My Boombastic Home Cinema Style, The Sequel

20. März 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (52) Ist 3D die seligmachende Vision der Fernseh-Industrie? Oder liegt die Zukunft doch in „normalem“ HDTV?

Ein wenig geniert hab’ ich mich schon, als ich letzte Woche „Die Presse am Sonntag“ aufschlug. Inmitten André Hellers Jubiläumsausgabe erschien mir diese kleine Kolumne beinahe als Fremdkörper. Als Einbruch des Banalen, Alltäglichen, Profanen in ein papierenes Pantheon der Unvergänglichkeiten. Und, doch auch, Vergänglichkeiten. Wer kommt bloss auf die Idee, stinknormale Flachbild-Fernseher zu testen, wenn zeitgleich Apples iParadigma-Pad die jahrtausendealte Kultur des Abendlandes bedroht?

Immerhin: 3D hält sich hartnäckig als Topic auf Kultur- und Technikseiten, bisweilen sogar auf Titelblättern. Dabei ist dreidimensionaler TV-Konsum meinem Geschmack nach zuvorderst ein Irritationsfaktor. Wenn man aktuell schon drüber rätseln muss, welche Brille es aufzusetzen gilt, um in den Genuss plastischer Bilder zu kommen, löst das eher Kopfschmerz als Kaufimpulse aus. Ein befreundeter Techniker brachte es auf den Punkt: „Die Normungsgremien hecheln wie gehetzte Hunde hinter den Entwicklungen der Industrie her. Das Ergebnis: Unausgereifte Technologien, die erst beim Kunden fertig entwickelt werden, keine oder geringe Kompatibilität, Frust beim Anwender.“

Solange 3D-TV keine verbindlichen Standards kennt, können Philips, Sony, Panasonic, Samsung & Co. mich jedenfalls gern haben. Von wegen „Das neue Fernsehen“: ich bin ja noch nicht einmal mit HD im Reinen. Unter uns: die „ZiB“ oder der „Club2“ als High Definition-Bilderreigen, das muß nicht sein. Jeden überschminkten Pickel haarfein nähergebracht zu bekommen war nicht der Traum meiner schlaflosen Fernsehnächte. Und der notwendige Blu-ray-Player, um den Heimkino-Highflyer „The Hurt Locker“ – der Film gewann zwar den Regie-Oscar, lief aber hierzulande erst gar nicht in den Kinos – mit der konventionellen DVD zu vergleichen, wurde noch nicht geliefert.

Wobei, da kommt mir glatt wieder eine Pressemeldung vom Oktober in den Sinn: niederländische Forscher hatten zwei jeweils 30 Personen umfassenden Gruppen exakt denselben Film auf exakt demselben Flat-Screen-TV gezeigt. Einer der beiden Gruppen wurde suggeriert, es handle sich um eine HD-Präsentation. Das Ergebnis fiel „wenig überraschend“ (so Versuchsleiter Lidwien van de Wijngaert von der Universität Twente) aus: unabhängig vom identischen Eingangsmaterial und Monitor bewertete die zweite Gruppe das gesehene Bild als weitaus klarer und schärfer. Wie sang schon Heller? „Die wahren Abenteuer sind im Kopf. Und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.“

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12 Antworten to “My Boombastic Home Cinema Style, The Sequel”

  1. G.Gallian Says:

    …oh mein Gott!? Was hat den Ihr Händler für Lieferzeiten für einen 170€ BD Player? Die liegen doch überall stapelweise herum!
    Jetzt muss ich noch eine Woche auf Ihren sehnsüchtig erwarteten Bericht warten.
    „Hurt Locker“, den ich sehr mag, ist aber auch nicht gerade ein HD Paradebeispiel – obwohl der Unterschied zwischen den Super 16MM gedrehten zu den mit HD Kamera gedrehten Szenen deutlich sichtbar ist.

    Wie wär’s mit „2001“, „Der unsichtbare Dritte“, „Wild Bunch“, „Dr.No“ – oder gar „Star Trek“ (neuer Film, oder auch TV Serie?) Und zum d’rüberstreuen ein PIXAR Film?
    Etwas mehr Einsatzfreude und Risiko (zur möglichen Sucht) bitte ;-)

  2. G.Gallian Says:

    …“überschminkte Pickel“? Ja. dass braucht man wirklich nicht! Dafür wird man ausführlich über die Schönheit einer C. Deneuve oder Anna Karina, bzw. über das feinste Minenspiel des Lieblingscharakterdarstellers informiert – und DAS ist wohl Wiedergutmachung genug, oder?
    Aber ja, es stimmt schon – die „Informationsflut“, die wir (zum Guten oder Schlechten) von HD geboten bekommen, ist für uns, die wir unsere ersten Filmerlebnisse in kleinen Bezirkskinos gemacht haben (oder)?,
    bisweilen schon irritierend. Jetzt erfahren wir,was auf den Filmstreifen WIRKLICH oben war – sofern nicht irgendjemand beim Transfer „herumdilletiert“…

