Am Ende der Spirale

16. Januar 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (43) Alles wird besser, alles wird billiger (zumindest in der Elektronikwelt) – gilt diese Formel auch für State of the Art-Spiegelreflexkameras?

Wenn man sich, wie unlängst Canon Österreich-Geschäftsführer Peter Baldauf, bei Partnern, Kunden und Journalisten für ein „doch recht brauchbares Jahr 2009“ bedankt, darf das schon als erfreuliches Signal gewertet werden. Denn in einer Branche, in der leises – oder auch lauteres – Krisengejammer als Grundtonalität der Business-Gemütslage gilt, bedeutet „brauchbar“ wohl eine Verbesserung der Umsätze, Gewinne, Stück- und Kennzahlen. Keinesfalls aber eine Verschlechterung. Und das ist in Zeiten wie diesen tatsächlich eine beachtliche Leistung. Daran sind wohl aber nicht nur die freundlichen Damen und Herren der PR-Abteilung schuld (wiewohl die wirklich auf Zack sind!), sondern auch die Produkte selbst. Schlechte Ware kann man auf Dauer nicht schönfärben. Wie man umgekehrt gute Qualität nicht unwidersprochen schlechtreden kann, zumal in Zeiten von Web 2.0, Medienpartizipation und unzähligen Online-Testberichten.

Man ist ja auch ein williges Opfer. Sei’s als Konsument oder Journalist. Ist man erst einmal ein paar Tage mit einer Canon EOS 5D oder 7D herumgelaufen, mit einem dieser teuren, schweren Profi-Objektive (etwa dem 24er-105er F4.0 L IS USM) vorn dran, dann will man irgendwann auch nichts anderes mehr haben. Die Durchzeichnung, der Kontrastumfang und generell die Qualität der Bilder, die man mit einer solchen Ausrüstung schiesst, verblüfft immer wieder. Die 5D Mark II ist mit über 2000 Euro Grundpreis allein für das Kameragehäuse („Body“) das teurere Modell, bietet einen Vollformat-Sensor und eine höhere Auflösung, ist aber langsamer als das Schwestermodell. Die 7D wiederum, mit 18 Megapixeln, 8 Bildern pro Sekunde und einem ISO-Bereich bis 12.800, liegt erstaunlicherweise weit darunter (die sogenannten „Strassenpreise“ unterscheiden sich von den Richtpreisen des Kameraherstellers nochmals deutlich), lässt aber auch kaum etwas vermissen. Ausser vielleicht die Fokussierung via Augensteuerung, wie sie frühere Canon-Modelle hatten. Das einzige Detail, das mit Geräten wie diesen definitiv verwaschener denn je erscheint, ist die Grenzlinie zwischen Hobby- und Profifotografie.

Einmal angefixt, bleibt einem als Durchschnittsverdiener nur, auf die ewige Preisspirale nach unten und den ewigen Innovations-Zyklus nach oben hin zu setzen. Dabei scheint die Digitalfotografie im High End-Bereich kaum mehr drastisch verbesserbar. „Eigentlich kann die Kamera zuviel für das, was sie kostet“. Diesen Satz – auch er fiel beim Canon-Remmidemmi – hab’ ich mir extra notiert. Solche Sorgen muss man einmal haben.

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Eine Antwort to “Am Ende der Spirale”

  1. hans|k Says:

    Eine Spirale hat kein Ende, das widerspricht ihrer Natur. So wird der namensgebende Spiegel auch im High-End-Bereich über kurz oder lang wegfallen – ja ich höre den Aufschrei der Puristen. Und die Entwicklung im 3D-Bereich wird möglicherweise Umwälzungen bringen, die wir uns heute noch gar nicht auszumalen vermögen. Ach ja und im Bereich des Dynamikumfangs steht die ganze Technologie noch in der Steinzeit – wenn wir das menschl. Auge als Maßstab nehmen. Also keine Sorge, die Spirale dreht sich munter weiter :-)


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