Video Killed The Radio Star

31. Oktober 2009

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (33) Als bloggender Kolumnist sollte man sich nicht auf Werbeankündigungen und PR-Getrommel verlassen.

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Leserbriefe sind ja das Salz in der Suppe des Kolumnisten. Auch wenn sie bisweilen auf lässliche Versäumnisse, Irrtümer und Schludrigkeiten hinweisen. So erreichte mich im Lauf dieser Woche Elektropost von Albert Malli, seines Zeichens stellvertretender Senderchef von Ö3. Wer Malli kennt, kennt auch seinen Enthusiasmus für technische Innovationen. Der neue iPod Nano, der auch ein probates UKW-Radio abgibt, begeistert ihn genauso wie mich.

Allein: die netten Funktionalitäten, die ich letztens an dieser Stelle aufgelistet habe, spielt’s nicht. Niente. Nada. Keine Titelanzeige für gespielte Songs, kein Direkt-Link zu Apple’s iTunes Music Store. Warum? „Der RDS-Standard in den USA ist angeblich ein anderer“, schreibt Malli. „Ich rechne aber damit, dass es bald iPods mit UKW-Tunern nach europäischem System geben wird“. Na hoffentlich erbarmen sich die Jungs in Cupertino, Kalifornien! Oder die Behörden in Wien, Österreich. Denn es könnte auch daran liegen, dass RDS-Informationen zu Songs und Interpreten hierzulande nicht am Autoradio (und sonstwo) angezeigt werden dürfen. Irgendjemand in hiesigen Amtsstuben befürchtet wohl Auffahrunfälle durch Pop-Fanatiker, deren Blicke an LCD-Displays kleben. Sollte Ö3 eine Protestaktion gegen derlei weltfremde Regulative starten: ich bin dabei.

Damit zu einem weiteren iPod-Feature, das ich neulich nur am Rande erwähnt habe, zu unrecht: das Ding kann Videos aufnehmen. Keine Fotos, das nicht, aber Bewegtbilder im H.264-Format mit 640 x 480 Pixeln. Das ist zwar nicht gerade High Definition-Qualität, aber für YouTube und andere Internet-Videoportale ein gefundenes Fressen. Bitte lächeln, Sie werden gefilmt! Und zwar vom pickeligen Nachbarjungen oder von Ihrer eigenen Tochter. Das freut die Bürokolleginnen und Ihren Lieblingsfriseur, so sie das Video entdecken – davon können Sie ausgehen.

Für Alltagsforscher müssten die erwartbaren Myriaden an verwackelten Sequenzen und Terabytes an Sozialpornos jedenfalls en gros ein beglückender Fundus sein. Hersteller professioneller Videokameras dagegen dürften die neue Konkurrenz eher mit gemischten Gefühlen betrachten: einerseits haben wir es bei iPod-Filmchen vielleicht mit ersten Gehversuchen künftiger Truffauts, Hitchcocks und Ruzowitzkys zu tun. Anderseits reicht der Mehrheit wahrscheinlich ein MP3-Player als Miniaturkamera bis in alle Ewigkeit. Schau’n wir mal: ich hab’ seit Sommer höherwertige Geräte von Kodak und Sanyo herumliegen. Sie harren intensiver Tests und Exkursionen. Ob ich sie aber noch mal auspacke?

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