Science Fiction versus Senioren

13. November 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (85) Für einen lebensentscheidenden Anruf braucht es nicht unbedingt ein überzüchtetes Smartphone.

Eigentlich sind mir ja Mobiltelefone – das seltsame Wortgeschöpf „Handy“ versteht ausserhalb des deutschsprachigen Raums kein Mensch – relativ egal. Relativ, wohlgemerkt, denn natürlich sind die Dinger inzwischen weithin Miniatur-Elektronengehirne mit einer Funktionsvielfalt jenseits von „Eine für alles“-Küchenmaschinen. Das gilt insbesondere für die Subspezies „Smartphone“. Ohne Touchscreen, eigenen App-Store und allerlei Goodies, die direkt aus der Werkstatt des James Bond-Bastelonkels Mister Q stammen könnten, geht heute gar nichts mehr. Egal ob es sich im ein iPhone, ein Modell mit Android- oder Symbian-Betriebssystem oder gar eins mit dem neuen Windows Mobile 7 (vulgo Windows Phone) handelt. Die Menschheit gewöhnt sich umgehend an jeglichen im Alltag probaten Fortschritt, obwohl’s uns noch vor zwei, drei Jahrzehnten wie Science Fiction vorgekommen wäre.

Man kann also mit Recht fasziniert sein von Mobiltelefonen. Bin ich auch (wobei meine Faszination nicht ganz so weit reicht wie jene des „Falter“-Technikkolumnisten-Kollegen, der praktisch nur mehr über neueste und allerneueste Handys schreibt). Wobei: die Frage, ob ein Gerät von Nokia, Samsung oder HTC lifestyle-mässig eher zu Männlein oder Weiblein passt – sogar das wurde dieser Tage erörtert, wenn auch nicht im vielgeschätzten „Falter“ – mag eventuell für Marketingstrategen relevant sein. Für den Rest der Welt weniger. Meiner Mutter etwa, deren Fixanschluss im nördlichen Niederösterreich gerade von „Viertel-Telefon“ (kennt das noch wer?) auf einen vollwertigen Anschluss umgerüstet wird, ist das gänzlich blunz’n. Aber neulich im Spital wurde sie auch – kein Wunder bei den Abzocker-Tarifen der Krankenanstalten – vom Mobile Phone-Virus infiziert. Also muss dringend ein Handy her.

Und damit kommen wir zum Nutzwert dieser Kolumne: überlegen Sie sich, ob es tatsächlich ein State Of The Art-Gerät sein soll. Oder nicht doch eins der bestechend simplen Dinger, die der Fachhandel, marketingtechnisch eher unclever, als „Senioren-Handies“ führt. Damit kann man ganz hervorragend telefonieren. Die Ziffern ohne Brille ablesen. Und, im Fall der Fälle, einen Notruf an seine Liebsten (oder eine sonstige eingespeicherte Nummer) absetzen. Der in Linz ansässige Hersteller emporia etwa macht mit solchen Mobiltelefonen Millionenumsätze. Und ist damit, Gratulation!, weltweit Marktführer. Das brandneue Modell „Solid“ sieht übrigens gar nicht nach Pensionistenverein aus. Sondern eher nach Adventure-Pfad. Ich glaub’, ich bestell’ mal ein Testexemplar.

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5 Antworten to “Science Fiction versus Senioren”

  1. ebs Says:

    herr oberg’scheit erlaubt sich anzumerken: das neue handy windows heisst nimmer windows mobile sondern windows phone.

  2. M. Scherer Says:

    Die Generation 50plus freut’s: Seniorenhandys sehen seit „Solid“ nimmer alt und verstaubt aus.


  3. […] es ein Gerät der zweiten Generation, also technisch nicht mehr am neuesten Stand der Dinge, vom Image ganz zu schweigen. Zeit, ein neues iPhone zu erwerben (und, nein, ich hab jetzt keine Lust, auf das […]

  4. Susanne Says:

    so gesehen ist „Handy“ ein deutsches Wort – das find ich lustig und fein.
    wären meine eltern lässig genug emporias zu haben, könnt ich öfter mit ihnen telefonieren. denn auf ihren „kleinteil zeugs“ kennen sie sich bis heute nicht aus – nur zugeben tun sie’s nicht.


  5. […] nicht gar zur eierlegenden Digitalwollmilchsau entwickelt hat, schon ziemlich faszinierend finden. Andererseits wird’s auf Dauer auch öd, über nichts anderes mehr zu berichten. Insofern hat mir Vasek diese […]


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