The revolution will not be televised?

23. April 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (57) Die Diskussion um hochauflösendes Fernsehen und 3-D-Bilder lenkt von der logischen TV-Zukunft ab: die liegt im Internet.

Gerade hat, vielen Dank auch!, ein Bote den Sony-Blu-ray-Player abgeholt, den ich als Testgerät daheim herumstehen hatte. Damit hat ein wochenlanger Fortsetzungsroman nun doch ein (vorläufiges) Ende gefunden. Das vermeintliche Privileg von Fachjournalisten, allerlei „neumodischen Technik-Firlefanz“ (Copyright Thomas Kramar) frei Haus geliefert zu bekommen, inkludiert den ständigen Missbrauch des eigenen Wohnzimmers als wüst verkabeltes, mit Gerätschaften, Bedienungsanleitungen und Transportkartons vollgepfropftes Laboratorium.

Aber ich will nicht klagen: der Erkenntnisgewinn macht einen zum Privatguru. Einerseits für Laien, die schlicht wissen wollen, exakt welchen Fernseher sie sich nun, bitt’schön!, kaufen sollen. Anderseits für Experten, die das alles für gröberen Unfug halten. Zwar sympathisch, aber tolldreist. Ein Kolumnist sei nun einmal kein Raketenlenker und -Erdenker.

So bleibt mir die Rolle als Hofnarr im weitläufigen K&K-Imperium. Hier regieren Kunde und Konsument. Meine letztwöchige Polemik, der aktuelle Stand der Technik in punkto HDTV überzeuge mich (noch) nicht ganz, liess viele ratlos. Nicht zuletzt mich selbst. Und manchen Leserbriefschreiber jubeln: na, wenn Sie das sagen, dann bleib’ ich bei meinem geliebten Röhren-Trinitron! Gern doch. Andererseits: wem soll ich auch meinen antiken Plasmaschirm – Auflösung 852 x 480 Pixel, einstiger Listenpreis, Jesus!, 7199.- Euro – andienen? Die Entsorgung machte mir mehr Kummer als die durchaus noch akzeptable Bildqualität. Solchermassen kann Geiz durchaus geil sein. Wenn auch mit einer anderen kausalen und moralischen Unterfütterung, als sie Geschäftsführer von Elektronik-Supermärkten ins Treffen führen.

Eine Ahnung möchte ich Ihnen aber schon mitgeben auf den Jakobsweg zum nächsten Fachhändler: es wird nicht das letzte Quentchen Pixelschärfe oder Leuchtkraft sein, das zum schlagenden Argument wird beim TV-Geräte-Shopping (und, nein!, ich kann nicht sagen, ob nun LCD-, LED- oder Plasma-Monitore prinzipiell besser sind). Auch 3-D klingt derzeit mehr nach Modegag denn nach harmonischer Zukunftsmusik. Aber: bald wird kein Fernseher mehr ohne Internetanbindung auskommen. Und ohne Fähigkeit, so ziemlich alles aus dem World Wide Web in halbwegs brauchbarer Bildqualität und ohne umständliche Bedienprozeduren wiederzugeben. Nicht nur Google-Clips von Stermann & Grissemann oder Tonspuren von strunzdummen FPÖ-Funktionärinnen.

Meine Empfehlung: warten Sie die nächste Inkarnation von Apple TV ab. Noch ist das ein (Zusatz-)Kästchen, das nicht allzuviel kann. Und das iPad erscheint aktuell weit anziehender. Steve Jobs hat aber nicht nur die Telefonanbieter, Game-Hersteller und Zeitungsherausgeber im Visier. Sondern auch ABC, CNN, MTV, BBC und ORF. Und natürlich die Hardware-Dickschiffe von Sony bis Samsung. Die nächste Schlacht lautet dann wohl: Korea versus Kalifornien.

The revolution will not be televised“, sang einst Gil Scott-Heron. Aber sie wird auf einem Flachbildschirm nachbetrachtet werden. Soviel ist mal sicher.

2 Antworten to “The revolution will not be televised?”

  1. Susanne Pascher Says:

    HDTV: die Hauptprobleme bei diesem neuen Verfahren sind:
    1. Nur wenn die ganze Kette (von der Kamera bis zum TV-Gerät) HDTV-tauglich ist, kommen hochwertige Bilder beim Empfänger an. Wenn z.B. der Programmanbieter – wie vielfach der Fall – alte Aufnahmen technisch auf HDTV „hochrechnen“ bzw. die meisten Sender weiterhin in SD-Norm senden, dann nützt der beste HDTV-Empfänger daheim nichts. Mangels geeigneter Bandbreiten gibt es in Österreich zur Zeit auch kein HDTV-Signal über die vielen terrestrischen DVB-T-Sender.
    2. In den Schauräumen/Geschäften werden vielfach ausgewählte DVDs bzw. „wirkliche“ HD-Sender (z.B. ARD oder Sky-National Geographic) abgespielt und zuhause ist man dann z.B. beim ATV-Empfang entäuscht.
    3-D-Bilder: da gibt es noch keinen einheitlichen Standard, fast keine Geräte am Markt und auch nur vereinzelt Testsendungen. Ähnlich wie bei anderen Innovationen kämpfen derzeit verschiedene Anbieter jeder für das eigene System. Vermutlich wird die „stromfressende“ Shutterbrille das Rennen machen. Die kürzlich verteilten Rot/Grünbrillen für manche ServusTV-Sendungen ergeben leider kein räumliches Farbbild. Es war eigentlich nur ein Marketinggag und auf den hinweisenden Web- bzw. Teletextseiten werden immer noch Programme mit Datum Februar 2010 angekündigt!


  2. […] Persönlich sehe ich ein wenig zukunftsträchtiges, grieseliges Kontrastprogramm. Low End. Gezwungenermassen. Denn kaum hatte ich einen Full HD-Monitor mit 50 Zoll Diagonale erstanden, erklärte mir der zuständige A1-Techniker, leider, leider sei das Kabelsignal in meiner Wohngegend „zu schwach“ für hochauflösende Bilder. Ich residiere aber nicht in Heilligenblut oder Gföhl im Waldviertel, sondern in der drittgrößten Stadt Österreichs: in Wien-Favoriten. Und ich spreche hier nicht von 4K, sondern vom aktuellen Stand der Technik. Etwas eigenartig. Was tun? Ich könnte ja eine Satellitenschüssel am Dach montieren. […]


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