Televisionen

20. November 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (86) Sie kommen, die Kästchen: „Apple TV“ zeigt, wie das Fernsehen der Zukunft funkt(ioniert).

Es ist eh lustig, aber irgendwie auch todtraurig, die Diadochenkämpfe am Küniglberg mitverfolgen zu müssen (samt den Begleittönen, die altvordere Egomanen wie Gerd Bacher absondern, was allerorten nur mehr Kopfschütteln auslöst). Insofern mag es tröstlich sein, dass die Zukunft des ORF weder in den Parteizentralen noch in der Betriebskantine entschieden wird. Und gewiss auch nicht in der Chefetage im 6. Stock der ORF-Trutzburg.

Wie meinen? Sagen wir so: die Fernseh-Zukunft steht generell zur Disposition. Da ist das Schicksal des ORF – der ja in manchen Bereichen so schlecht nicht dasteht, wie ihn manche (un)gern sehen wollen – vergleichsweise nebensächlich. Die eigentlichen Kampflinien verlaufen weder zwischen profitorientierten Privat-TV-Magnaten und öffentlich-rechtlichen Besitzstandwahrern noch zwischen den Sendern selbst.

Sondern zwischen Medienunternehmen – die Grenzen zwischen Print, Radio, TV verschwinden zusehends – per se. Und jenen Neulingen, die vehement in einen Markt drängen, auf dem die Kakophonie des Ewiggleichen gewiss kein probates Überlebensrezept ist. Diese Ruhestörer heissen Google, Apple, Microsoft, Sony & Co. Nicht unbedingt klassische „Medienunternehmen“, gewiss. Aber sie profitieren von unserer Neugier. Und Inhalten, die wir selbst produzieren. Oder doch Hollywood, das nach neuen Absatzkanälen für seine Breitwandschinken sucht.

Ich habe seit wenigen Tagen ein kleines schwarzes Kästchen – Kantenlänge 10 x 10 Zentimeter – daheim, das auf den putzigen Namen „Apple TV“ hört, mit dem Flachbildschirm per HDMI-Kabel verbunden ist und sich jeglichen Content aus dem Netz fischt. Anstandslos. Musik, Fotos, YouTube-Kuriositäten, Podcasts, Spielfilme. Zwar funktioniert letzteres, wie bei Apple üblich, nur über den hauseigenen iTunes Store und man muss, abhängig von der Netzbandbreite, mal ein halbes Stündchen auf die Lieferung warten, aber es ersetzt definitiv den Gang zur Videothek. Das Anschauen per Streaming – es gibt nur einen Pufferspeicher, keine Festplatte – kostet ab 2,99 Euro, man hat dafür 30 Tage Zeit. Elegante Sache. Und dabei steckt‘ sie immer noch – lange Zeit wusste man überhaupt nicht so recht, was Steve Jobs mit „Apple TV“ vorhatte – in den Kinderschuhen.

Die Blackbox, technisch basierend auf dem iPhone (mit dem es bald auch Daten austauschen kann), kostet in den USA gerade mal 99 Dollar. Hierzulande sind es dito moderate 119 Euro. Voilá: eine potentielle Killerapplikation. Natürlich nur prototypisch. Denn was hie „Apple TV“ heisst, heisst dort „Boxee“. Oder sonstwie. Die Kästchen sind gerade mal erste Vorboten für die Generation Sofa Surfers.

Netzwerkspezialist Cisco geht davon aus, dass anno 2014 ganze 91 Prozent (!) des globalen Datenverkehrs bewegte Bilder sein werden. Sprich: das Patschenkino der Zukunft ist das World Wide Web. Der ORF darf eventuell ein wenig Kasperltheater, TVthek-Content und Lokalkolorit beisteuern. That’s it.

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