Kompetenzzentrum Kaffeerösterei

19. Dezember 2009

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (40) Von Mann zu Weihnachtsmann – die besten Technik-Geschenke duften bisweilen nach Kaffee.

Na, immer noch auf der Jagd nach Weihnachtgeschenken? Als Fan des Gemischtwaren-Angebots des Kaffeerösters Eduscho (respektive Tchibo, da steckt dasselbe Prinzip und derselbe Eigentümer dahinter) drücke ich mir auch heuer wieder die Nase platt an den Auslagenscheiben der Filialkette. Nicht, weil es hier Dinge zu bestaunen gibt, die es anderswo nicht gäbe. Sondern weil das Konzept, mit allerlei preisgünstigem, schnuckeligem und mithin gut verkäuflichem Schnickschnack scharenweise Leute anzulocken und mit wöchentlich wechselnden „Themenwelten“ zum Zücken der Brieftasche zu bewegen, schon ziemlich raffiniert ist. Eduscho zielt dabei keineswegs nur auf kaffeeschlürfende Hausfrauen. Sondern auch auf Gadget-geile Mannsbilder.

„Oh Du Fröhlicher“ hiess es etwa diese Woche. Da lagen (und liegen eventuell noch) neben den obligaten Hemden, Socken und Seidenkrawatten auch Automatik-Armbanduhren, Funk-Wetterstationen, Dia-Scanner, PC-Mäuse und Plattenspieler mit USB-Anschluss in den Regalen. Da schlägt das Herz des Weihnachtsmanns höher! (wiewohl man das Zeug oft eh schon dreifach daheim hat). Der Wecker mit iPod-Dockingstation um wohlfeile 49,90 Euro blieb zu meiner Überraschung länger im Angebot als die Stereoanlage samt integriertem DVD-Player im schwarzen Klavierlack-Dress zum doppelten Preis. „Leider bereits vergriffen!“.

Ob die Playstation 3 von Sony samt „Batman“- und „Illuminati“-Blu-ray-Discs dagegen der grosse Renner wird, wage ich zu bezweifeln. Diese Zielgruppe verirrt sich relativ selten zu Eduscho. Und ob Papa und Oma zum kleinen Braunen, quasi nebenher, ein High Tech-Bundle bestellen und auf die Beratungskompetenz der Kaffee-Servierkraft setzen („Entschuldigung, die Bluetooth 2.0-Schnittstelle der Playstation mit Enhanced Data Rate ist abwärtskompatibel, oder?“), mag ebenfalls infrage gestellt werden.

Wenn ich Ihnen einen unverfänglichen Tipp geben darf: ein wirkliches Highlight des aktuellen Angebots – das Ding kommt allerdings alle Jahre wieder, wie das Jesuskind – ist die „Universalfernbedienung“. Kostet keine elf Euro, ist einfach zu handhaben und programmieren, hat extragrosse Tasten und ist somit ideal geeignet für TV-Afficionados zwischen drei und dreiundneunzig. Und wenn Sie jetzt meinen, ich wäre nicht nur von Eduscho mit einer Riesenpackung Gratis-Kaffeebohnen geködert worden, sondern auch noch ein Zyniker vor dem Herrn: nein, das hat schon seine Richtigkeit. Die überdimensionale Fernbedienung ist ein perfektes ironisches Statement auf dem Wurzelholztisch der „Schöner Wohnen“-Villa. Mindestens. Und ein gern genommenes Spielzeug für ausgewachsene Home Facility-Manager in der Post-Pubertät.

Ich werde diese Kolumne meiner Freundin in die Hand drücken – statt des üblichen Wunschzettels. Frohe Weihnachten!

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