Vom Hörensagen

6. Februar 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (46) Die Studio-Lautsprecher HS80M von Yamaha vermitteln mit alten Tugenden ein ganz neues Hörgefühl.

Lautsprecher sind so eine Sache. Eigentlich hat sich seit den ersten Anfängen, also seit der Ablösung des Trichter-Grammophons durch elektrodynamische Schallwandler mit Membranflächen, wenig bis nichts getan (sieht man von Spezialentwicklungen wie Elektrostaten, NXT-Panelen oder Plasma-Hochtönern ab). Ein Umstand, der ebenso langweilig wie tröstlich ist. Gute, teure Boxen, die man vielleicht vor fünfzehn, zwanzig Jahren im juvenilen HiFi-Wahn erstanden hat, machen auch heute noch etwas her. Vor allem dann, wenn die Lautsprecher ein gewisses Volumen und, damit zumeist einhergehend, einen gewissen „Rumms“ besitzen. Feinspitze würden das wohl eher Präsenz, Räumlichkeit oder ein ansprechendes Impulsverhalten nennen. Wie immer auch: solange die Gummisicken nicht porös und brüchig werden, sind Lautsprecher jener Teil des Pop-Universums, der am wertbeständigsten ist. Und am seltensten durch aktuelle Modeerscheinungen abgelöst wird.

Sollte man meinen. Denn dem Schreiber dieser Zeilen z.B. widerfuhr es, dass die Kunde von neuen Studiomonitor-Wunderdingern an sein Ohr drang. Das Modell HS80M von Yamaha sei nun das Maß aller Dinge. Vor allem, wenn man das Preis-Leistungs-Verhältnis betrachte: die schwarzen Quader mit der typischen weissen Baßmembran kosten gerade mal rund 250 Euro. Pro Stück. Für gute Lautsprecher ist das eine Mezzie. Und die HS80M sei ein wirklich erstaunlich gutes Hörgerät, ein „Geheimtipp“, erzählten mir zuhauf Musiker, Produzenten und Audio-Fetischisten: fein auflösend, präzise in der Abbildung der Instrumente und Stimmen, pegelfest und, jawohl, voluminös. Dazu benötigen diese Monitore – man sollte dazusagen, dass es sich nicht um klassische, schönfärbende HiFi-Boxen handelt – keinen Verstärker, da sie „aktiv“ sind, also selbst einen eingebaut haben. Dem Hörensagen nach gibt es zwar noch Besseres auf dem Markt – Boxen etwa von Genelec, K&H, Dynaudio, Adam, JBL, Tannoy, Mackie, KRK, Meyer Sound u.v.a. -, aber zu meist weit höheren Preisen. Bei mannshohen HiFi-Lautsprechern geht’s dann in der Praxis sowieso in Regionen jenseits von Gut & Böse.

Was soll ich lange um den heissen Brei herumreden: ich hab’ mir die Dinger gekauft. Und links und rechts von meinem 24 Zoll-iMac aufgebaut (es handelt sich um sog. „Nahfeldmonitore“). Seitdem besitzt die Tonspur zur virtuellen Realität, die ich mittels Webbrowser, iTunes oder Logic Studio aufrufe, eine Dringlichkeit und Körperhaftigkeit, die mir bisweilen fast schon zuviel ist. Man hört Musik so, wie sie von Komponisten und ihrem Elektronikpark geschaffen wurde. Und dass sich da auch in punkto Audioqualität einiges getan hat in den letzten Jährchen, belegt der Umstand, dass zum Beispiel frühere Referenzboxen von Yamaha – wie z.B. das berühmte Modell NS10M, das in so ziemlich allen Studios dieses Planeten steht – vergleichsweise fürchterlich tönen. Okay, damit wollte man die Durchschnittsanlage des Durchschnittskonsumenten simulieren. Aber die klingt heute, pardon!, auch besser als das teuerste Equipment anno dazumal.

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4 Antworten to “Vom Hörensagen”


  1. […] gibt es über Lautsprecher nicht mehr viel zu erzählen. Dachte ich. Man kann kleinere oder grössere Boxen wählen, sie klingen heute alle probat, sofern […]


  2. […] Bauqualität und ein vergleichsweise kleiner Preis in einem Gehäuse vereinen, werden HiFi-Fans hellhörig. Und, ja, man kann mich als solchen bezeichnen. Also wurde ich beim österreichischen […]


  3. […] Sie, sagen wir mal: Boxen von Genelec, Dynaudio oder Yamaha. Oder die (leider zu teuren) Oppo-High End-Kopfhörer. Der HA-1 hat ausreichend Ein- und Ausgänge, […]


  4. […] Dämpfungsmaterial, Weichen und Filtern und ihre finale Feinabstimmung ergibt üblicherweise die Rezeptur für Wohlklang. Aber vielleicht schwingen auch – unbewusst hörbar – unternehmerische […]


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