My Definition of a Boombastic Home Cinema Style

13. März 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (51) Flachbild-Fernseher sind ungebrochen Verkaufsrenner. Was können Durchschnitts-Geräte anno 2010?

Der freundliche Monteur, der gerade im Haus war, hat mir zu meinem Fernsehgerät gratuliert. Ein Mann mit Mutterwitz. Denn das Ding, eine voluminöse Sony Trinitron-Röhre, hat geschätzte 20 Jahre auf dem Buckel. Oder mehr. Ich kann mich vage erinnern, mit diesem Gerät staunenden Auges den Fall der Berliner Mauer quasi live erlebt zu haben. Der Fernseher tut – im Gegensatz zum damaligen DDR-Grenzpersonal – immer noch seinen Dienst.

Was auch damit zu tun hat, dass sein Nachfolger, ein früher, Mitte der Nullerjahre sauteuer erworbener 42 Zoll-Plasma-Schirm von LG, gern rumzickt. Seit Monaten ist der Infrarotempfänger ausgefallen (sagt der Techniklaie in mir, der Monteur nickte zustimmend). Und ohne Fernbedienung geht halt gar nix. Überhaupt: „state of the art“, neuester Stand der Technik, ist dieses Gerät nicht. Hat ja nicht einmal einen HDMI-Anschluss. Von High Definition-Auflösung ganz zu schweigen.

Wenn ich aber als privilegierter Journalist immer rummosere über die Inhalte und Qualitäten dieser und jener Anbieter, dann muss ich mein Testlaboratorium einigermassen in Schuss halten. Also entschloss ich mich zu folgender Versuchsanordnung: ein technisch probates, eher durchschnittliches, für breite Kreise erschwingliches TV-Gerät muss her. Standard 2010. Nichts Überkandideltes, Abgehobenes, Elitäres. Mit Geräten diesen Typs macht der heimische Elektrofachhandel rund 1 Millarde Euro Umsatz im Jahr. Und die Leute sind konsumfreudiger denn je. „In den letzten Tagen haben wir verkauft wie zu Weihnachten“, so Wolfgang Krejcik, Obmann des Fachgremiums in der Wirtschaftskammer Österreich. Umsatzplus 2009 im Vergleich zum eh schon sehr starken Fussball-EM-Jahr zuvor: zwei Prozent.

Im Werbeflugblatt eines Elektrogroßmarkts wurde ein Gerät von Samsung ausgepriesen, Modell PS50B530, 50 Zoll-Riesenmonitor, Plasma, 100 Hertz, Full HD 1080p, Webanbindung (nein, pardon!, doch nicht), DVB-T, DVB-C. Um schlanke 777 Euronen. Preis-Aktionismus? Abverkaufsware? Mogelpackung? Was soll ich sagen: jetzt steht das Trumm in meinem Wohnzimmer. Neben dem Sony. Und dem LG. Das wird ein Schaulaufen sondergleichen. Vergleichbare Angebote von Panasonic, Toshiba, Sharp, Grundig, Sony, Philips etc. usw. gibt’s zudem zur Zeit zuhauf. Im Netz. In Printinseraten. In Prospekten, Auslagen, Hauswurfsendungen. Und sonstwo.

Doch: wär’ nicht ein LCD- oder LED-Schirm besser? Schärfer? Stromsparender? Mal seh’n. Ich habe pragmatisch sogar meine Aversion gegen Blu-ray aufgegeben und „Terminator 4“ in beiden Formaten geordert. Und noch ein paar absehbar inhaltsschwache, aber bildgewaltige DVD-Schinken mehr. Der Vergleich macht sicher. Hoffentlich. Oder soll ich – Modegag hin, neue Dimension her – doch auf 3D warten? Kleine Zweifel. Grosses Kino. Fortsetzung folgt. Demnächst in diesem Lichtspieltheater.

(Background-Sound on/off: Boombastic, „My Definition of a Boombastic Jazz Style“)

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13 Antworten to “My Definition of a Boombastic Home Cinema Style”

  1. kmslavik Says:

    Die Halbwertszeit neuer Medientechnologien wird rasend schnell kürzer, was zunehmend zu Problemen führt. Beispiel Normung: Standardisierung ist eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Einführung von (Consumer-) Technologien, damit Geräte und Systeme kompatibel sind.

    Doch die Normungsgremien hecheln wie gehetzte Hunde hinter den Entwicklungen der Elektronik-Industrie hinterher. Das Ergebnis: Unausgereifte Technologien, die erst beim Kunden fertig entwickelt werden, keine oder geringe Kompatibilität, Frust beim Anwender.

