Einsicht auf vier Rädern

28. November 2009

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (37) Der Honda „Insight“ ist das billigste Hybrid-Auto am Markt. Es fährt sich dennoch reichlich sexy.

„Insight“ bedeutet Einsicht, Verständnis, Erkenntnis. Man muss nicht zum Wörterbuch greifen, um das Signal zu verstehen, das der japanische Autohersteller Honda mit einem Modell dieses Namens setzen will. Der „Insight“ ist das billigste Hybrid-Fahrzeug, das derzeit in Österreich käuflich zu erwerben ist. Zu Mitbewerbern wie dem Toyota Prius – von Lexus ganz zu schweigen – hält man einige tausend Euro Abstand. Die Japaner, die nun schon in dritter Generation auf die intelligente Kombination von Benzin- und Elektromotoren setzen, haben mit ihrem breit gefächterten Angebot einen respektablen Vorsprung zur restlichen Autowelt. Die forciert in ihren Entwicklungsabteilungen gerade das Thema Elektroantrieb pur. Wenn ich aber Leuten wie David Staretz, dem feinsinnigsten Motorjournalisten des Landes, Glauben schenken darf, ist man von einer wundersamen Lösung aller Umwelt-, Mobilitäts- und Wirtschaftsprobleme via Steckdose noch Lichtjahre entfernt.

Kann nun eine Kiste wie der „Insight“ etwas? Und, wenn ja, zu welchem Preis (jenseits der mindestens 20.000 Euronen, die man am Verkaufsschalter ablegt)? Ich hab’s ein Wochenende lang ausprobiert. Gleich vorweg: mit weniger Spass an der Freud’ bezahlt man nicht. Im Gegenteil. Es ist kurzweilig, im leicht überkandidelten Cockpit des Hybrid-Honda mit allerlei Farbspielen, Info-Displays und Blumensymbolen sanft zum Spritsparer erzogen zu werden. Die Kraft des 14 PS-Elektromotors reicht aus, um den 88 PS-Benziner in punkto Beschleunigung stupend zu unterstützen. Im Stand und beim Rollen schaltet der Benziner ganz ab. Die Energierückgewinnung zehrt von Bremsvorgängen, kommt in der Stadt also stärker zum Tragen. Sonst fährt sich das Auto wie jedes andere auch. Einen Verbrauch unter fünf Liter Benzin auf hundert Kilometer habe ich nicht geschafft. Aber man bewegt sich immer in die richtige Richtung: nicht mehr Kraft, Maximalgeschwindigkeit und Protzfaktor sind massgeblich, sondern Co2-Ausstoss, Verbrauch und persönliche Öko-Bilanz. Dieser Imperativ, fünfzig Jahre früher forciert, hätte unseren Ölvorräten und dem Planeten insgesamt gut getan.

Insofern sind mir Fahrzeuge wie der Honda „Insight“ grundsätzlich sympathisch. Ich weiss schon: man muss die Produktion in die Gesamtbilanz einrechnen, solch ein Blechhaufen ist immer noch – zumeist unnötig – plump und schwer, es mangelt ungebrochen an Hybrid-Kleinwägen, und die Welt lässt sich so auch nicht retten. Aber die Einsicht, dass Nichtstun der sichere Weg in den Untergang ist, ist schon mal ein Anfang.

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