Welcome To The Pleasure Dome

17. Juli 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (68) Der „OhMiBod“, ein Sex Toy, ist ein kurioses Beispiel für neue Strategien der Musikindustrie.

Das letztwöchige Thema dieser Kolumne – Pornographie im Web – hat einige Leser erregt. In dieser und in jener Hinsicht. Wie werden erst die Reaktionen auf die aktuelle Ausgabe ausfallen? Denn ich bin hier und heute als PR-Büttel der Musikindustrie – die gilt selbstgerechten Kultur-Moralisten ja schon per se als pfui! – und Gelegenheits-Vertreter für Sex-Spielzeug unterwegs.

Wie kommt’s? Neulich meinte eine befreundete Vertriebschefin, ihre Firma hätte jetzt, von wegen neue Erlösquellen und so, ein ganz ausgefallenes Produkt im Programm. Und ich müsse es unbedingt kennenlernen. Meine LeserInnen erst recht. Den „OhMiBod“. Ein Ding vom Aussehen einer extradicken Zigarre, das mit iPods, iPhones und allen gängigen MP3-Playern kompatibel ist. „Where music and pleasure come together“ lautet der Werbespruch auf der zugehörigen Website.

Nicht nur Bill Clinton-Imitatoren und lebenslustige Kunstsinnige dürften daran Vergnügen haben. Per 2,4 Gigahertz-Transmitter nimmt die Musikquelle – bitte vorzugsweise mit „Parental advisory, explicit lyrics“-Material füttern! – mit dem extra hautverträglichen Massagestab Kontakt auf. Und lässt „OhMiBod“ rhythmisch vibrieren. Bitte, ein Live-Konzert von Prince kann derlei nicht ganz ersetzen, aber dafür fällt der Lustgewinn intimer aus als in der Wiener Stadthalle. Fünf Stunden Laufzeit sind jedenfalls ein Versprechen.

Wenn ich mich auch der engeren Zielgruppe nicht zugehörig fühle, ringt mir die ung’schamige Diversifizierungs-Strategie von Universal Music Austria Bewunderung ab. Denn Entertainment- und Erotikbranche gehen nun mal gut zusammen. Wenn auch bisweilen unfreiwillig: gerade eben haben fünfzehn Musiklabels in Los Angeles Klage gegen diverse Pornoseiten-Betreiber eingebracht. Der Grund: die illegale Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Songmaterial in hunderten von Schmuddel-Clips. Pro Video hätten Warner Bros. & Co. jetzt gerne 150.000 Dollar Wiedergutmachung. Denn: das Image vieler Künstler sei immens geschädigt worden.

Nun ja: hat man die Protagonisten der österreichischen Dance-Pop-Spitzenreiter Bunny Lake gefragt, ob sie Testimonial für den „OhMiBod“ spielen wollen? Und unter zwei-, nein: eindeutig eindeutigen Umständen „Into The Future“ intonieren möchten? Unter uns: rein rhetorische Frage. Denn das Zusammenspiel klappt gut. Und imagemässig ist’s auch kein Schaden. Semino Rossi, die Ursprung-Buam oder die Philharmoniker kommen ja eher nicht in Betracht. Oder?

Advertisements

Eine Antwort to “Welcome To The Pleasure Dome”


  1. […] irgendwie hatten wir dann doch einen Dreier. Erschienen im WIENER 348 / August 2010. Mehr zum Thema gibt’s bei Gröbchen! Share this var a2a_config = a2a_config || {}; a2a_localize = { Share: "Share", Save: "Save", […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: