Eurofighter auf ebay!

27. März 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (53) Will, nein: kann sich das österreichische Bundesheer überteuerten High Tech-Schrott leisten?

Und nun, um mit Monty Python zu sprechen, zu etwas ganz anderem. Neulich fand ich in meinem Elektropostfach eine Einladung vor, doch der Facebook-Gruppe „Ich bin einverstanden, dass Österreich seine Eurofighter auf ebay stellt!“ beizutreten. Spontane Reaktion: nicht unwitzig. Botschaften und Einladungen dieser Art trudeln ja én masse ein, wenn man sich lustvoll der Social Network-Maschinerie hingibt. Mir wird z.B. auch ständig vorgeschlagen, Fiona Swarovski oder Nina „Schneeflittchen“ Bruckner als Freundinnen hinzuzufügen. Aber da bleibe ich – wiewohl sonst kaum wählerisch – trotzig. Da könnte ja jede(r) kommen. Zudem: war es nicht Swarovskis Ehegespons samt Freunderlpartie, der uns diese überzüchteten, sauteuren, skandalumwitterten Rübenbomber in den Hangar stellte? Dort stehen die Dinger gut, fliegen tun sie ja eher selten.

Hier ist wohl nicht der Platz, um seiner staatsbürgerlichen Wut Ausdruck zu verleihen. Andererseits: warum nicht mal über den Technikpark des Bundesheeres reden? Wenn man zu lesen bekommt, dass der Generalstabschef dieses Vereins angesichts drastischer Budgetkürzungen eine „radikale Verkleinerung des Fuhrparks“ andenkt, sprich: die Ausmusterung von über tausend Fahrzeugen (von insgesamt 9000), ploppt schon die eine oder andere Frage auf.

Etwa, wer denn bislang in all den Raketenpanzern, Haubitzen und sonstigen Blechsärgen herumgegurkt ist (oder auch nicht)? Oder jene nach der strukturellen und politischen Verantwortung einer Heeresbürokratie, die laufend Kriegsspielzeug einkauft, das sich nicht gerade selten als absurde, de fakto unleistbare Verstiegenheit entpuppt. Und früher oder später verschämt dem Schrottplatz zugeführt wird. Doppelt schmerzlich, da man sich zugleich nicht einmal ordentliche Unterkünfte für das demotivierte Personal leisten kann und will. Das Bundesheer: augenscheinlich ein Katastrophenfall. Ohne Möglichkeit zur Selbsthilfe.

Ich bin nur ein kleiner Kolumnen-Schmied und Hobby-Bastler. Dass man sich aber tunlichst keinen Maserati in die Garage holt, wenn man keine Kohle für die dringendsten Reparaturen und festes Schuhwerk der Kinder hat, zählt zu den Basis-Rechenübungen einer ordentlichen Haushaltsführung. Insofern ist der Vorschlag aus der Internet-Gemeinde, das Gerümpel bei ebay einzustellen, weniger witzig als symbolisch-realistisch. Und damit kein Mißverständnis auftritt: ich plädiere keineswegs für eine Aufstockung des Heeresbudgets. Eher das Gegenteil. Der Ausverkauf uralter Denkmodelle und Kalter Krieg-Relikte hat längst begonnen.

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2 Antworten to “Eurofighter auf ebay!”


  1. […] ist keine grosse Befriedigung, im Fall einer negativen Prognose recht zu behalten. Im Gegenteil. Denn so sehr ich als Pazifist, ehemaliger Zivildiener und hoffentlich […]


  2. […] unter Freunden reinzudrücken – und tunlichst vor dem eigenen Versagen im Vorfeld (Stichworte: Bundesheer, Digitalfunk, Präventivmassnahmen, sozialer Ausgleich) abzulenken. Also: her mit Hubschraubern! Am […]


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