Der Jammer mit den Glücksmaschinen

11. Juni 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (63) „Checkfelix“ & Co. sind auch nicht besser als der Touristenschlepper am Dritte-Welt-Flughafen.

So ein Maschinenraum hat heutzutage ja nur mehr bedingt mit Eisen, Hitze, Zahnrädern und Ölgeruch zu tun. Maschinen sind mittlerweile meist so unscheinbar und in den Alltag integriert, dass wir sie oft gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Fragen Sie einen 14jährigen ruhig einmal, wie ein Verbrennungsmotor funktioniert – und er wird zurückfragen, was das überhaupt sei und wo man derlei finden könne. Aber das war schon immer das Problem des Physik-Unterrichts (oder des österreichischen Schulsystems generell): man paukt allerlei theoretischen Kram und apodiktische Formeln, lernt aber kaum etwas fürs Leben. Dem rauen Treiben der Wirtschaft etwa – und haben wir nicht gehört, alles ist Wirtschaft? Und geht’s ihr gut, geht’s uns allen gut? – ist man als Maturant so ziemlich schutz-, willen- und ahnungslos ausgeliefert. Vielleicht ist das aber gerade so gewollt.

Der grosse Heilsbringer Internet wird’s schon richten. So ist es in Mode gekommen – ein herrlich zur Jahreszeit passendes Topic –, nicht mehr seinem Reisebüro zu vertrauen. Oder der Assistentin, die den einen oder anderen Flug buchen soll. Sondern ein Orakel zu befragen, das sich „Checkfelix“ nennt. Oder „Opodo“, „Swoodoo“, „Expedia“ oder einfach „Billigflug.de“. Reisesuchmaschinen. Eigentlich handelt es sich um nichts anderes als Online-Datenbanken, die unserem fatalen Drang zum Billigsberger-Angebot entgegenkommen. Und uns in der bequemen Meinung wiegen, das ultimative Schnäppchen sei nur einen Mausklick entfernt.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich halte diese Angebote mittlerweile für höchst fragwürdig. Die letzten Tage über habe ich z.B. versucht, einen Flug nach Shanghai und retour zu buchen. Seltsam, bei allen günstigen Tickets, die in der Suchmaschinen-Auflistung angeführt wurden, kam alsbald der enttäuschende Hinweis, „gerade eben“ hätte mir jemand dieses Angebot weggeschnappt. Oder der Flug sei nicht verfügbar. Oder sonst ein Fingerzeig, an dem Pech klebte und der nach dem Schwefel billiger Lockangebote stank. Man sollte doch meinen, es wäre keine grosse Angelegenheit, Ticketkontingente nicht mehr anzuzeigen, wenn sie nicht mehr vorhanden sind. Und zwar in der Sekunde, ab der sie nicht mehr vorhanden sind. Dafür hat man Datenbanken, Suchalgorithmen und Elektronengehirne, oder?

Letztlich riet mir die Reisebüro-Expertin, an die ich mich mit einer gewissen Verärgerung wandte, generell von der Do It Yourself-Internet-Recherche ab. Man müsse ja nur mal nachdenken: aus rein altruistischen Gründen werden „Checkfelix“ & Co. wohl nicht betrieben. Sie gaukeln uns vor, der Reisende – und nur der Reisende – werde von der neutralen Suchmaschinerie profitieren. Und die Airlines selbst hätten den Durchblick durch ihren kuriosen Tarifdschungel längst verloren. Wer’s glaubt, bekommt ein Retourticket gratis. Nur der Hinflug ist dann leider doppelt so teuer.

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2 Antworten to “Der Jammer mit den Glücksmaschinen”

  1. melanierika Says:

    Lieber Herr Gröbchen,

    als Stammleser Ihrer Kolumne haben wir natürlich Ihren Artikel „Reisesuchmaschinen ‚Checkfelix‘ & Co. sind auch nicht besser als der Touristenschlepper am Dritte-Welt-Flughafen“ aufmerksam gelesen.

    Wir haben uns natürlich auch Gedanken dazu gemacht! Sie erwähnen die nette Dame aus dem Reisebüro, die von Suchmaschinen abrät. Irgendwie auch klar, dass die Dame im Reisebüro nicht zur Nutzung von Reisesuchmaschinen – oder eben checkfelix.com – rät. Sie würde damit ja auch nicht unerheblich gegen Ihr eigenes Geschäft reden. Sich sozusagen schon fast in die eigene Suppe spucken. Checkfelix ist natürlich in dem Sinne kein Reisebüro, damit haben Sie Recht. Wir sind aber trotzdem alle recht menschlich. Und wir helfen unseren Kunden und Kundinnen weiter. Ob auf unserem Blog, auf Facebook oder Twitter, wir sind ständig auf der Suche nach Flügen und Reisen die auch erschwinglich sind. Nach Reisedestinationen, die Abenteuer versprechen oder ganz einfach Erholung. Man kann uns fast immer telefonisch erreichen, wir helfen – wenn es denn gewünscht wird – bei den einzelnen Buchungsschritten und geben hin und wieder unseren Senf zur Urlaubsplanung dazu und verraten Geheimtipps. Wir geben auf checkfelix.com einfach die Möglichkeit selber zu stöbern (etwa mit dem Deal-Finder), gezielt zu suchen (Flüge, Mietwagen, Hotels) oder auch Pauschalreisen zu buchen. Vor einiger Zeit etwa bekamen wir eine Anfrage von einer Gruppe junger Burschen, die zu zwölft eine Reise nach Mallorca unternehmen möchten, das vorrangige Ziel war „Spaß zu haben“, eine andere Anfrage betraf eine geplante „Golfreise“ eines nicht mehr ganz jugendlichen Kunden, der uns um Rat fragte. Natürlich haben wir unseren Kunden bei der Suche nach ihrem persönlichen Traumurlaub geholfen. Sie sehen Herr Gröbchen, so sehr unterscheiden wir uns also doch nicht vom guten alten Reisebüro ;)

    Liebe Grüße,
    Melanie und der Rest von Checkfelix.com

  2. Rantje Says:

    Da ich ebenfalls in der Reisebranche bin sind solche Artikel für mich immer wieder interessant.

    Danke das solche Artikel im Netz zu finden sind, denn man lernt ja nie aus.

    Rantje


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