Luft und Liebe

31. Juli 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (70) Musik-Streaming in den eigenen vier Wänden gehört die Zukunft. Die ist teurer oder billiger zu haben.

Ich hab’ ja schon ein schlechtes Gewissen. Seit Wochen, nein: Monaten steht in meinem Büro ein Gerät herum, das ich jetzt einmal ernsthaft testen, ungetestet erwerben oder kurzerhand retournieren sollte. Das Gerät hört auf den hübschen Namen „AirStream“, kommt aus Frankreich (vom renommierten Hersteller Micromega) und kümmert sich um die kabellose Verbindung des Computers mit einer tunlichst hochwertigen HiFi-Anlage. Streaming für den Hausgebrauch, sozusagen. Das Rätselraten, ob sauteure sauerstoffreie Silberstrippen das letzte i-Tüpfelchen zum Wohlbefinden audiophiler Musikfanatiker beitragen, hat damit ein Ende. Zumindest partiell.

Aber die Probleme beginnen andererseits auch wieder von vorn. Ja, eh, das „Airstream“-Kastl mit seiner schmucken blauen LED an der Silberfront – Knöpfe, Schalter oder sonstige explizite Bedienungsmöglichkeiten kennt das Gerät nicht – klingt brauchbar. Sehr brauchbar sogar, einem ersten oberflächlichen Hinhören nach. Mein HiFi-Dealer ist förmlich aus dem Häuschen, wie gut sich das Micromega-Teil schlägt, erst recht im Vergleich zu weitaus teureren Geräten etwa von Linn oder T&A. Aber: „nur“ rund tausend Euro sind auch kein Klacks.

Und ich hab’ vor dem spontanen Zugreifen einen Zug gemacht, der zwar bisweilen weniger zur Aufklärung als zur kompletten Verwirrung beiträgt, aber generell nie ein Fehler ist: ich habe mir Testberichte aus dem Internet gefischt. Natürlich war der überwiegende Teil davon – wir kennen ja unsere kritischen Fachmedien und peniblen PR-Partner – aus der Abteilung Lob & Hudel. Aber ein Journalisten-Kollege merkte nebenher an, eigentlich sei das „Airstream“-Gerät, das auf die weit verbreitete Software-Jukebox iTunes aufsetzt, nichts anderes als ein kleiner WLAN-Empfänger von Apple (Kennern unter dem Namen „Airport Express“ bekannt). Samt einer Alu-Hülle drumherum. Ohne kostet’s halt nur ein Zehntel. Und kann prinzipiell dasselbe. Logitechs ähnlich günstige „Squeezebox“ übrigens auch.

Ich höre meinen HiFi-Händler schon stöhnen. Und argumentieren. Und zu ausgiebigen Listening Sessions im Vorführstudio einladen. Irgendein Unterschied muss da ja sein. Aber ob ihn meine Ohren auch wahrnehmen (und nicht nur meine Augen), wird wohl von der Tagesverfassung abhängen. Nicht zuletzt jener meiner Geldbörse.

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6 Antworten to “Luft und Liebe”


  1. Es mag ja jeder darüber denken wie er will, aber ich glaube, dass dieses Produkt vollkommen sinnbefreit ist. Wenn man die schlechten DA-Wandler solcher Streamingboxen nicht verwenden will, weil diess ja wirklich meist unterirdisch sind, da nehme man den DIGITALEN Ausgang und leite diesen in seinen Verstärker. Dort ist sicher noch ein Eingang frei.
    Um die Differenz zwischen Airport und dem Teil hier bekommt man schon einen wirklich guten Verstärker mit wirklich guten DA-Wandlern.
    Aber das wäre vielleicht schon wieder zu vernünftig.

  2. Gerhard Gallian Says:

    Abgesehen der (selbstverständlich subjektiven) klanglichen Beurteilung dieses Gerätes durch viele Hörer – irgendwo zwischen ‚beeindruckend‘ und ‚unglaublich‘, gilt es hier eine kleine technische Korrektur anzubringen: es ist zwar richtig, dass das Gerät einen Apple AirPort Express implantiert hat – das ist aber nicht alles!
    Dazu kommt nämlich noch ein absolut klangstarker R-Core Trafo und eine klanglich optimierte Clock im Empfangsteil…
    Der Dealer aus dem Urlaub :-)

  3. Cassius66 Says:

    Wie überaus gut recherchiert!
    Klassischer copy und paste-Journalismus, wie er leider selbst in sogenannten Qualitätszeitungen Platz greift.Sich ein eigenes Urteil zu bilden scheint wohl zu aufwendig. Empfehle einen Versuch mit eigenen Ohren.

  4. Alex Says:

    Es ist eigentlich schade um die Zeit auf so einen schlechten Artikel zu antworten, aber aus irgendwelchen Gründe habe ich Lust mich hier zu äußern. Für mich absolut unverständlich ist es nicht 30 min zu investieren um diesen Hörvergleich zu machen. Ich hatte eine Airstream zu Haus (mit sau… -Kabeln angeschlossen sowohl Stromseitig via PS-Audio Power Plant als auch via sau… IF Kabeln). Ich habe den Airstream in meiner High End Anlage mehrere Wochen gehaubt und er produziert für den Preis einen ausgezeichneten tollen Klang. Der Vergleich mit dem Apple Produkt ist für mich keine Frage – weniger Auflösung – schlechtes Timing – auch wenn ich den Airport an meinen Hoerwege modifizierten DacMagic mit R-Core und Black Gate Stromversorgung anschliesse hat er nicht das Timing und die Darstellung der Instrumente die der Airstream schafft. Es gibt sicherlich bessere CD Player – die aber auch ein zigfaches des Airstreams kosten und mir auch mehr Freude bereiten – aber einen Airport möchte ich nicht in meiner Anlage betrieben – einen Airstream schon. Ich habe meinen Airstream an einen Freund weitergegeben, der damit seinen Naim CD5 abgelöst hat. Wenn man kostengünstig in den Streaming Bereich einsteigen will ist der Micromega sicher ein tolles Gerät. Für mich ist eines klar – Grob – Gröber – Gröbchen Artikel zu lesen ist Zeitverschwendung – da kann mań mit dem gleichen Zeitaufwand die Produkte selbst vergleichen und sich ein eigenes Urteil bilden.


  5. […] gar nicht von Störgeräuschen. Solche Misstöne – journalistischer Natur – hatte ich wohl abgesondert, als ich vor ein paar Wochen über ein innovatives Gerät namens „Micromega Airstream“ schrieb, […]


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