  3. Walter Gröbchen Says:

    Ich war knapp daran, mir den 170-Euro-Blu-ray-Player (einen Sony BDP-S 370) spontan zu kaufen. Aber vorher lass‘ ich mir doch mal ein Testgerät schicken. Darauf aber nur bestimmte, „gut aussehende“ Filme laufen zu lassen, ist nicht Sinn der Sache. Erinnert mich an die seligen 80er, als High End-Freaks mir ihre Anlagen immer mit bestimmten „gut klingenden“ Platten näherbringen wollten, die mich absolut nicht interessierten.

    • G.Gallian Says:

      …also das mit den „Demomedien“ versteh‘ ich natürlich. Eine Abneigung Ihrerseits dafür habe ich „vorausgesetzt“ ;-) Deswegen habe ich ja bewusst Titel zitiert, die „interessieren“ könnten: Kubrick, Peckinpah, Hitchcock – dass da nichts dabei ist, damit habe ich nicht gerechnet … So probier‘ ich es mit Visconti (Sehnsucht), Godard (Pierrot le fou), Bunuel (Belle de Jour) oder Lang (M).

      Als Gegenargument möchte ich aber bemerken, dass es schon durchaus Sinn machen kann, gut gemasterte Ton- bzw. Bildträger zu benützen, um die Fähigkeiten einer Anlage oder Bildtechnologie auszuloten, Die „Quelle“ ist halt doch am Ende der limitierende Faktor. Was dort verloren geht kann man nicht mehr zurückholen, und eine Anlage mit MP3’s zu testen, ist zwar vielleicht „alltagstauglich“, aber ein guter Tonträger macht einen dann auch für Qualitätsunterschiede sensibler. Das kann man natürlich auch für Bildtransfers sagen. Man weiß, „was geht“ – und dann kauft man eben, was man sehen möchte und freut sich, wenn’s dann besonders gut aussieht…
      Aber egal: auch der grainige „Hurt Locker“ wird seine Vorteile ausspielen können, denn gerade mit Filmgrain hat die Kompression der DVD so ihre Probleme…

  4. kmslavik Says:

    Zitat Gröbchen: „Jeden überschminkten Pickel haarfein nähergebracht zu bekommen war nicht der Traum meiner schlaflosen Fernsehnächte.“ Das ist ästhetisch zutiefst verständlich, jedoch in der Praxis relativ leicht zu vermeiden. Tatsächlich erzieht die Arbeit mit HD sowohl Maske als auch Licht- und Kamera-Department zu genauerer Arbeit. So wie’s auch beim Film üblich und selbstverständlich ist. Der alte Stehsatz der TV-Leute „Bei PAL verspielen sich ohnedies alle Details“ gilt dann halt leider nimmer …

    Durch das Setzen unterschiedlicher Lichtzonen im Studio (gezielt direktes aber auch diffuses, sogenannt „frauenfreundliches“ Licht), Nutzung der Matrix- und Skin-Detail-Funktionen der Kamera und Air-Brush-Technik in der Maske kriegt man selbst im hektischen News-Bereich HD gut in den Griff. Wir veranstalten zu diesen Topics übrigens Seminare … ;-)

    PS, übrigens: Der „befreundete Techniker“ freut sich, vorbildlich korrekt zitiert worden zu sein.

  5. CEEA Says:

    Wunderschön in schriftlicher Form aufs ‚Papier‘ gebracht.
    Danke für diesen netten Kommentar.
    Immer wieder ein Augenschmauß so etwas zu lesen.

    Grüße und bis bald

  6. G.Gallian Says:

    Tja, was dem einen die niederländische Testgruppe, ist dem anderen der unbestechliche Octopus..

    http://www.highdefdigest.com/news/show/Octopus_Panic/Even_Octopuses_Prefer_HDTV/4428

    • kmslavik Says:

      Zitiere: „… but there’s no question that even the humble octopus can tell the difference between standard definition and high definition.“

      Hatte vor einigen Jahren ein ähnliches Erlebnis mit meinem Gast-Kater. Dem Katzentier war es absolut egal, wenn ich ihm Vogelgezwitscher von einer normalen CD (Sampling 44,1 kHz)vorgespielt habe. Eine Eigenaufnahme mit Fostex PD-6 (Sampling 96 kHz und damit mehr als doppelter Frequenzgang gegenüber einer CD) hat das Tierchen auf die virtuelle Jagd geschickt. Zur Wiedergabe kam damals ein Tannoy Ellipse 10 iDP mit Freuqenzgang bis rund 40 kHz zum Einsatz.

      Trotzdem sollte man halt nicht vergessen, daß wir Entertainment für MENSCHEN und nicht Adler, Fledermäuse, Katzen oder Oktopusse machen… ;-)

  7. kmslavik Says:

    Zu Walter Gröbchens Heller-Zitat: „Die wahren Abenteuer sind in Deinem Kopf. Und sind sie nicht in Deinem Kopf, dann sind sie nirgendwo.“

    Die Psychologie kennt das Phänomen fehlgeleiteter Beurteilungen unter „Halo-Effekt“ (Korona-Effekt). Darunter versteht man Beurteilungs- bzw. Wahrnehmungsfehler, die durch ein „überstrahlendes“ Erlebnis (Preis, Markenname) ausgelöst werden. Ein Hauptgrund (wenn auch nicht der einzige), daß unerfahrene Käufer teurere und schönere Geräte automatisch für besser halten.

    Sobald man – z.B. bei Lautsprechern oder Kabeln – Blindtests durchführt, relativiert sich das rasend schnell. Ich hab während meiner Zeit beim ORF z.B. Lautsprecher-Blind-Tests mit Tonmeistern durchgeführt. Dabei hat ein 300 EUR teures Modell én par mit einem 10 x so teuren gewonnen. Als die „goldenen Ohren“ den Preis gehört haben, wollten sie das Ergebnis teils nicht mehr akzeptieren … ;-)

    Bei Bildschirmen wären’s statt Blindtests natürlich marken- und preisfreie Tests ohne vorherige Beeinflussung (no na).

  8. g.gallian Says:

    Nun, dass es teure schlechte und auch preisgünstige tolle Produkte gibt, ist ja kein Geheimnis. Im Umkehrschluss gilt jedoch nicht: teuer = Mist, günstig = super.
    Ein seriöser Händler wird da wohl schon vorselektiert haben und seinen potentiellen Kunden „klangvolle“ Ketten, für verschiedene Bedürfnisse anbieten.
    Zum Thema Kabel, Zubehör etc.: seit Jahren haben in unserem Studio die Kunden die Möglichkeit, Kabel, Zubehör und auch Geräte zu Hause zu testen. SEHR OFT, ohne über die Preisdifferenzen Bescheid zu wissen. Die Trefferquote ist fast 100%.
    Meist sind es dann sogar die Ehefrauen, die ganz entspannt das teuere Produkt herauspicken ;.)
    Apropos entspannt: ich persönlich bin der Meinung, dass man die Qualitäten einer Komponente erst nach LÄNGEREM Hören WIRKLICH beurteilen kann. Erst dann weiß man, ob man mit der Komponente leben will, oder irgendeinem „showmanship“ aufgesessen ist. Daher halte ich von solchen,von Ihnen beschriebenen Tests, unter stressigen Bedingungen – ähnlich wie bei einer Prüfung, nicht gar so viel. Musik zu hören ist ja doch eine ganzheitliche, sinnliche, sogar intime Erfahrung…
    Zum Thema Beeinflussung durch den Preis:
    eine namhafte Firma (nicht LINN) im Bereich audiophiler CD Spieler hat vor 3 Monaten einen „Streaming Client“ auf den Markt gebracht. Das Ding kostet 999€. Nun sind Highender ja ein wenig konservativ, bleiben gerne bei Ihren LP’s und CD’s, und sind neuen Technologien eher unaufgeschlossen. Seit Wochen setze ich meine Stammkunden nun vor besagtes Gerät und lasse sie mit dem momentan besten CD Spieler der gleichen Marke um 1600€ vergleichen. Und unabhängig von VORLIEBE und PREIS entscheiden sich 90% für das billiger Gerät – „Halo“ Effekt ausgehebelt durch genaues Hören??

    • kmslavik Says:

      @ G.Gallian: Sie, geschätzter Mit-Kommentator, machen’s ja offenbar richtig und seriös! Nur viele andere halt leider nicht. Wenn ich mir manche HiFi- und Home-Cinema-Magazine so anschau glaub‘ ich, ich lese „Der Spritist“ oder „Esoteric Weekly“ und nicht eine Fachzeitschrift. Adlerauge, sei wachsam!

  9. G.Gallian Says:

    …nachdem sich die beiden Kommentatoren, unter dem Ausschluss des Blogurhebers hier prächtig unterhalten haben, wäre ich jetzt schon sehr gespannt auf das Ergebnis des Praxistests. Heraus mit der Sprache, Herr Gröbchen :o)!!!

    P.S.: Ich fand die Music Box übrigens damals auch toll. Das waren noch Radio Zeiten!!!


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