    Beispiele: Digitales terrestrisches Fernsehen DVB-T (in der Praxis schlechtere Qualität als altes Analog-TV), HDTV 720p (wird zwischen Produktion und Heimgerät so oft konvertiert, daß es meist schlechter ausschaut als altes PAL-Fernsehen), 3D-TV als Schlagwort, aber ohne verbindliche Standards.

  2. G.Gallian Says:

    Interessant!
    Der Nebensatz über „Blu-ray Aversion“
    Selbst großer Filmliebhaber. Manischer Filmsammler. Alt genug, um noch 50 Minuten Super-8 Schnittfassungen um teures Geld gesammelt zu haben. Dann VHS (bäh, aber was soll’s), Laserdiscs (meist USA) und DVD’s. Davon gibt’s nun 1500 + Full HD Beamer.
    Logischer Schritt BD’s (HD-DVD anyone??). Davon nun auch schon ca.350. TOLLE Qualität! Aber: DVD’s stehen noch immer im Regal, wunderbar geordnet…schön, fast komplett (na, ja). Die BD’s stapeln sich so nebenher. Wie ungeliebte Kinder – obwohl so toll! Herr Gröbchen: sagen Sie mir warum! Alter (unseres)? Zu perfekt? Der blaue Cover? Was fehlt? Oder sind Sie nun doch auch „konvertiert“?

    • Walter Gröbchen Says:

      Okay, ein Nebenjob als Orakel… Meine Blu-ray-Aversion rührt wahrscheinlich daher, daß ich schon (zu) viele hochauflösende Formate einen stillen Tod habe sterben sehen. Im Audiobereich z.B. SACD und DVD-Audio. Und ich lege Wert auf gutes Hören. Aber der vorgebliche Quantensprung erwies/erweist sich in der Praxis, unter non-idealen Bedingungen, oft als vernachlässigbar. Und die Abcash-Tendenz, insbesondere Freaks und Early Adopters zur Kasse zu bitten, geht mir gegen den Strich. Aber bitte… BD’s werden billiger und erreichen allmählich DVD-Niveau, die Repertoire-Breite und -Tiefe ist mittlerweile (einigermassen) gegeben. Die blauen Hüllen sind hässlich. Und den Rest schau‘ ich mir an. Mit einem 170 Euro-Blu-ray-Player von Sony. Mehr dazu demnächst.

      • g.gallian Says:

        Gutes Hören? Eh klar (wahrscheinlich arbeite ich deswegen seit 20 Jahren in einem High End Laden). 5000 LP’s zu Hause – geliebt! 2000 CD’s -geduldet. Mit SACD haben Sie Recht!
        Vielfalt bei BD’s ist wirklich schon nett, wenn man sich auch über die Landesgrenzen traut (und der Player Codefree ist): Godard, Ophüls, Murnau, Lang, Fellini, Wenders, Visconti, Cimino, Lean, Powell&Pressburger; es geht ja!
        Vielleicht sollte ich doch langsam die Dinger einordnen…- aber die Cover!

    • kmslavik Says:

      Ein Tipp für potentielle Käufer eines Blu-ray Players: Der Oppo Digital BDP-83 spielt CD, DVD-Video, DVD-Audio, SACD, Blu-ray, praktisch alles, was rund ist und glänzt. Und das in hervorragender Qualität inkl. VRS von Anchor Bay, einem der besten Up-Down-Scaler weltweit. Preis etwa EUR 590,00, siehe http://www.crtprojectors.co.uk/region_free_bpd-83.htm Das Teil ist exakt baugleich mit dem Lexicon BD-30, der etwa das VIERfache kostet (wird auch von Oppo gefertigt).


  3. […] NetworkedBlogsBlog:Grob. Gröber. Gröbchen.Topics: Follow my blog « My Definition of a Boombastic Home Cinema Style […]


  4. […] ja. Es ist allmählich hoch an der Zeit, eine unendliche Geschichte abzuschliessen. Und die Ergebnisse meiner kleinen, privatistischen Testserie zum Thema „Fernsehen […]


  5. […] Low End. Gezwungenermassen. Denn kaum hatte ich einen Full HD-Monitor mit 50 Zoll Diagonale erstanden, erklärte mir der zuständige A1-Techniker, leider, leider sei das Kabelsignal in meiner […]


  6. […] Jahr übertrumpfen sich die Hersteller nicht nur in ruinösen Preiswettbewerben, sondern auch in Breiter-Heller-Schärfer-Pixelorgien. Der letzte Schrei sind geschwungene Panels in […]


  7. […] wobei: das Live-Erlebnis im Stadion kann kein noch so scharfer, noch so großer, noch so moderner Screen ersetzen. Und auch kein High-End-Beamer. Oder doch? Die hochauflösenden Bilder, die man uns als […]


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