This Is It

17. April 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (56) Hochauflösende Flachbildschirme zeigen die Schwächen der Fernseh-Technik schärfer denn je.

Oh, ja. Es ist allmählich hoch an der Zeit, eine unendliche Geschichte abzuschliessen. Und die Ergebnisse meiner kleinen, privatistischen Testserie zum Thema „Fernsehen im 21. Jahrhundert“ publik zu machen.

Der Ausgangspunkt war, Sie erinnern sich, ein Setup, wie es der ominöse Durchschnittskonsument aus dem Alltag kennt. Die Fernbedienung funktioniert nicht mehr, der Ton bröselt, das Bild erschien auch schon leuchtkräftiger – man könnte die alte Kiste reparieren lassen. Eventuell. Oder gleich einen neuen, schicken Flachbild-Monitor anschaffen. Egal, ob LCD-, LED- oder Plasma-Schirm: die Preise sind auf ein durchaus erträgliches Niveau gefallen, selbst bei Riesendurchmessern jenseits der 40 Zoll. Und schliesslich hat auch die Bilderwelt an Schärfe dazugewonnen, Stichworte Blu-ray und HDTV. 3-D lassen wir als grosse Unbekannte (noch) aussen vor.

Ich habe also meinen altgedienten Maschinenpark – die Anschaffung liegt mittlerweile sieben bis zehn Jahre zurück – gegen ein aktuelles, absichtsvoll preisgünstiges TV-Gerät von Samsung, Modell PS50B530, samt Blu-ray-Zuspieler BDP-S370 von Sony antreten lassen. Letzterer wäre schon mühsam mit den Oldies zu verkabeln gewesen: es mangelt ihnen an einer HDMI-Schnittstelle. Und dann liefen, meine Freundin erklärte mich für meschugge, dieselben Filme parallel. Im 1:1-Vergleich. „This Is It“ etwa, eine durchaus beeindruckende Dokumentation der Proben zur geplanten letzten Live-Tournee Michael Jacksons.

Keine Frage, dass mein alter, mit einer Auflösung von 852 x 480 Pixeln hoffnungslos überholter LG-Plasma mit DVD-Futter da nicht mithalten konnte. Via Blu-ray erschien jeder Schweisstropfen auf den Stirnen der Tänzer deutlicher, greifbarer, plastischer. Bisweilen schon überscharf: die diversen Tricks zur „Bildverbesserung“ verschlimmbessern meinem Gefühl nach oft den Gesamteindruck. Weg von quasi analoger Homogenität, hin zu aggressiver Chili-Optik. Ob einem dieses mehr an Pixel-Pfeffer einige hundert oder gar tausende Euro wert ist, muss jede(r) für sich selbst entscheiden.

Das Problem der neuen TV-Welt ist aber – abgesehen von der Flut an Features und der notwendigen präzisen Abstimmung des gesamten Systems, die Laien oftmals überfordert – die, hm, höchst unterschiedliche Güte des Quellmaterials. Nachrichten, Provinz-Quizzes oder 60er Jahre-Trashserien auf raumfüllenden HD-Monitoren zu betrachten, ist eher ernüchternd. Bisweilen sogar enervierend. Ohne HDTV-Sat-Receiver oder Top-Kabel-Abo macht’s kaum Sinn. Und Spass. Selbst Upscaling, das Hochrechnen der Pixelzahl auf den technischen Status Quo, ist meist nur eine Krücke auf dem mühsamen Weg zur Glückse(h)ligkeit.

Es gibt Medienexperten, die meinen, es ginge den Sendeanstalten, Content-Anbietern und Geräteherstellern heutzutage mehr um die Kontrolle der Verwertungskette denn um technische und inhaltliche Qualität. Kann sein. Aber ich lasse mich gern auch vom Gegenteil überzeugen. Ganz ist das noch nicht gelungen.

P.S.: Ein Detail bei solchen 1:1-Vergleichstests kann ziemlich irritieren: exakt derselbe Film läuft auf Blu-ray in einer (leicht) anderen Geschwindigkeit als auf DVD. D.h., es ergeben sich nach dem Parallelstart beider Streifen rasch Bild-/Ton-Verschiebungen. Befreundete Experten haben mir das mit der Umrechung von US-Kinoformaten erklärt, die sich nur bedingt europäischen Normen unterwerfen wollen. Oder so. Naja.

Eine Antwort to “This Is It”

  1. G.Gallian Says:

    Hallo, Herr Gröbchen! Da wurden Sie leider schlecht informiert…
    Kinofilme laufen grundsätzlich mit 24 Bildern pro Sekunde. Da die Bildwechselfrequenz bei PAL TV 50 Hz ist, laufen Spielfilme auf PAL DVD’s mit 25 Bildern pro Sekunde (2x 25 ergibt 50). Das ist das sogenannte „PAL Speed Up“ und eigentlich eine „Unart“, denn damit läuft der Ton (sofern nicht digital nachkorrigiert, was manche Filmfirmen machen) um einen Halbton zu hoch. Filme haben in PAL daher auch eine 4% kürzere Laufzeit.
    Bei Blu Ray ist die Welt wieder in Ordnung. 24 Bilder, wie in gepflegten Kinos – moderne Flat Screens können das auch „verarbeiten“. Kleine Pikanterie am Rande: seit den 80iger Jahren laufen die Filme auch in den meisten Kinos mit 25 Bildern (damals wurden die Projektoren reihenweise „modifiziert“). Der Vorteil: mehr Zeit für – bezahlte – Werbung! O-Ton der Kinobetreiber damals: „Merkt eh keiner, die Leute sind das vom Fernsehen so gewohnt!“
    Eines stimmt aber: NTSC DVD’s laufen „richtig“!


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