Old School Stereo Components

5. November 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (84) Keine neue, aber eine erfrischende Erkenntnis: eine altmodische HiFi-Anlage kann auch eine topmodische Wertanlage sein.

Heissa!, jetzt bricht wieder der Rummel mit den Jahres-Bestenlisten los. Die beste CD-Veröffentlichung, das lesenswerteste Buch, die grösste Enttäuschung unter den Produktnovitäten, die dringlichste Empfehlung für den Weihnachtsgabentisch. Und so weiter und so fort. Die übliche Jahresausklangs-Folklore für Journalisten und Konsumenten.

Da die Halbwertszeit der – mehr oder minder nachvollziehbar begründeten, manchmal auch nur apodiktisch verkündeten – Urteile aber immer kürzer wird, hebt die Rückschau tendenziell immer früher an (ganz unabhängig von jenen Narren, die uns im Jänner weismachen wollen, sie hätten definitiv schon „das Album des Jahres“ ausgemacht… Ich hab‘ zu derlei Unfug sowieso eine ganz eigene Meinung).

So preschte dieser Tage das Nerd-Zentralorgan „Wired“ vor und kürte die „39 besten Gadgets des Jahres“. Darunter das iPad („Mobile Product Of The Year“), einen 3D-Fernseher von Panasonic, ein Film-Streaming-Service namens „Netflix“, das noch nicht bis Europa durchgedrungen ist, eine Spiegelreflexkamera von Nikon (D300S, „The Terminator of DSLRs“) und allerlei anderes State Of The Art-Spielzeug. Eine vergnügliche, aber durchaus vorhersehbare Liste. Nur bei einer Rubrik war dies nicht der Fall. Im Gegenteil: wer hätte gedacht, dass „Old School Stereo Components“ in einem zukunftsorientierten Medium wie „Wired“ einen Platz finden? Also Röhrenverstärker (!), Plattenspieler (!!) und Lautsprecher, die aussehen, als hätte man sie mittels einer Zeitmaschine direkt aus den frühen siebziger Jahren in die Gegenwart gebeamt?

Ich selbst habe noch vor Jahresfrist die ganze High Fidelity-Chose – abseits der AudioVideo- und PC/Streaming-Abteilung, die von Traditionalisten mit Verachtung gestraft wird – als leicht angestaubtes Hobby für alte Männer abgetan. Pah! Ich fröne ja selbst diesem Hobby. Am Tag, an dem Sie diesen Blog-Eintrag in der papierenen „Presse am Sonntag“ lesen – also am Sonntag – finden Sie den Autor wahrscheinlich quietschvergnügt bei der heimischen HiFi-Messe „KlangBilder“ im Wiener Hilton Plaza Hotel am Schottenring (die läuft übrigens auch schon heute). Inmitten mannshoher Boxen, audiophiler Hörgeräte (ohne Surroundschnickschnack) und gigantomanischer Plasmaschirme.

Oh ja, man kann für derlei Zeug viel Geld ausgeben. Man kann aber auch die eine odere andere Anschaffung fürs Leben tätigen. Die sich tendenziell – allein ob des Zuwachses an Hör-, Seh- und Lebensqualität – eher rechnet als ein Fast Food-Billigburger zwischendurch. Wenn dann mediale Durchlauferhitzer wie „Wired“ auch auf den Zug aufspringen und (im besten Sinn des Wortes) konservatives Konsumverhalten zum Trend des Jahres 2010 erklären, soll’s uns doppelt recht sein.

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6 Antworten to “Old School Stereo Components”

  1. Walter Gröbchen Says:

    Eine Alternative (oder Ergänzung) zu „klangBilder“: die Hausmesse von Real HiFi in der Paniglgasse 24, 1040 Wien. Bis 18 Uhr. > http://www.real-hifi.com

  2. CEEA Says:

    Danke für den Hinweis zur KlangBilder.
    Ist immer eine sehr gute ‚Messe‘, die nicht nur für Technik-Freaks von Interesse ist.

    Viel Spaß heute Sonntag dort. ;)


  3. […] und High Fidelity besteht die Gefahr, dass sich vorrangig gelangweilte ältere Herren dem Thema widmen, aber noch kann ich als Unter-50-Jähriger […]


  4. […] Stereo-Turm aufzustapeln. Und natürlich schlägt das Pendel der Hörmoden gerade stark in die No Nonsense-Richtung. “Wir brauchen kein stinkendes, von Robotern zusammengebautes, schwarzes […]


  5. […] jedenfalls ist es das: ein alljährlich wiederkehrendes Vergnügen. Meist packe ich eine Produktion, die ich höchstpersönlich in- und auswendig kenne, […]


  6. […] werde oder nicht, wird sich weisen. Erst neulich habe ich gegenüber einem – ebenfalls vom Vintage-HiFi-Virus befallenen – Freund betont, die eigentliche Befriedigung liege darin, exzellente […]


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