuld, wenn man den Urlaub bei der Bank nicht anmeldet :-)))

    Wenn die Spareinlagen auch bei der Bawag waren, wie ich es aus dem Post herauslese, ist die Vorgangsweise für mich nicht erklärlich. Die Aussage: „Solche Kunden brauchen wir nicht!“ muss ohnehin nicht kommentiert werden.

  7. Walter Gröbchen Says:

    Seltsam… Geht’s der BAWAG gar so schlecht?: http://kaernten.orf.at/stories/396110/

  8. Cora Zimbrich Says:

    ….man als Selbstständiger, zumal im Kreativsektor, sowieso ein grundsätzlich verdächtiger, unsteter, wenig kreditwürdiger Kerl – das gilt auch für die weibliche Ausformung!


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