Das Daniel Düsentrieb-Ding

14. August 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (72) Der „Air Multiplier“ von Dyson lässt herkömmliche Ventilatoren alt aussehen. Aber kann er auch wirklich etwas – ausser Wind erzeugen?

Vielleicht ist es ja vorrangig das „Ah!“ und „Oh!“, das dieses Gerät erzeugt. Und zwar bei Gästen, die den Ventilator zum ersten Mal zu Gesicht bekommen. Dazu muss man ihn noch nicht mal einschalten, die silbrig glänzende, stumme Skulptur mitten im Raum tut’s auch.

Wobei: „Ventilator“ ist eigentlich die falsche Bezeichnung. Der „Air Multiplier“ von Dyson sieht aus wie ein Designstück ohne Rotorblätter. Und ohne schützendes Drahtgitter davor. In Science Fiction-B-Movies könnte man ihn als Empfangsanlage für ausserirdische Signale verwenden. Ich dachte auch kurz daran, unseren Katzen Kunststücke beizubringen und sie durch das reifenförmige Etwas springen zu lassen. Aber Miez & Maunz halten einen instinktiven Respektabstand. Und ich will ja nicht den Tierschutzverein auf den Plan rufen – was wissen die schon von Strömungslehre, Design und technischen Innovationen.

Fortschrittlich ist der „Air Multiplier“ in der Tat. Dyson, bekannt geworden mit futuristisch anmutenden, beutellosen Zyklon-Staubsaugern, widmet sich mit einem 650 Mann (!) starken, eigenen Forschungs- und Entwicklungszentrum notorisch der Verbesserung und Neu-Erfindung altbekannter Funktionsprinzipien. Vor kurzem erst stellte man einen Händetrockner vor, der mit einem konzentrierten Luftstrom arbeitet statt mit einem Heizgebläse. Nun war der Ventilator dran.

„Rotorflügel bewirken ein Flattern der Luft“, verkündet die Werbebroschüre des britischen Herstellers. „Bei der Air Multiplier-Technologie wird die Luft durch einen schmalen Schlitz beschleunigt und über eine tragflächenförmige Schräge kanalisiert. Zusätzlich wird die umgebende Luft angesaugt und um das Fünfzehnfache verstärkt (das so genannte Erzeugen und Mitreißen).“ Zitat Ende.

Vom Aussehen des Geräts war und bin ich tatsächlich mitgerissen. Aber der Krach, den dieses Daniel Düsentrieb-Ding macht, ist auch nicht ohne. Zumindest in der höchsten Stufe. Immerhin kann man es stufenlos regeln. Und elegant zum Kreisen bringen. Doch auch wenn der „Air Multiplier“ kein herkömmliches Ventilator-Flattern erzeugt, bewirkt der doch meist ein nervöses Zucken und rasches Abwinken des – zuvor noch herzlich begeisterten – Publikums, wenn man auf seinen Preis zu sprechen kommt.

Nun: es war immer schon teuer, Distanz zum Gewöhnlichen zu demonstrieren. Und Sinn für Ästhetik. James Dyson lebt gut davon. Auch wenn der „Air Multiplier“ wie die Antwort auf eine Frage wirkt, die eigentlich niemand gestellt hat.

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Eine Antwort to “Das Daniel Düsentrieb-Ding”


  1. […] eine Kodak Instamatic. Die Brauchbarkeit oder Unbrauchbarkeit selbst deklariert professioneller Tools wird von ihr innert Minuten herausgefunden. Und ziemlich deutlich kommuniziert. Jeder […]


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