Neuigkeiten aus dem Sirup-Universum

3. April 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (54) Frühling ist’s, die Lockvögel kriechen aus den Osternestern. Und fallen prompt in schwarze Löcher.

Grosse Dinge scheitern bisweilen an winzigen Details. Kleinigkeiten. Und Kleinlichkeiten. Von einem „gigantischen Sprung für die Menschheit“ war die Rede, von einer „neuen Ära der Physik“, die Wissenschaftler selbst liessen sich via Twitter nur zu einem knappen Kommentar hinreissen: „Wow!“. Und trotzdem hatte die notorische Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ am Teilchenbeschleuniger-Experiment am CERN zuvorderst auszusetzen, dass dieses Trumm den Weltuntergang herbeiführen könnte. Konjunktiv, wohlgemerkt. „Hurra, wir leben noch!“ hiess es dann tags darauf.

Österreich ist beim CERN übrigens – Faymann sei dank, eventuell auch Erwin Pröll – weiter mit an Bord, obwohl Minister Hahn anno 2009 verkündet hatte, aus Kostengründen aussteigen zu wollen. Der Widerstand dagegen war (zu) gross. Und letztlich erfolgreich. Wäre auch zu blöd gewesen: die „Urknall-Maschine“ liefert nach, zugegeben, langer Anlaufzeit eine wissenschaftliche Sensation nach der anderen, die heimischen Forscher dürfen imaginäre schwarze Löcher in Excel-Tabellen eintragen.

Nicht immer aber kann ein Urknall als Weckruf dienen. Meine grossangelegte privatistische Versuchsreihe, was hochauflösendes Fernsehen, Blu-ray und den technischen Stand der Dinge betrifft, verzögert sich nun schon wochenlang. Wegen unerwarteter Widrigkeiten. Wer hätte z.B. vermutet, daß sich ein Zuspielgerät nur via Fernbedienung ernsthaft steuern lässt? Wenn die fehlt, bleibt’s still und stumm im trauten Heim (sofern man nicht die grobpixeligen Bilder des „normalen“ TV-Angebots auf sich wirken lassen möchte). Ich war knapp daran, mir eine Sony Playstation 3 als Blu-ray-Player zuzulegen, weil ein Flugblatt einer Supermarkt-Kette „Preise aus Billigsdorf“ verhiess. 249 Euro für solch eine eierlegende Wollmilchsau – wenn auch „nur“ mit 120 GB-Festplatte – sind tatsächlich wohlfeil. Allerdings, liebe Lidl-Chefetage: dann nur jeweils zwei Stück in den Filialen der näheren und weiteren Umgebung vorrätig zu halten, ist ein übler Marketinggag, der vielleicht am 1. April angebracht gewesen wäre. Aber nur dann. Die Verkäuferinnen winkten schon genervt ab, wenn sie mich von weitem sahen. Ich muss wohl „Playstation“ auf meine Stirn tätowiert haben.

So gesehen kommt mir eine Theorie des britischen Physikers Peter Higgs gerade recht: das Universum sei erfüllt von einer Art Sirup, der an den Elementarteilchen klebt, sie bremst und ihnen zugleich Masse verleiht. Der Kosmos: eine träge Suppe, die wir täglich auslöffeln. Quod erat demonstrandum. Ganz ohne CERN-Spalterei.

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2 Antworten to “Neuigkeiten aus dem Sirup-Universum”

  1. G.Gallian Says:

    Hallo, Herr Gröbchen!
    Wenn sie Lust haben, einen in der preislichen Mittelklasse gelegenen, Universalplayer (SACD/DVD-Audio/CD/DVD + BD, inkl. 2 USB Eingänge, schnellere Ladezeit als PS3) zu testen, dann komtaktieren Sie mich unter gerhard.gallian@chello.at
    Liebe Grüße

    G.Gallian


  2. […] NetworkedBlogsBlog:Grob. Gröber. Gröbchen.Topics: Follow my blog « Neuigkeiten aus dem Sirup-Universum […]


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