Porsche im Gedankenstau

23. Oktober 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (82) Technik-Fetischismus: Porsche 917 trifft auf Roland Düringer – kann das gut gehen?

Unter uns: ich könnte diese Kolumne täglich füllen. Nicht, weil ich sonst nichts zu tun hätte. Oder aus purer Egomanie. Sondern weil das weite Themenfeld Technik ein kaum mehr fassliches Stakkato ständiger Neuigkeiten, Visionen, Entwicklungen, Produkte, Kuriositäten, Fragen und möglicher Antworten (samt gesellschaftlicher, kultureller, ökonomischer, politischer Relevanz) ab- und aufwirft. Der lockere, dabei einigermassen ernsthafte, jedenfalls strikt subjektive Umgang mit derartigen Materialquantitäten – für die objektiven Nachrichten sind die KollegInnen des Tech-Ressorts zuständig – lässt sich schwerlich in knapp 2000 Zeichen pressen. Einmal die Woche. Da wird einem leicht schwindlig. Zumindest dem Autor.

Der wollte ja dieser Tage einer Laune nachgehen – und über den Porsche 917 schreiben. Ohne besonderen Anlass (sieht man von einer sentimentalen Erregung nach Lektüre einer extraordinären Jochen Rindt/Lotus´69-Story in der aktuellen Ausgabe der „AutoRevue“ ab. Empfehlung!). Wer, wie ich, einen alten, verbeulten Mazda MX5 fährt, für den ist der museale Porsche – Sie kennen das legendäre Rennfahrzeug eventuell aus dem „Le Mans“-Film mit Steve McQueen – natürlich das geilste Trumm Technik aller Zeiten. Mehr noch: das ultimative Männerspielzeug. Selbst in der Matchbox-Version. Und sollte nicht Raumschiff Enterprise 1:1 nachgebaut werden, ist ein mächtigeres Sinnbild für die Kraft und Herrlichkeit der motorgetriebenen Fortbewegung kaum denkbar.

Dann aber wurde ich, eher zufällig, Zeuge eines Zwiegesprächs des vormaligen Autofetischisten und Kabarettisten („Benzinbrüder“) Roland Düringer mit dem Verkehrsexperten Prof. Hermann Knoflacher. Es war gar nicht lustig, obwohl dafür Karten verkauft wurden. Sondern eher nachdenklich. Ist das Automobil wirklich ein Vehikel menschlicher Vernunft? Oder nicht eher das Symbol eines vollkommen fehlgeleiteten Allmachtsanspruchs, der die Ressourcen dieses Planeten und unsere persönliche Freiheit mit Karacho in der Sackgasse enden lässt? Gute Frage. Nächste Frage. Jedenfalls hatte ich nach dem Düringer-Abend (dito: Empfehlung!) keine Lust mehr auf eine testosterongeladene 917er-Porsche-Huldigung.

Was will uns der Autor damit sagen? Dass man Atem holen sollte, bevor man die „Send“-Taste drückt. Oder den „Buy“-Button. Oder den „Gefällt mir“-Daumen. Vielleicht überleg’ ich mir sogar die MacBook Air-Eloge noch. Obwohl sich die fast von allein schreiben würde. Eventuell ist’s ja das geilste Trumm Technik aller…

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5 Antworten to “Porsche im Gedankenstau”

  1. Ritchie Says:

    1. Du hast ja so recht mit dem 917er. Grundsätzlich find ich ja, dass Porsches die grauslichsten plattgedrückten VW-Käfer sind, die je auf Straßen losgelassen wurden, aber der 917er ist eine Ausnahmeerscheinung… womöglich die Spätfolge einer Hippie-Party, an der der Designer mal teilgenommen hat (damals war Motorisierung ja nicht primär mit Umweltfiasko konnotiert).

    2. Auch was das Nachdenken, die Pause-Taste & Co. betrifft, bin ich ganz deiner Meinung. Aber ich les die Kolumne sehr gern und habe bisher nie die penetranten Geruch von Unreflektiertheit hier wahrgenommen! :-)

  2. Ritchie Says:

    Korrektion: „den“ penetranten Geruch natürlich, nicht die.


  3. […] von acht Kilometern zum nächsten Supermarkt in Sichtweite ist, werde ich mich – bei aller Sympathie für neue Ideen – nicht umtaufen lassen. Religiöser Eifer war mir immer […]


  4. […] unsere Welt ist im Umbruch begriffen. Gerade auch, was unseren mobilen Alltag betrifft. Gut so. Ich wünsche D. und uns […]


  5. […] Displays zum Ausklappen – für fortgeschrittene Gamer – geben könnte, entlockt im rasanten Stakkato des Fortschritts und unerbittlichen Sog des Markts erst recht keine „Ah“- und „Oh“-Rufe! […]


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