George Clooney, Eric Schmidt, meine Freundin & ich

7. August 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (71) Die Rasanz der technologischen Entwicklung überfordert bisweilen sogar Experten. Und Kolumnisten, die sich eventuell für Experten halten.

Stop! Gerade mal eben trudelte die Meldung herein, dass Google seinen Dienst „Google Wave“ einstellt. Veröffentlicht wurde dieses „internetbasierte System zur Kommunikation und Zusammenarbeit in Echtzeit“ (ich muss da Wikipedia bemühen, bis zuletzt konnte mir niemand recht erklären, worum es sich überhaupt handelte) im Mai 2009, etwas mehr als ein Jahr später sperrt es schon wieder zu. So geht’s ja auch nicht, meine Damen und Herren! Ich hab’s noch nicht mal ausprobiert! Dabei hätte dieses revolutionäre Etwas auf einen Schlag e-mail, Facebook, Twitter, Skype, den MSN Messenger und was weiss ich nicht noch alles überflüssig machen sollen. Oder so. Tja, schade.

Der Punkt ist: wir sind nicht bereit für die technologische Revolution. Meint jedenfalls der Chefstratege von Google, CEO Eric Schmidt. „Zwischen dem Beginn der Zivilisation und dem Jahr 2003 hat die Menschheit etwa fünf Exabyte – das entspricht 5 Milliarden Gigabyte – an Information produziert“, verkündete Schmidt bei einer Konferenz in Lake Tahoe. „Heute kommen wir alle zwei Tage auf eine solche Datenmenge. Und die Kurve zeigt steil nach oben.“

Subjektiv muss ich dem Herrn recht geben: in meiner In-Box warten immer noch zirka dreihundertsiebenundvierzig Elektropostdepeschen auf Antwort. Und meine Leistungskurve weist drastisch nach unten. Ich bin urlaubsreif. Dass ich hierorts etwa Weisheiten zum neuen Apple iPhone von mir gebe, scheitert schon schlicht daran, dass ich noch nicht mal dazu gekommen bin, mich für eine Testvorführung anzumelden. Also tu ich’s am besten gleich vorauseilend für Version 5. Die kommt wie das Amen im Gebet. Und hat dann eventuell auch gleich einen persönlichen Ausreden-, Anti-Arschloch- und Alltags-Abblock-Generator mit künstlicher Intelligenz eingebaut.

Soooooo langsam bewege ich mich übrigens auch nicht im Hochtakt-High Tech-Universum. Zum Vergleich: meine Freundin hat gerade mal Facebook entdeckt. Und tappt da staunend („Das ist ja ein irrer Zeitfresser! Haben die alle nix zu tun?“) Pfade entlang, die vor ihr schon eine halbe Milliarde Menschen ausgetrampelt haben.

Facebook sei ja auch das neue Google, höre ich Experten raunen. Bullshit: 3.0 ist das neue 2.0, sag’ ich Ihnen, wird aber bald von 4.0 abgelöst. Und so weiter. Und sofort! Dass ein nicht ganz unbekannter Hausfreund namens George Clooney meinte, er würde sich lieber live im Fernsehen von einem Arzt mit kalten Händen rektal untersuchen lassen als eine Facebook-Seite zu haben, muss ich meiner Holden ja nicht verraten. Oder erst dann, wenn die Social Media-Massenflucht zum allerneuesten Trend wird.

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2 Antworten to “George Clooney, Eric Schmidt, meine Freundin & ich”


  1. […] Blogs über George ClooneyGeorge Clooney, Eric Schmidt & ich « Grob. Gröber. Gröbchen. […]


  2. […] die Herrin über Geschirrspüler, Waschmaschine und Fernseher, ohne sich aber für die Details zu interessieren. Meinem Technikpark begegnet sie mit offensiver Ignoranz. Oder, wahlweise, mit aufreizender Ironie. […]


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